KulturPolitik
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8.10.2004
Deutsches Theater soll zu einem der "führenden Schauspielhäuser" werden
Interview mit Christoph Hein
Moderation: Leonie March

Christoph Hein, Schriftsteller (Bild: Deutschlandradio)
Christoph Hein, Schriftsteller (Bild: Deutschlandradio)
March: Herr Hein, Sie sind vor allem als Schriftsteller bekannt, allerdings haben Sie auch schon als Dramaturg an der Berliner Volksbühne gearbeitet und viele Theaterstücke geschrieben. Freuen Sie sich darauf, endlich wieder Theaterluft zu atmen?

Hein: Es ist sehr spannend. Als das Angebot kam, war ich sehr überrascht und brauchte ein bisschen Bedenkzeit, aber das ist auch nach den bisherigen Gesprächen, die ich mit allen möglichen Leuten schon geführt habe und noch führe, sehr ermunternd für mich.

March: Man ist also auf Sie zu gekommen. Sie haben nicht den Finger gehoben?

Hein: Nein, überhaupt nicht. Ich war, wie gesagt, mehr als überrascht. Ich wäre, wenn ich in einer Findungskommission gewesen wäre, auf meinen Namen überhaupt nicht gekommen.

March: Was reizt Sie denn daran, ein Theater zu leiten? Sie haben ja "Ja" gesagt.

Hein: Ich habe sehr gerne am Theater gearbeitet. Das war eine sehr fruchtbare Zeit. Es ist eine gewaltige Aufgabe, speziell mit diesem Haus. Das Deutsche Theater ist für mich das schönste und wichtigste der deutschen Theater. Diese Anstrengung reizt mich sehr, die Überforderung macht sehr produktiv, mich jedenfalls.

March: Nun sind ja noch einige andere Posten frei, auch das Maxim Gork Theater sucht zum Beispiel einen Nachfolger. Warum haben Sie sich gerade für das Deutsche Theater entschieden?

Hein: Ich habe nur ein Angebot bekommen. Es ist nicht die erste Bühne, die mir angeboten wurde und auch nicht die erste große Berliner Bühne, die mir angeboten wurde, aber zum ersten mal habe ich nicht sofort Nein gesagt, sondern es ein bisschen hin und her gewendet, mit Leuten gesprochen und dann zugelangt.

March: Nun wird von einem neuen Intendanten auch immer ein bisschen ein Neuanfang erwartet. Welche Vision haben Sie denn für das Deutsche Theater?

Hein: Ich würde gerne erreichen, dass das Deutsche Theater wieder den Platz einnimmt, den es in Deutschland hatte und haben sollte.

March: Welcher Platz ist das.

Hein: Dass es eines der führenden deutschen Schauspielhäuser ist.

March: Wie wollen Sie das machen, inhaltlich?

Hein: Inhaltlich und von den Personen. Da sind wir noch in Gesprächen und das wird auch noch einige Zeit dauern. Das ist nicht von heute auf morgen und schon gar nicht über das Knie zu brechen möglich.

March: Das heißt, so eine Art Programm und Lieblingsschauspieler haben Sie noch nicht im Kopf?

Hein: Ich habe sehr vieles im Kopf, aber zwischen dem, was wünschbar ist und dem was erreichbar ist, gibt es halt möglicher Weise auch noch Unterschiede. Da ist zu reden. Andererseits merke ich auch, dass das Deutsche Theater auch eine solche Strahlkraft besitzt, dass sehr viele Theaterleute da sehr viel billiger sind, als möglicherweise bei anderen Bühnen.

March: Werden dann da auch Stücke von Ihnen zu sehen sein?

Hein: Ich bin nicht als Hausautor engagiert worden. Ich bekam nur ein Angebot als Intendant.

March: Leider. Müssen wir künftig auf Sie als Schriftsteller verzichten, oder wollen Sie neben Ihrer Arbeit als Intendant auch weiter schreiben?

Hein: Ich werde nicht aufhören zu atmen. Das kann ich ja auch nicht machen, also werde ich wahrscheinlich auch weiter schreiben. Es wird sich dann vielleicht in späte Nachstunden verlagern, oder wie auch immer, aber das kann ich nicht vollständig aufgeben. Ich denke, dass ist auch nicht beabsichtigt. Was immer die Gründe waren, dass man auf mich gekommen ist, ich denke, ich kann dann das, weswegen man auf mich kam, nicht selber torpedieren und versenken. Ich glaube schon, ich müsste ein bisschen von dem erhalten, der ich bis heute war.

March: Was denken Sie denn, was waren die Gründe, weswegen man Sie angesprochen hat?

Hein: Ich muss Ihnen gestehen, ich habe nicht gefragt.

March: Können Sie sich etwas vorstellen?

Hein: Ich habe heute den Pressetext des Senats in die Hand bekommen und da steht so ein bisschen was drin. Das ist überaus schmeichelhaft für mich. Vielleicht waren es solche Gründe.

March: Das können Sie aber nicht jetzt sagen, was da drin steht?

Hein: Das ist ja dann an die Presse gegangen, das haben Sie, glaube ich, auf dem Tisch liegen.

March: Die Hörer aber nicht Herr Hein.

Hein: Auch so, ich kann es nicht zitieren, weil ich den Text nur gehört habe, das tut mir leid.

March: Aber Sie freuen sich auf jeden Fall auf diese große Aufgabe.

Hein: Ich sehe das als eine ganz große Chance, und wie gesagt, die Anforderung und auch diese Überforderung finde ich unheimlich anregend und produktiv.
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