KulturPolitik
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22.12.2004
Schindhelm wird Generaldirektor der Berliner Opernstiftung
Moderation: Dirk-Oliver Heckmann

Heckmann: Es ist geschafft. Nach langen Querelen kann die Berliner Opernstiftung endlich einen Generaldirektor vorweisen, zumindest einen heißen Kandidaten. Der Name ist schon mehrfach gefallen, Michael Schindhelm, der zurzeit als Theaterintendant in Basel wirkt. Er soll die Opernstiftung leiten. Bis eben gab der Berliner Kultursenator Thomas Flierl gemeinsam mit Schindhelm eine Pressekonferenz. Vom Amtssitz des Kultursenators meldet sich mein Kollege Uwe Friedrich per Telefon. Die Entscheidung für den Theatermacher Schindhelm ist nicht besonders begeistert aufgenommen worden. Warum?

Friedrich: Zum Ersten gibt es die Stasi-Vorwürfe gegen Michael Schindhelm, das stammt noch aus der Mitte der 80er Jahre, als er in der UDSSR studiert hat. Er ist nicht so offen damit umgegangen in den 90er Jahren, wie man sich das gewünscht hätte und das ist natürlich schon ein starker Einwand, wenn man sich vor Augen hält, dass selbst der eher unbedeutende Kulissenschieber der Staatsoper das Haus sofort verlassen musste nach der Wende wenn da IM-Verdacht aufkam. Dann galt er in letzter Zeit nicht als ungeheuer glücklich als Theaterleiter in Basel und den dann als Chef der drei Opernhäuser zu berufen ist natürlich nicht unbedingt die Ideallösung.

Heckmann: Auch in Basel war Schindhelm ja umstritten wegen seiner Kontakte zur Stasi. Hat er denn in Berlin eine Chance wenn so viele gegen ihn sind, da gibt es doch kritische Stimmen vom Betriebsrat.

Friedrich: Es ist ein Ehrenrat eingesetzt worden mit den äußerst ehrenhaften Mitgliedern Wolfgang Templin, Ulrike Poppe, Lutz Rathenow aus der Bürgerrechtsbewegung und Walter Momper, die haben lang und breit dargelegt, wie genau sie sich das alles angesehen haben und von denen kommt absolute Entlastung. Das scheint mir persönlich auch glaubwürdig, auch wenn da immer ein kleiner Rest bleibt wo man sagt, das lässt sich nicht alles auflösen. Aber Michael Schindhelm war einfach kein Held, als er als Student angeworben wurde. Er hat gleich dekonspiriert, hat also im Freundeskreis offenbart, dass er Stasikontakte hat, aber er hat keine Zuwendungen erhalten. Er ist dann, wenn man so will, in eine innere Emigration in Nordhausen gegangen. Selbst die Beschäftigtenvertreter im Stiftungsrat, die gestern mit abgestimmt haben, sind offenbar auch davon überzeugt worden, dass diese Stasi-Vorwürfe im Grunde nicht bedeutend sind.

Heckmann: Also trotz dieser Entlastung durch den Ehrenrat hielten ja viele Schindhelm bereits für verbrannt. Können Sie sich erklären, weshalb er selbst noch zur Verfügung steht nach diesem Vorlauf?

Friedrich: Ich sage mal, etwas ungeschützt, Schindhelm ist ein nicht uneitler Mann. Das ist ein Job, mit dem er sich selbstverständlich auch profilieren kann, wenn man denn Glück hat. Das kann alles auch noch furchtbar schief gehen, aber dieser Posten ist natürlich erst mal ganz erstrebenswert, wenn man im Theaterbereich Karriere machen möchte.

Heckmann: Die Stiftung wurde ja schon vor einem Jahr gegründet. Warum hat es so lange gedauert, bis ein Kandidat gefunden wurde?

Friedrich: Die sind ja nicht so üppig gesät. Es gab noch einen anderen, Bernd Loebe, den geschäftsführenden Direktor der Frankfurter Oper. Es gab ein unschöne Intrige, weil der Senator Thomas Flierl von der PDS ihn offenbar nicht haben wollte, er hat von Anfang an Schindhelm bevorzugt. Das mag damit zusammenhängen, dass Thomas Flierl Kandidaten mit Ost-Biographien fördern möchte, was ja vielleicht auch gar nicht schlecht ist. Wenn man sich anguckt, wie wenige führende Kulturposten mit Ostdeutschen besetzt sind ist das ja tatsächlich etwas merkwürdig.

Heckmann: Schindhelm ist von Hause ja Naturwissenschaftler und Quereinsteiger im Kulturbetrieb. Ist er von seiner fachlichen Qualität der Richtige, um drei Opernhäuser in Berlin zu leiten?

Friedrich: Das ist natürlich eine problematische Sache. Der Generaldirektor hat ja ungefähr so viele Befugnisse wie der Bundespräsident politische Befugnisse hat, also sehr wenige. Es ist eine repräsentative Stellung, er muss konzeptionell und kommunikativ arbeiten und das Haus managen, diese Dachgesellschaft der Opernhäuser und des Balletts und der Werkstätten managen können. Er wurde in den Nachwendewirren Theaterleiter in Nordhausen und ist von dort nach Gera gegangen, das in seiner Zeit fusioniert wurde. Da muss er mit Sicherheit auch Verwaltungsfähigkeiten gehabt haben und haben in Basel. Um das, was ich eingangs gesagt habe, er gelte als nicht so erfolgreich - das ist nicht ganz so. Er hat die Wirtschaftspläne alle erfüllt, er hat das Theater im Prinzip erfolgreich geleitet, er hat einen sehr avancierten Spielplan versucht. Das ist natürlich kontrovers, das ist gar keine Frage und im Grunde erhofft man sich so etwas Ähnliches auch hier in Berlin, dass er es schafft, die Stiftung etwas aus dem Gerede zu bringen, dass die Stiftung selber kaum noch wahrgenommen wird, sondern wieder die drei Opernhäuser, die möglichst erfolgreich und künstlerisch avanciert arbeiten sollen.
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