KulturPolitik
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21.1.2005
Berliner Akademie der Künste zieht wieder an den Pariser Platz
Interview mit Werner Durth, Architekt des Neubaus
Moderation: Christopher Ricke

Ricke: Der Neubau am Pariser Platz, er war ja mit seiner Glasfassade lange umstritten. Warum fand man den Entwurf denn so provozierend?

Durth: Ich glaube, weil man den Entwurf gar nicht in seiner Konzeption angeschaut hat, sondern in dieser Phase des Wiederaufbaus des Pariser Platzes die öffentliche Aufmerksamkeit ganz darauf konzentriert war, wie denn die Platzwände gestaltet würden. Wir hatten einfach einen anderen Ansatz genommen. Sie sagten eben, es geht um einen historischen Ort. Wenn man über den Neubau spricht, ist es wichtig zu wissen, dass der Kern des Neubaus ein Altbau ist. Die bestehenden Ausstellungshallen sind das einzige Gebäude, was den Krieg und die Nachkriegszeit, sogar die Grenzsicherung der DDR überstanden hat. Diesem Altbau den Vortritt zu lassen und mit dem Neubau nur so zu umspielen, dass er auch noch vom Platz her sichtbar wird, sozusagen einlädt zum Besuch, hatte damals zu dieser Konzeption geführt, bewusst eben eine gläserne Fassade zu wählen, um den Blick auf den Altbau zu erlauben und umgekehrt auch den Platz zum Inneren hin zu öffnen. Das war die Überlegung. Wir haben das zwar auch sehr oft erläutert und dargestellt, aber ich glaube, dass allein die Bilder der anderen Gebäude lediglich dann den Kontrast noch verschärft haben, ohne dass wirklich dieser Ansatz, nämlich die Bewahrung des Erbes an diesem Ort, auch zum öffentlichen Thema gemacht wurde. Deswegen übrigens auch die Ausstellung, die jetzt in dem Neubau stattfinden soll, indem die Geschichte des Ortes thematisiert wird.

Ricke: Der Neubau muss aber nicht nur mit dem Altbau korrespondieren. Das Gebäude, das Sie und Günther Behnisch entwickelt haben, steht auch neben einem ziemlichen Klotz, dem historisierenden Hotel Adlon. Kann denn so ein transparentes Gebäude wie das der Akademie neben diesem Hotel bestehen?

Durth: Ich glaube, man wird sich sehr schnell dran gewöhnen, wenn die Lichtspiele, sowohl das Durchscheinen der Sonne an den hellen Tagen wie vor allem auch die Lichtspiele des Inneren, wenn es dunkelt, wenn der Bau abends durch öffentliche Veranstaltungen belebt wird, dann sehr wohl auch in einen, ich sage mal, ästhetischen Dialog mit den Nachbarn tritt. Bisher ist es ja nur Baustelle gewesen und gestritten wurde nur über Pläne.

Ricke: Das Innere der Akademie, das ist eine Art offene Treppenskulptur mit Brücken, Treppen, Galerien. Man bekommt richtig Lust, die Akademie zu erforschen, zu erlaufen, vielleicht sogar zu ersteigen. Es gibt den Wandelgang im Erdgeschoss, der den Pariser Platz mit dem Holocaust-Mahnmal verbindet. Es gibt Ausstellungsräume, es gibt einen Lesesaal. Aber wie öffentlich wird das Gebäude wirklich sein?

Durth: Sie sprechen ein ganz wichtiges Element an, nämlich diese stadträumliche Verbindung zum Pariser Platz, zur Behrenstraße durch. Das wird eine offene Passage bleiben, in der auch eine Gastronomie angeboten wird, von der aus man beiläufig eben auch sehen kann, welche Ausstellungen sich in dieser großen Saalfolge, der denkmalgerecht nun renovierten großen Ausstellungshallen nun ergeben. Das gesamte Erdgeschoss ist eben dieser, sage ich mal, interessierten Öffentlichkeit gewidmet. Die Ausstellungen sind natürlich jedem zugänglich. Genauso auch wie der Lesesaal den interessierten, forschenden, lesenden Menschen. Darüber ist der Plenarsaal gelegen, der auch zunehmend sicher für Lesungen, öffentliche Veranstaltungen, Konzerte genutzt werden wird. Ich sage mal, etwas diskreter ist das darüber gelagerte Präsidialgeschoss und schließlich die Dachterrasse, die als Treffpunkt der Akademiemitglieder vor allem eben den Gästen und Freunden vorbehalten sein soll. Insofern stuft sich die öffentliche Nutzung gewissermaßen nach oben ins Diskrete ab, aber es ist ein öffentliches Haus und so ist es ja auch geplant, auch mit dieser einladenden Geste der Glasfassade, Verzicht auf Sockel, mit diesem leicht hoch führenden Weg in den eigentlichen Kern, die Ausstellungshallen hinein.

Ricke: Drehen wir noch einmal den Blickwinkel. Gehen wir in das oberste, in das diskrete Geschoss und auch in die, die darunter liegen. Wie sieht man denn von der Akademie auf den Platz? Von der Dachterrasse wird die Aussicht sicherlich spektakulär sein?

Durth: Das ist einfach ein unglaubliches Panorama, weil man eigentlich alle wichtigen öffentlichen Gebäude, die jetzt mit der neuen Hauptstadt Berlin verbunden sind, auf einen Blick sieht. Sie haben die Kuppel des Reichstags, sie schauen genau auf die Ebene, in denen die Regierung, das Kabinett tagt, der Blick geht weiter in Richtung auf Haus der Kulturen der Welt und schließlich auf der anderen Seite die Siegessäule. Das Dramatischste natürlich, nun wie zum Greifen nah, die Quadriga von Schadow, die geradezu in dieses Dachgeschoss hineinzureiten scheint. Das ist schon eine ganz spektakuläre Aussicht, die Historisches, wie Politisches, Kulturelles und, wenn Sie so wollen, auch Privates miteinander verbinden. Weil wir natürlich auf der anderen Seite genau wieder in die Obergeschosse, die Staffelgeschosse der Randbauten am Pariser Platz hineinschauen. Ich denke, dieser Wechsel von Öffentlichkeit und Intimität, die diese Aussicht bietet, ist schon etwas sehr Einmaliges.

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