KulturPolitik
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24.1.2005
Protest gegen neue Nutzungspläne für das Berliner Stadtschloss
Interview mit Klaus-Dieter Lehmann, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Moderation: Gabi Wuttke

Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Bild: AP)
Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Bild: AP)
Wuttke: Wie haben Sie von diesen Plänen erfahren?

Lehmann: Der Plan hat ja zunächst einmal einen Ausgangspunkt auch wieder durch einen Vorschlag von mir, dass ich gesagt habe, die ursprüngliche Nutzung von 80 Prozent kann man mit einigem Geschick reduzieren, ohne dass man die Idee mit den außereuropäischen Kulturen aufgibt, wenn man die großen Depots auslagert, so dass man dann zu einer Größenordnung von 65 Prozent Kulturnutzung und 35 Prozent kulturnaher privatwirtschaftlicher Nutzung kommt. Das finde ich noch vertretbar.

Was aber jetzt auf dem Tisch liegt, ist ja eine Option, die weder vom Bundestag noch von dieser Kommission jemals angedacht worden ist, nämlich einen 100-Prozent-Investor einzuladen, so dass die Kunst dann wirklich der Rendite geopfert wird.

Wuttke: Was heißt das für Ihre Pläne und für die Zukunft des Umweltforums?

Lehmann: Jeder kennt ja die Museumsinsel und weiß: Das ist der beste Platz, um überhaupt das Werden Europas darzustellen. Und die Idee mit dem Schlossplatz war ja, genau gegenüber die heutigen kulturpolitisch spannendsten Kapitel aufzublättern, nämlich die außereuropäische Kultur. Damit hätten Berlin und Deutschland eine Vermittlerfunktion in der Welt der Kulturen gehabt, die einmalig ist und es wäre wirklich für die internationale Sicht auf Berlin ein Armutszeugnis sondergleichen, wenn wir dort ein Hotel oder sonst ein Spielkasino hinstellen würden, es wäre letztlich das Aufgeben dessen, was wir sonst immer als Kulturstaat so deutlich akzentuieren.

Wuttke: Woher, glauben Sie, kommt denn überhaupt dieser Vorschlag?

Lehmann: Ich kann mir nur vorstellen, dass es ein Vorschlag aus der Richtung des Bundesfinanzministeriums ist, denn ich habe die Gespräche ja auch mit Bauminister Stolpe bis zuletzt geführt und wir sind immer von einem Investoren-Architekten-Modell ausgegangen, bei dem Kunst und Kultur nach wie vor die prägende Bedeutung hat und nicht der Investor mit seiner Rendite.

Wuttke: Das heißt, bevor jetzt diese Neuerungen in der Öffentlichkeit bekannt wurden, hat Manfred Stolpe Sie nicht angerufen und gesagt: "ich müsste Ihnen mal was erzählen..."?

Lehmann: Nein, das ist wirklich in dieser Form, die mich ja auch tatsächlich fassungslos gemacht hat und auch alle anderen, ich habe ja Reaktionen jetzt aus New York, Paris und London, die reagieren alle völlig aufgeschreckt über diesen Artikel, der vor kurzem in der Zeitung war und der das erste mal die Kultur völlig aus der Beziehung zum Schloßplatz gestrichen hat.

Wir haben ja den Vorschlag gemacht, wir können damit deutlich machen, dass die Investitionen der öffentlichen Hand auf etwas über 300 Millionen dann zurückgehen und das sind Dinge, die kann man durchaus dann besprechen, aber so einen krassen Vorschlag, wie er jetzt auf dem Tisch liegt, das ist gefährlich.

Wuttke: Sie vermuten, dass der Vorschlag aus dem Hause Hans Eichels kommt, nun dürfte aber angesichts der leeren Kassen ein solcher Vorstoß, zumindest ein Vorstoß, der die Kosten für den Bund reduziert, für Sie nicht wirklich überraschend gekommen sein, oder doch?

Lehmann: Wir haben eine ganz eindeutig andere Haltung des Bundes bei der Museumsinsel. Hier gibt es keinen Zweifel, dass das ein Prestigeprojekt des Bundes ist und der Bund genau weiß: alle, die nach Berlin kommen, kommen letztlich nur wegen der Kunst und Kultur. Die anderen Bereiche sind einfach schwieriger.

Und genau so ein Ansatz kann dieser Schloßplatz sein, denn wir haben die besten Sammlungen der außeuropäischen Kulturen, wir sind jetzt mit einer großen Betroffenheit der Tsunamiopfer befasst, aber letztlich zeigt es ganz deutlich: Wir wissen so wenig über die Welt. Wir sind nur deshalb befasst, weil auch Touristen Europas und Amerikas da mitbetroffen waren. Wir müssen uns um die Gleichgrangigkeit der Kulturen kümmern und das ist Politik im besten Sinne und das muss ein Staat wie Deutschland vollbringen.
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