KulturPolitik
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25.1.2005
"Wir haben attraktive Angebote"
Interview mit Peter Zombik, Geschäftsführer des deutschen Phono-Verbands
Moderation: Gabi Wuttke

Blick auf den Apple-Stand auf der 38. Midem in Cannes (Bild: AP)
Blick auf den Apple-Stand auf der 38. Midem in Cannes (Bild: AP)
Wuttke: Guten Tag nach Cannes.

Zombik: Guten Tag, Frau Wuttke nach Berlin.

Wuttke: Das illegale Herunterladen von Musik aus dem Internet, das war das große Thema in den vergangenen Jahren. Ist es jetzt der Erfolg des I-Pod einerseits, der Servicebörsen von Musikfans für Musikfans, das Filesharing andererseits?

Zombik: Natürlich sind das illegale Herunterladen von Musik und insbesondere die illegalen Angebote über Filesharingdienste nach wie vor ein Spitzenthema hier in Cannes und in der Musikindustrie insgesamt. Aber seit geraumer Zeit schon und nicht überraschend, natürlich auch hier in Cannes, wird ebenso intensiv die Frage diskutiert, auf welche Weise können wir die legalen Angebote, die ja im letzten Jahr insbesondere wirklich erfreulich sich etabliert haben in praktisch allen europäischen Märkten und internationalen Märkten, wie können wir diese Dienste noch attraktiver machen?

Mit welchen zusätzlichen Angeboten können wir dafür sorgen, dass die legale Alternative die bessere Alternative wird? Sie ist es in vielfacher Hinsicht. Nur über legale Angebote können sie sicher sein, dass sie keine Viren runterladen, legale Angebote bieten die höchste Qualität und das ist hier in Cannes natürlich eines der zentralen Themen.

Wuttke: Neben dem Sicherheitsaspekt, was sind denn die neueren Angebote, die jetzt in Cannes ventiliert werden?

Zombik: Natürlich spielt Napster eine große Rolle, die angekündigt haben, auch in den deutschen Markt zu kommen. Wir sehen das mit großen Erwartungen ...

Wuttke:: ... Also mit Pauschalen Abonnenten zu bedienen?

Zombik: In der Tat. Wir sehen das mit großen Erwartungen. Ich glaube, dass da auch durchaus erhebliche zusätzliche Potentiale liegen. Wir haben im letzten Jahr ja schon ganz erfreuliche Entwicklungen im deutschen Markt erlebt mit wichtigen Anbietern. Ich nenne nur als Beispiel Apple mit seinem Angebot und insbesondere auch Musicload mit seinem Angebot. Beides ist im deutschen Markt sehr gut angekommen. Die legale Alternative ist eine echte Alternative geworden und sie wird weiter, denke ich, das Vertrauen der Endverbraucher, der Musikfans finden und ihren Zuspruch.

Wuttke: Aber geben Sie doch mal Butter bei die Fische. Was sind denn erfreuliche Ergebnisse im letzten Jahr in Zahlen?

Zombik: Nun, wir haben noch keine endgültigen Marktzahlen. Aber die Zahlen, die uns aus dem Onlinebereich vorliegen, weisen eindeutig in eine sehr positive Richtung. Die Entwicklung ist exponentiell. Allein im Dezember sind nach den vorläufigen Zahlen, und das bitte ich mit aller Vorsicht aufzunehmen, weit über eine Million Songs aus legalen Quellen in Deutschland heruntergeladen worden.

Auch was den physischen Markt anbelangt, zeigen unsere ersten Zahlen, dass die katastrophale negative Entwicklung der Vorjahre offenbar gebrochen ist. Wir gehen davon aus, dass wir noch immer ein Minus haben werden im Jahr 2004, aber dieses Minus wird sich irgendwo zwischen vier und fünf Prozent einpendeln, denke ich. Wir haben durchaus den Eindruck, dass die Talsohle erreicht sein könnte und es 2005, insbesondere aber 2006 wieder aufwärts gehen kann.

Wuttke: Aber, hat die Musik auch Visionen? Denn sie musste ja in der Vergangenheit leidvoll erfahren, dass Musikfans sehr viel einfallsreicher sind, als die Industrie es sich vorstellen konnte.

Zombik: Einfallsreicher waren die Musikfans in der Frage, auf welche Weise kann ich am billigsten zu Musik kommen. Also haben die illegalen Quellen natürlich ebenso eine große Rolle gespielt wie das legale private Vervielfältigen. Wir haben noch keine Zahlen für 2004, aber 2003 sind auf 365 Millionen CD-Rs Musiksongs kopiert worden. Sei es teilweise aus illegalen Quellen, teilweise eben aber auch im Wege einer traditionellen, legalen, privaten Vervielfältigung. Wir gehen davon aus, dass sich diese Zahl auf über 400 Millionen entwickeln wird. Wir werden in wenigen Wochen Zahlen aus Marktforschungsuntersuchungen haben.

Weniger haben wir den Eindruck, dass die Qualität der Musik ein Argument ist, es ist ein Argument, das immer wieder benutzt wird. Andererseits kann ich mir hier schlicht nicht vorstellen, dass Musikfans Musik nutzen, und es ist nie mehr genutzt worden als heute, die qualitativ nachgelassen hat.

Wir glauben, wir haben attraktive Angebote. Wenn sie die Charts ansehen des letzten Jahres, finden sie absolute Spitzenveröffentlichungen, die auch ihre Kundschaft und ihre Fans gefunden haben. Von daher denken wir, dass wir, was die künstlerische Entwicklung anbelangt, durchaus auf dem richtigen Weg sind.

Wir müssen dafür sorgen, dass die illegalen Quellen verschwinden, wir kämpfen dagegen, wir werden auch mit Rechtsmitteln weiter gegen illegale Quellen im Internet vorgehen. Wir müssen parallel dazu weiter daran arbeiten und intensiv daran arbeiten, dass die legalen Quellen noch attraktiver werden als sie schon sind.

Wuttke: Zum Beispiel durch die Preise?

Zombik: Bei legalen Musikangeboten sind die Preise die Preise, die von den Anbietern selber gemacht werden. Bei den Preisen muss man natürlich immer auch bedenken, dass Preise nur gemacht werden können, soweit die Kosten damit gedeckt werden, sodass ich da vergleichsweise wenig Spielräume sehe.

Wuttke: Trotzdem, der Grund für die große illegale Brennerei von Musik waren ja eben die Preise der CDs. Muss man nicht trotzdem mal überlegen, wir erleben es ja überall in der Wirtschaftsflaute, die Profitspanne wird immer geringer, dass man erstmal wieder auffüllen muss, was in den letzten Jahren einfach dadurch, dass kein Geld in die Kasse kam, verloren gegangen ist und auf den Verbraucher im positiven Sinne zugehen muss?

Zombik: Nun, wir gehen auf den Verbraucher im positiven Sinne mit neuen Angeboten zu. Auch im physischen Markt mit neuen Angeboten. Aber, es kann natürlich kein Konzept sein, Preise zu machen, die die Kosten nicht decken. Also, sehenden Auges in eine noch tiefere Verlustsituation zu kommen als wir schon sind. Deswegen muss man da natürlich mit Augenmaß herangehen.

Aber, es ist gar keine Frage, eine Angebotsdifferenzierung, die ja gerade im Wege der Parallelität von Offlinemarkt, also traditioneller CD-Markt und Onlinemarkt, also Angebote zum Download aus dem Internet, ihre Manifestation gefunden hat. Ich glaube, dass da ein Weg ist, auch Endverbraucher über verschiedene Nutzungsoptionen immer wieder nicht nur an den Markt heranzuführen, sondern ihm auch ein breites Feld unterschiedlicher Gestaltungsmöglichkeiten, auch über die Preise zu geben.

Wuttke: Wir werden das beobachten. In der Ortszeit der Geschäftsführer des deutschen Phono-Verbands, Peter Zombik.

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