KulturPolitik
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26.1.2005
Grimme-Preis: Öffentlich-Rechtliche haben Nase vorn bei Nominierungen
Interview mit Ulrich Spieß, Leiter des Referats Adolf-Grimme-Preis im Grimme-Institut
Moderation: Gabi Wuttke

Haben gut lachen: Die vier Comedians Annette Frier, Ralf Schmitz, Cordula Stratmann und Dirk Bach aus der Serie "Schillerstraße", die für den Grimme-Preis nominiert wurde. (Bild: AP-Archiv)
Haben gut lachen: Die vier Comedians Annette Frier, Ralf Schmitz, Cordula Stratmann und Dirk Bach aus der Serie "Schillerstraße", die für den Grimme-Preis nominiert wurde. (Bild: AP-Archiv)
Wuttke: Herr Spieß, wie viele Filme stehen denn jetzt in der engeren Wahl?

Spieß: Wir hatten insgesamt 650 anzuschauen, um daraus die Spreu vom Weizen zu trennen. 55 Nominierungen stehen jetzt in drei unterschiedlichen Wettbewerben zur Wahl, und zwar im Wettbewerb Fiktion und Unterhaltung, im Wettbewerb Information und Kultur und im Wettbewerb Spezial.

Wuttke: Und welche waren für Sie die bemerkenswertesten?

Spieß: Es ist schwer, jetzt beispielhaft etwas hervorzuzaubern, denn es war ein insgesamt gutes und ertragreiches Jahr mit starken Beiträgen von Menschen, die auch in der Vergangenheit häufiger mit Grimme Preisen bedacht wurden, wie Georg Stefan Troller, oder auch Thomas Schadt. Es gab auch große respektable Programmanstrengungen. Das wäre zum Beispiel zu nennen: "Stauffenberg", "Heimat 3" oder auch das Live-Fernsehspiel "Feuer in der Nacht" vom ZDF, als ein Wagnis, das man gewagt hat.

Wuttke: Inwiefern?

Spieß: Weil es schon seit langer Zeit das einzige Fernsehspiel ist, das live produziert wurde. Es gab zwar ein Drehbuch, aber es gab keine Probemöglichkeiten, sondern es musste sozusagen live realisiert werden. Und in den sechziger Jahren hat es so etwas im Fernsehen häufiger gegeben. Aber dass ein solches Wagnis jetzt in einem Land, in einer Situation unternommen wird, wo alles ja auf Perfektion getrimmt ist, das war schon durchaus erstaunlich, und insofern auch schon eine spezielle Leistung, die man nominieren wollte.

Und dann gab es natürlich auch bemerkenswerte Einzelstücke, die dort nominiert worden sind, zum Beispiel im Bereich des Fernsehspiels "Kleine Schwester" oder auch "Kalter Frühling".

Wuttke: Sie haben gesagt, es sei nicht schwer gewesen, obwohl es ja nun wirklich eine Fülle gab, die Nominierungen da herauszufischen. Man hätte ja denken können, dass die Auswahl relativ klein ist und man nach Perlen suchen muss, denn auch bei Fernsehproduktionen wird ja immer weiter gespart.

Spieß: Das ist völlig richtig. Sagen wir mal, die Qualitätsspitze wird ein Stück weit stumpfer. Das heißt das laufende Programm hat durchaus nicht mehr so viele Höhepunkte quantitativ, wie es vielleicht vor zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren hatte, als auch die gesamte Medienlandschaft noch anders aussah.

Wir haben ja jetzt eine duale Ordnung, das heißt wir haben öffentlich-rechtliche Programmanbieter und auch private und wenn man sich die Verteilung der Nominierung anschaut, dann stellt man fest, dass also im Dokumentarischen die öffentlich-rechtlichen wieder einsam die Nase vorn haben. Es gibt keinen einzigen Beitrag aus dem Programm der Privaten, der nominiert worden ist.

Anders sieht es aus im Bereich der Unterhaltung und des Fernsehspiels. Das ist es zumindest Sat1 mit der "Schillerstraße" und dem Fernsehspiel "Eva Blond" gelungen, zweimal in die Nominierung vorzudringen und bei RTL ist es "Pastewka in Russland", dem es zumindest gelungen ist, in die Nominierung vorzudringen. Alles andere ist im weitesten Sinne öffentlich-rechtlich dominiert.

Wuttke: Das heißt für Sie was?

Spieß: Das heißt für mich, dass die Programmanstrengungen, die letztlich ja Voraussetzungen sind, um ein Qualitätsniveau zu erreichen, wie es bei Grimme ausgezeichnet wird, dass die in diesen Zeiten immer schwieriger sind, aufgrund der zurückgefahrenen finanziellen Ausstattungen in den verschiedenen Programmgenres und -sparten, aufgrund auch des Drucks, den das Medium erzeugt, immer schneller und sagen wir auch breiter letztendlich etwas zu präsentieren und zu produzieren.

Das heißt also, ein Medium, das uns 24 Stunden versorgt mit laufenden Bildern aus allen Genres und Sparten des Programms, das hat einen gigantischen Bedarf an Futter. Und dieses Futter hat zum großen Teil natürlich auch nicht die Qualität, die hier bei Grimme eine Rolle spielt. Sondern es müssen eben auch Publika bedient werden, die möglicherweise einen anderen Geschmack haben hinsichtlich des Programms, als es hier bei Grimme ausgezeichnet wird.

Wuttke: Qualität steht im Vordergrund beim Adolf Grimme Preis und auch bei den Preisen 2005. Vielen Dank Ulrich Spieß.
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