KulturPolitik
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31.1.2005
CDU fordert mehr Engagement bei der Suche nach NS-verfolgungsbedingt geraubten Kunstwerken
Interview mit Günter Nooke, kulturpolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag
Moderation: Christopher Ricke

Günter Nooke, kulturpolitischer Sprecher der CDU/CSU- <br />
Bundestagsfraktion (Bild: CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag)
Günter Nooke, kulturpolitischer Sprecher der CDU/CSU-
Bundestagsfraktion (Bild: CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag)
Ricke : Fast 60 Jahre nach Kriegsende ist ein Kapitel deutscher Geschichte noch immer nicht ausreichend aufgearbeitet. Es ist die Rückgabe der unter der Nazidiktatur meist von Juden geraubte Kunst. Offiziell heißt das: Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern. Seit fünf Jahren recherchiert man, es gibt eine gemeinsame Internetplattform. In mehr als 150 Einrichtungen, wie zum Beispiel in Museen, wurden über 3500 Kulturgüter ermittelt, bei denen ein NS-verfolgungsbedingter Entzug nicht ausgeschlossen werden kann. Über 160 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken und mehr als 1000 Bücher konnten bisher zurückgegeben werden. In der CDU/CSU hat sich der kulturpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion besonders des Themas angenommen. Guten Tag, Günter Nooke.

Nooke : Schönen guten Tag.

Ricke: Jetzt hat ja die Bundesregierung erneut an die Museen, an die öffentlichen Einrichtungen appelliert, bei der Suche nicht nachzulassen. Sie aber beklagen eine mangelnde Bereitschaft der Bundesregierung, bei der Suche zu helfen. Wie geht das zusammen?

Nooke: Die Bundesregierung hat zumindest die Washingtoner Erklärung unterschrieben und damit eine Mitverantwortung übernommen, dass sie nach diesem unrechtmäßig entzogenen Kulturgut suchen will und das zurückgeben will. Da kann man sich dann nicht nur auf föderale Strukturen in Deutschland berufen, sondern da geht es dann natürlich auch um auswärtige Kultur- und Bildungspolitik. Die Staatsministerin Christina Weiss hat in der vergangenen Woche im Ausschuss für Kultur und Medien eine sehr schlechte Figur gemacht, weil sie schlecht vorbereitet war und Fragen nicht beantworten konnte, wie sie dann nun wirklich konkret dazu beiträgt, dass diese Internetplattform mehr ist als etwas, was jeder X-Beliebige einfach anbieten könnte. Wenn aber niemand etwas einträgt und wenn sich daraus keine Folgen ergeben, dann ist das natürlich für eine Bundesregierung zu wenig, die eine solche Erklärung unterschrieben hat.

Ricke: Jetzt sind aber in den vergangenen fünf Jahren mehr als 3500 Kulturgüter ermittelt worden, mehr als 1000 zurückgegeben. Welche Zahlen hätten Sie sich denn erwartet?

Nooke: Ich hätte mir als Erstes natürlich erwartet, das gesagt wird, wer denn überhaupt noch forscht nach diesen unrechtmäßig entzogenem Kulturgut in den Museen. Das ist ja keine ganz einfache Aufgabe. Wenn Museen am Ende weniger haben als sie jetzt haben, dann gibt es natürlich da auch vor Ort nicht unbedingt das Interesse daran, jetzt nachzuforschen. Ich hätte gerne gewusst, wie sich diese Zahl, die Sie eben genannt haben, zu der Zahl verhält, die vermutet wird, dass eben an Kunstgegenständen noch in verschiedenen Museen in Deutschland sich befinden. Ich glaube, es hilft nichts, wenn man eine Zahl nennt und sagt, das klingt sehr viel, aber wir wissen natürlich, dass es sich auch bei der Kunstgutverlagerung, - ja auch diejenige, die von Deutschland heute in Russland oder in Polen liegt -, dass es da natürlich um Millionen von Exemplaren geht.

Ricke: Welche konkreten Schritte würden Sie von Frau Weiss jetzt erwarten?

Nooke: Ich würde erstmal gerne wissen, wie häufig überhaupt diese Datenbank in Anspruch genommen wird. Ich würde gerne wissen, mit wie viel Geld der Bund und die Länder die Museen unterstützen und die Koordinierungsstelle, die sich damit befasst und in Magdeburg eben diese Internetplattform betreibt. Ich wüsste gerne, welcher Anteil eben von Kunstwerken überhaupt in die Datenbank eingetragen ist, für die eine lückenlose Provenienz nicht nachgewiesen werden kann und wie das eben im Verhältnis ist zu der geschätzten Anzahl solcher, in Museen befindlichen Kunstwerke überhaupt steht. Dann würde ich natürlich auch gerne wissen, warum Mitarbeiter, die noch vor einiger Zeit in Magdeburg beschäftigt waren, jetzt ihre befristeten Verträge auslaufen ließen. Man also offensichtlich, nachdem man die Daten eingetragen hat, selbst überhaupt nicht mehr inhaltlich dort tätig ist.

Ricke: Sie haben die Vermutung ausgesprochen, dass in vielen Museen möglicherweise noch viele Dinge liegen, bei denen man nicht so ganz bereit oder nicht ganz so überzeugt ist, sie dann auch zum Beispiel bei der Website www.lostart.de zu melden. Wie könnte man hier motivierend tätig sein? Mit Druck, mit Moral, mit Geld?

Nooke: Ich glaube schon, dass mit Geld den Forschern an den Museen, die ja oft in kleineren Städten oder jedenfalls in Kommunen existieren, die nun wirklich Haushaltsprobleme über alles haben, warum sollen sie dann gerade noch das Geld dafür ausgeben, dass etwas geschieht, was ihnen am Ende vielleicht gar nicht so nutzt vor Ort für die kommunalen Belange. Da wird man eine Stadtverordnetenversammlung nicht ohne weiteres dazu bekommen, wenn man nicht wenigstens eine Co-Finanzierung von Seiten des Bundes und der Länder anbietet. Das wäre eine Möglichkeit.

Das wäre natürlich auch sinnvoll, dass die Koordinierungsstelle in Magdeburg selbst stärker besetzt wird und sich um dieses Thema in verstärktem Maße kümmert und natürlich wäre es auch sinnvoll, wenn überhaupt ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit dafür besteht, dass wir da auf keinen Fall jedenfalls am Ende sind, dass da immer noch in Deutschland auch von unserer Seite etwas getan werden muss.

Mir geht es natürlich bei der ganzen Debatte auch um etwas anderes, die ganze Frage der Beutekunst, nämlich das, was aus Deutschland unrechtmäßig enteignet wurde und was völkerrechtswidrig sich heute in anderen Ländern, insbesondere auch der Sowjetunion damals und heute Russland befindet. Ich glaube, das können wir nur mit Recht und glaubwürdig in der Weltöffentlichkeit einklagen, wenn wir unsere eigenen Hausaufgaben gemacht haben, nämlich wenn unsere Museen nicht Kulturgut aus jüdischem Besitz, was unrechtmäßig im Hitlerregime entwendet wurde, wenn wir das nicht weiter versuchen, fest zu halten.
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