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21.2.2005
Gesine Schwan wird für europäisches Engagement ausgezeichnet
Interview mit Monika Wulf-Mathies, Präsidentin des "Netzwerks Europäische Bewegung"
Moderation: Kirsten Lemke

Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder (Bild: AP)
Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder (Bild: AP)
Lemke: In Berlin wird heute Nachmittag ein Preis verliehen, der ein besonderes Engagement für Europa würdigt und ausschließlich an Frauen vergeben wird. Es ist der Preis "Frauen Europas", den das "Netzwerk Europäische Bewegung in Deutschland" seit 1991 verleiht. Die Preisträgerinnen erhalten als symbolische Auszeichnung eine Brosche.

Auf diese Weise geehrt wird in diesem Jahr eine Frau, die vor allen Dingen als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt bekannt geworden ist, nämlich Gesine Schwan, die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder.

Dazu begrüße ich am Telefon Monika Wulf-Mathies, die Präsidentin des "Netzwerks Europäische Bewegung" und frühere EU-Kommissarin. Frau Wulf-Mathies, warum ist die Wahl auf Gesine Schwan gefallen?

Wulf-Mathies: Nun, Gesine Schwan ist für uns vor allen Dingen eine langjährige Fürsprecherin, über 30 Jahre, für den Dialog und die Partnerschaft zwischen Deutschen und Polen. Nicht nur die Tatsache, dass sie Präsidentin der Europa-Universität Viadrina ist, sondern vor allen Dingen ihr Engagement über Jahrzehnte für den Aus- und Aufbau kultureller Beziehungen, aber gerade auch für die Kontakte von Menschen und Jugendlichen hat sie sich außerordentlich verdient gemacht.

Und, was man heute schon wieder fast vergessen hat, sie hat eine sehr frühe Kooperation mit der Solidarnosc-Bewegung in Gang gesetzt zu einer Zeit, als viele noch mit den offiziellen Gewerkschaften und der offiziellen Politik in Polen Kontakte hatten. Ich denke, sie hat damit auch einen großen Beitrag letztendlich zur deutschen Einheit, aber damit auch zur Erweiterung der Europäischen Union geleistet und sie hat dazu beigetragen, dass jetzt Deutsche und Polen in der Europäischen Union in Frieden zusammenleben.

Lemke: Sie zeichnen ja mit dem Preis ehrenamtliches Engagement für Europa aus. Welche Kriterien legt die Jury dabei an?

Wulf-Mathies: Es wird immer nachgeschaut, was tun Frauen vor allen Dingen in der Zivilgesellschaft, was tun sie dafür, dass auf ganz unterschiedliche Weise unterschiedliche Kulturen und Menschen miteinander in Austausch treten.

Wir haben zum Beispiel eine Preisträgerin ausgezeichnet, die Kunst für den Frieden organisiert hat und damit in der Donauregion eine gemeinsame Initiative angeregt hat. Wir haben eine Literaturwissenschaftlerin ausgezeichnet, die ein deutsch-spanisches Kommunikationszentrum entwickelt hat. Wir haben zwei Frauen ausgezeichnet, die sich um die grenzüberschreitende Sozialarbeit im Verein Karo engagieren, das heißt psychosoziale Betreuung vor allen Dingen für Zwangsprostituierte und für Drogensüchtige im deutsch-tschechischen Raum.

Wir haben die Schwester Lea Ackermann zum Beispiel ausgezeichnet, die sich ebenfalls weltweit für Opfer von Menschenhandel einsetzt und wir haben die Frau aus einer Sintifamilie ausgezeichnet, die als Zeitzeugin und Überlebende von Auschwitz für Versöhnung, Verständigung und Toleranz wirbt.

Das heißt, es sind ganz unterschiedliche Frauen, die aber alle einen Beitrag zum Austausch, für Toleranz, für Frieden, aber auch für Hilfen für Frauen an vielen Stellen gekämpft haben.

Lemke: Warum denn überhaupt so einen Preis nur für Frauen? Welche Rolle spielen denn gerade Frauen bei der europäischen Einigung?

Wulf-Mathies: Frauen sind sicher weniger spektakulär, was alles damit zu tun hat, dass wir eben auch wenig Frauen haben, die politische oder Regierungsämter haben, von daher sind Frauen gerade im zivilgesellschaftlichen Bereich zwischen Bürgerinnen und Bürgern diejenigen, die als Mittler auftreten, die aber auch durch ihre sehr praktischen Kontakte und ganz konkreten Hilfen, die sie für unterschiedliche Gruppen der jeweiligen Bevölkerung machen, dazu beitragen, dass dieses Europa auch ein Gesicht bekommt. Dass es eben nicht nur Politik im fernen Brüssel ist, sondern dass man vor Ort merken kann, da engagieren sich Leute für Toleranz, für Frieden, für Verständigung, aber auch für viele ganz praktische Projekte.

Lemke: Vielen Dank, das war die Präsidentin des "Netzwerks Europäische Bewegung Deutschland" Monika Wulf-Mathies.

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