KulturPolitik
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23.2.2005
"Wir wollen das nationale Kulturprogramm sein"
Interview mit Günter Müchler, Programmdirektor Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur
Moderation: Kirsten Lemke

Günter Müchler, Programmdirektor DeutschlandRadio (Bild: Deutschlandradio)
Günter Müchler, Programmdirektor DeutschlandRadio (Bild: Deutschlandradio)
Lemke: Am 7. März ist es soweit, es ändert sich nicht nur der Name unseres Programms, sondern auch das Programm selbst. Heute Nachmittag werden wir darüber ausführlich die Presse informieren und bei mir im Studio begrüße ich jetzt Günter Müchler, er ist Programmdirektor von - ja Herr Müchler, da komme ich schon ins schwimmen - DeutschlandRadio Berlin oder Deutschlandradio Kultur?

Müchler: Alles ist neu. Ich sage Deutschlandradio Kultur.

Lemke: Alles ist neu. Heißt das, wir werden ein völlig neues Programm erleben ab 7. März?

Müchler: Nein, natürlich nicht. Wir machen keine Programmrevolution, sondern wir versuchen, einen Mehrwert zu schaffen, aufbauend auf dem, was da ist, dem guten Fundament, das DeutschlandRadio Berlin bietet. Die weitesten Strecken des 24-Stunden-Programms bleiben unverändert.

Lemke: Deutschlandradio Kultur, der Name weist schon darauf hin, es wird noch mehr Kultur geben, also ein weiteres Kulturradio, wie von vielen anderen ARD-Anstalten auch schon angeboten?

Müchler: Unser Anspruch ist der: Wir wollen das nationale Kulturprogramm sein.

Lemke: Sie haben gesagt, vieles bleibt. Was bleibt denn zum Beispiel bestehen?

Müchler: Also zum Beispiel die großen Konzertflächen am Abend, die großen Plätze für Hörspiel und künstlerisches Feature. All das bleibt.

Lemke: Und wie wollen Sie dem von Ihnen eben formulierten Anspruch, das nationale Kulturprogramm zu sein, gerecht werden? Was wird sich ändern, was wird neu?

Müchler: Wir haben uns entschlossen, den Wortanteil in unserem Programm zu erweitern. Warum? Weil wir davon überzeugt sind, dass viele Hörerinnen und Hörer einfach der Gleichförmigkeit des Dudelfunks überdrüssig sind. Deutschlandradio Kultur wird die Antwort sein auf das nervtötende Einerlei der akustischen Berieselung, die man vorfindet, wenn man die Skala am Radio rauf und runter fährt.

Lemke: Wie wird dann dieser erhöhte Wortanteil aussehen? Was wird es alles geben in dem Programm?

Müchler: Zum Beispiel wird es ein sechsstündiges Radiofeuilleton geben. So nennen wir das ganz bewusst. In diesem Radiofeuilleton werden die Hörerinnen und Hörer all das erfahren, was an diesem Tage im Kulturgeschehen unseres Landes, aber auch von dem jenseits der Grenzen, wichtig ist.

Vor allem werden wir den Serviceanteil erhöhen, denn Kultur ist ja ein spannendes Thema in sich. Also, welcher Film lohnt sich, welche Neuigkeiten gibt es in der Welt der Wissenschaften, was steht in den Kulturseiten der Zeitung, welches Buch sollte ich unbedingt lesen? Jede Stunde in unserem Radiofeuilleton gibt es einmal ein Gespräch über Bücher.

Lemke: Sie haben gesagt, der Wortanteil wird deutlich erhöht aber es wird ja nicht ein Programm ohne Musik sein. Welche Rolle wird dann die Musik künftig spielen?

Müchler: Die Musik wird in unserem künftigen Programm weiterhin eine ganz wichtige Rolle spielen. Einmal kulinarisch, zum Beispiel am Abend und in der Nacht in den großen Konzertflächen, die, ich sagte es ja bereits, unverändert bleiben, am Tage aber auch aktuell.

Wir werden die Musik spielen, die der Tag in journalistischer Weise erzwingt. Also, Patricia Kaas begibt sich auf eine neue Tournee, dann wird man Titel von Patricia Kaas spielen. Wilhelm Furtwängler wäre vor 50 Jahren gestorben. Elvis Presley würde morgen 70 Jahre werden. Wir werden daran festhalten, wie schon im bisherigen Programm, dass wir uns nicht an eine bestimmte Musikfarbe ketten, sondern die Musik spielen, die aktuell ist und die gefällt.

Lemke: Herr Müchler, was wird es denn an ganz neuen Sendungen noch geben über das von Ihnen schon beschriebene Radiofeuilleton hinaus?

Müchler: Ich sage das jetzt nur in Überschriften. Es gibt künftig "Fazit" sieben Mal in der Woche um 23 Uhr.

Lemke: Also das aktuelle Kulturmagazin, das unsere Hörer ja schon seit Jahren kennen?

Müchler: Richtig. Und es gibt ein zusätzliches "Fazit", nämlich jeden Abend nach den 19 Uhr Nachrichten. Außerdem gibt es mit "Da Capo" eine neue Musiksendung von 18.30 Uhr bis 19 Uhr, die die Musik des Tages zusammenfasst und auf das Musikangebot des Abends in unserem Programm vorbereitet.

Neu wird auch eine 50-teilige Rock und Pop-Serie sein, die wir jeweils Mittwochabend senden. Wir bringen hier die wichtigsten Live-Konzerte der letzten 30, 40 Jahre und zeigen, dass Rock und Pop, wie Mozart oder Schönberg, zur Kultur gehört. Auf das erste Konzert will ich jetzt schon mal Appetit machen: Das kommt am 8. März abends und es handelt sich um den legendären Stones-Auftritt im Madison Square Garden 1969.

Schließlich, einmal in der Woche, jeweils am Freitagabend, 19.30 bis 20 Uhr, eine neue Sendung "Lesung". Da befassen wir uns mit Hörbüchern. Start wird hier am 11. März sein mit Manfred Krug, der aus Berthold Brecht liest.

Lemke: Bleibt natürlich die Frage, was wird denn aus der politischen Berichterstattung, die ja bisher auch einen breiten Raum im Programm eingenommen hat? Wird die bei Deutschlandradio Kultur zurückgefahren?

Müchler: Wir sperren die Politikinteressierten aus dem Programm nicht aus. Die politische Information, die man speziell am Morgen von einem guten Radioprogramm erwartet, wird es auch weiterhin bei uns geben und dann über den Tag verteilt, jede volle Stunde ausführliche Nachrichten, im Umfang von immerhin sieben Minuten.

Lemke: Das alles beginnt am 7. März im Programm von Deutschlandradio Kultur auf den bekannten Frequenzen. Vielen Dank. Das war der Programmdirektor Günter Müchler.
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