LänderReport
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1.7.2004
Mecklenburg-Vorpommern
Von Axel Flemming

Dem Meer ist die Grenze egal; den Möwen, die darüber fliegen auch; und die meisten Urlauber am Strand laufen achtlos über die Stelle zwischen Fischland und dem Darß an der Ostsee. Selbst die Einheimischen kommen leicht durcheinander:

Das ist die Grenze; zwischen Pommern und Vorpommern - äh: zwischen Mecklenburg und Pommern, ja.

Wir haben hier auf der anderen Seite Ahrenshoop, Mecklenburg, äh Vorpommern; und Nierhagen, Dingsbums, das ist dann Mecklenburg-Vorpommern.


Ja wie nun? Für prominenten Beistand sorgt Uwe Johnson. Der mecklenburgische Dichter hat die Stelle nämlich in seinen "Jahrestagen" beschrieben. Das Buch mit seinen verschiedenen Zeit- und Personenebenen ist zwar nicht als Reiseführer gedacht. Bei Ahrenshoop allerdings hat Johnson genau hingesehen.

Frau Hass auf dem Parkplatz von Ahrenshoop arbeitet für den BIBS. Das ist der Besucher Informations und Begleit Service. Sie liest:

Der Morgen war fast weiß, mit fransigen Wolkenbooten im Himmel. Der Widerschein des Lichtes im Bodden war ein köstlicher Schmerz in den Augen. Die Wege zwischen den Büdnereien waren warm zugestellt mit den hoch aufgebuschten Knicks.

Knicks sind übrigens Gehölze. Johnson bedient sich nicht nur in einzelnen Passagen der niederdeutschen Sprache, der wortmächtige Autor greift auch tief in die Kiste der regionalen Fachausdrücke. Büdnereien zum Beispiel:

Büdnereien nannte man eigentlich so‘ne kleinen Häuser, die zwei oder drei Kühe nur hatten. Es war nicht ein Großbauer, das warn Bauern, die hatten nur Klein-Vieh-Zeug. Und Büdnereien fangen auch hier drüben schon an, diese kleinen Häuser, das nannte man denn Büdnereien.

Die standen auch dicht an der Grenze. "Landeshoheitsgrenze auf dem Darß und dem Fischlande" steht da in alter Schrift auf einem neuen Eichenholzpfahl. Es musste ja alles seine Ordnung haben: "Königreich Preußen, Provinz Pommern, Regierungsbezirk Stralsund, Kreis Franzburg, Gemeindebezirk Ahrenshoop", auf der anderen Seite: "Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, Dominialamt Ribnitz, Dorf Feldmark Althagen".
Weiter im Text der Jahrestage:

In den Wiesen saßen die Malerinnen wie jedes Jahr und mühten sich, das Dornenhaus auf die Leinwand zu bekommen.

Das Dornenhaus ist hier weiter runter: das ist der Keramiker Löber.

Friedemann Löber, eines von Acht Geschwistern aus einer Künstlerfamilie. Im Gras vor dem Dornenhaus liegen bunte Kugeln aus Keramik. Dahinter fällt das Gelände ab, und gelb leuchten die Wasserlilien:

Das ist der Grenzgraben, und die Männer, die den Graben betreuen, die mähen dann mal. Dann feuern mir die alle Lilien raus. Und ich nehme sie wieder und pflanz sie wieder ein. Weil die sich so gut hier machen.

Die Sprachfärbung des Grenzwächters verrät: da gibt es noch einen anderen Einfluss als den vom Darß.

Ich bin ein Mecklenburger, aber... man hört ja, das die Sprache nicht ganz echt ist. Mein Vater ist Thüringer, und die Mutter kommt von Halle. Die sind aber schon 1930 hier eingewandert, als so genannte Eisenbahner 'Isenbohner‘, und ich bin hier geboren in Althagen. Ich fühl‘ mich also ganz zu Hause, wenngleich ich als Kind auch Thürigen erlebt habe, fünf Jahre in der Rhön.

"Fischlandkeramik" nennt Löber sein Atelier im Dornenhaus. Das sieht noch so aus, wie Johnson es beschrieben hatte.

In den Wiesen saßen die Malerinnen wie jedes Jahr und mühten sich, das Dornenhaus auf die Leinwand zu bekommen, obwohl der alte Katen kaum zu sehen war unter seinem Kröpelwalm, versteckt hinter ausgewachsenen Dornenbüschen, die noch übers Dach hingen, 45 Grad schräg vom Wind, dick und nicht durchdringlich.

Ich sitz ja schon seit ein paar Jahren hier, und ich könnte genauso gut in meinem Elternhaus sitzen; aber: er ist sehr schwer zu lesen.


Das Hören war leichter. Denn Löber kannte Johnson, damals in den 50er Jahren:

Ich kann mich natürlich erinnern, als wir nackich am Althäger Steilufer lagen, mit meiner ältesten Schwester; die ist so alt wie Johnson, die haben zusammen studiert in Rostock, Und dann er mit seiner Knöwelpfeife, so ganz ruhig hat uns dann so paar Kapitel vorgelesen, oder paar seiten; aktuell, was er so nachts geschrieben hat, hat er uns dann am Nachmittag immer vorgelesen.

Dichtung aus erster Hand also, frisch vom Handwerk ins Mundwerk:

Er hat norddeutsch gesprochen; eindeutig. Und ich dachte ja gut, ein Schreiberling. Er war einfach ruhig und sympathisch. wirkte deutlich älter als wir; wir waren sozusagen Kinder. Wir haben da im Wasser getobt und uns mit Schlamm beschmiert. Und an sich nur rumgealbert. Während er ja schon ganz ernsthaft niedergeschrieben hat, was er erlebte und empfand. Das ist ja das Bemerkenswerte, das seine ersten Bücher schon genauso druckreif waren wie spätere.

In den Jahrestagen von Johnson kommt der Darß als Urlaubserinnerung der Hauptfigur Gesine Cresspahl vor, die dort ihren Cousin Alexander besuchte. Grenzerfahrungen der eigenen Art:

Neben dem Grenzweg liefen die vertrauten Schleetzäune her.

Heute nicht mehr so vertraut: Schleeten. Aufklärung liefert Wolfgang Pohlmann, der Wirt vom Charlottenhof:

Das sind kleine Bäume, da sind Schleeten dran, kleine blaue Beeren, die müssen aber erst Frost abbekommen, sonst sind die ganz säuerlich. Die gibts aber nur noch ganz selten hier.

Der Charlottenhof liegt genau am Grenzweg. So heißt jedenfalls die Straße in Ahrenshoop. Das Gasthaus liegt also...

In Mecklenburg. Und dann gehts da weiter. Also bis hier. Die Leute streiten sich, ob der Graben, der früher bis hierher ging, ob das die Grenze ist, oder ob der Grenzweg die Grenze ist. Wenn man vom Grenzweg ausgeht, dann sind wir natürlich in Pommern schon.

Auch Johnson lässt den genauen Grenzverlauf offen und beschreibt statt dessen ein Naturereignis:

Neben dem Grenzweg liefen die vertrauten Schleetzäune her, unverändert viel die Steilküste ab, wo Pommern anfing, und die Kinder erinnerten sich an Alexanders Erzählungen, vom Durchbrechen des Meeres an dieser Stelle.

1872 war das, erzählt Stephanie Rogalski. Sie betreibt den kleinen Laden: "Zum Windflüchter". Das Haus, eines der ältesten in Ahrenshoop, steht genau auf der Grenze.

Es war eine ganz große Sturmflut, 1872. Der Durchbruch ist am Strom, der später zu geschüttet wurde. Das ist auch urkundlich erwähnt.

Der kleine Weg, vom Meer hinauf in den Ort heißt noch "Am Strom". "Ahrenshoop ist das schönste Fleckchen der Erde", soll Uwe Johnson gesagt haben. In den "Jahrestagen" schwärmt er:

Kahl auf der althäger Seite, war der Grenzweg auf der ahrenshooper dicht bebaut mit Häusern in großartigen Farben, in dem berühmten Blau, mit den Gärten, die gegen den Wind geschützt waren, südlich von der Sonne gepflegt, tief unter dem hohen Anstieg zum Weg, mit Malven in allen Farben bis zum Dach. Die Kinder dachten an Alexanders ernsthafte Erklärung, dass diese Häuser einen Hinterausgang nach Norden hatten aus den Zeiten, in denen Mecklenburg und Pommern Streit hatten und die Bewohner nicht auf den Grenzweg treten durften.

Heute verbindet der Grenzweg, ausgebaut als Promenade, die Ortsteile von Ahrenshoop. Friedemann Löber:

Natürlich trennt eine Grenze immer. Aber eigentlich sind sie gleichen Ursprungs. Das sind ja auch künstliche Grenzen, der eine Landesherr hat sich eben bis hier vorgewagt, und die andern hat er nicht erreicht.

Soweit die weltlichen Herren. Bei der Geistlichkeit dagegen ist der Himmel bis heute geteilt, vor und nach dem Tode:

Wir beten alle doberanisch, da ist unser Bischof. Und die armen Hunde müssen Greifswalder Gebete sprechen. die werden von Greifswald betreut. In Ahrenshoop auf dem Friedhof liegen die, die in der Gegend konfessionell gebunden sind; alles Lutheraner oder Protestanten. Aber hier in Althagen, wir liegen letztendlich in Wustrow auf dem Friedhof. Und das Kirchengebiet wird von Doberan betreut. Da ist also immer noch eine Lebendigkeit an dieser grenze, während es staatlich mittlerweile alles eins ist.

Auch Uwe Johnson, der Dichter löst die Grenzfrage in den Jahrestagen spielerisch:

In Althagen gab es ein Spiel, da setzte sich Alexandra Paepcke auf die eine Seite des Drehkreuzes im Grenzzaun, Gesine auf die andere, beide drehten sich und sangen: Jetzt bin ich in Pommern! Jetzt bin ich in Mecklenburg!

Eindeutig ist allerdings noch immer die Antwort auf die Frage, als was die Leute sich denn empfinden. Eine Identität als Mecklenburg-Vorpommer, als Bindestrich-Bürger quasi, gibt es nicht:

Ick bün Mecklenburger", "Wir sind Vorpommern", "Ich bin Mecklenburgerin

Und wo ist da der Unterschied?

Nee wieso, die sind all‘ glich. Die sprechen genauso platt wie wir, und denn is erledigt. Dat is vielleicht bie de Jugend, bi uns Olln is dat nich." "Ja, ich seh das auch so, ich find da auch keinen Unterschied." "Das ist schwer, weil die ja ganz ähnliche Traditionen und Voraussetzungen haben." "Der Mecklenburger ist bräsig und dickschädlig, und hält einfach fest das was er hat. Und sagt: lass doch mal die andern reden, da kommen wir schon drüber weg." "Sie sind alle sehr Bodenständig, ziemlich vorsichtig erst mal, und wenn man angekommen ist, wenn man angenommen ist, dann ist es richtig Prima." "Vielleicht sind wir etwas bodenständiger als die Leute in Süddeutschland, dass wir vielleicht ein bisschen langsamer sind und unsere Entscheidungen nicht so ad hoc treffen, aber wir stehen dazu und das ist ganz wichtig, dass man eine Verbundenheit hat mit dem Land, dass man sagt: ich bin hier geboren, will hier leben und arbeiten." "Was sich unterscheidet, das ist das Plattdeutsche, das ist ein bisschen anders, aber ansonsten? wir sind aufgeschlossen, fröhlich freundlich...

Wie bitte? Gilt der Mecklenburger nicht bundesweit als stur? Oder aufgeschlossen, fröhlich und freundlich ausgedrückt mindestens als beharrlich?

Ja, das sagen die, die es so haben wollen. Aber im Grunde genommen- man muss uns erst einmal kennen lernen

Das kann allerdings dauern....

Ich habe das hier jetzt wieder in der Familie: seit zehn Jahren lebe ich mit einer zweiten Frau, als Witwer, und die muss sich hier nun wieder integrieren. Erst hat meine erste Frau mal 29 Jahre hier gelebt, das ging alles ganz ordentlich, jetzt ist meine zweite Frau aus Berlin hier, und alle tun wieder so als käm se vom Mond.

Die Ureinwohner sind eben sehr zurückhaltend und vorsichtig. "Moin" heißt es manchmal nur, und das gilt dann schon als richtiges Gespräch. Friedemann Löber tröstet: Das Misstrauen war schon mal schlimmer:

Vor hundert Jahren lief hier einer rum, den wollten se gleich verhaften. Er war weder ein Maler, noch ein Fischer. 'Watt will de Kierl hier?‘ S‘war der erste Urlauber (lacht) Die dachten, es wär ein Spion.

An Urlauber hat man sich inzwischen gewöhnt in Mecklenburg-Vorpommern, nicht nur auf dem Darß und im Fischland. Seit Jahren schreibt das Land zweistellige Zuwachsraten. Ausbaufähig ist dagegen noch die Sparte Ironie:

Ich denke, dass wir gerade hier im Norden, gerade mit unserem verhaltenen Humor große Reserven haben, noch wirksamer Gesprächsgebahren in der Bundesrepublik Deutschland zu beeinflussen. Vielleicht ist Ironie eine Möglichkeit, Dinge zu sagen, die manchmal furchtbar bierernst genommen werden.

Wolf Karge, Mecklenburger, eigentlich Direktor des Technischen Landesmuseums in Schwerin. Als Autor hat er angenehm freche Texte zu einem Buch über Norddeutschland geschrieben: "Hoher Himmel- weites Land". Er kann auch erklären, warum die Leute gerade an der Grenze gar nicht so große Unterschiede zwischen Mecklenburg und Vorpommern machen:

Die Grenze ist eigentlich nur noch mental vorhanden, und zwar gar nicht so sehr im Grenzabschnitt, wo sie mal verlaufen ist, sondern eher im tiefen Kernland. In Vorpommern, dort spürt man sie. Oder aber wenn man in Schwerin sitzt, dann spürt man sie auch. Jeweils von der anderen Seite.

Weil die Mecklenburger um die Landeshauptstadt herum wohnen, haben die Vorpommern die Mentalität entwickelt, dass sie immer benachteiligt seien, sagt Karge. Im fernen Osten - Vorpommern so zu sagen kurz vor Polen - gibt es deshalb häufig den Spruch zu hören:

Mecklenburg vor Pommern, das ist die Mentalität in Greifswald oder Stralsund, während es in Schwerin heißt: die sollen sich mal nicht so haben, hier wird schon versucht, alles gleichmäßig zu verteilen. Ich glaube nicht, dass es eine ernsthafte Konkurrenz gibt, sondern es wird instrumentalisiert, so wie man es gerade braucht.

Im Zweifelsfall beruft man sich auch auf andere, ältere Traditionen, die Hanse etwa, oder die schwedische Besatzungszeit; Traditionen, die bis ins Mittelalter zurück reichen. Am Ende des zweiten Weltkriegs wurde Mecklenburg-Vorpommern von Briten, den USA und den Sowjets befreit, erst von der Nazi-Herrschaft, kurze Zeit später kassierte die revolutionäre Rote Armee noch den Bindestrich. Uwe Johnson schreibt: "der störende Zusatz -Vorpommern wurde durch das Gesetz vom März 1947 beseitigt, so daß die nun weniger zu sagen hatten und eigentlich gerechnet werden konnten als ein Gewinn für Mecklenburg." Die DDR unterteilte das Land in die drei Bezirke Schwerin, Neubrandenburg und Rostock. Bezeichnend: Keine dieser drei Bezirkshauptstädte lag in Vorpommern.

Zu Zeiten der DDR wurde die Grenze ja verschwiegen, man sollte nicht wissen, dass die Recknitz ein alter Grenzfluss ist, aber es spielt keine Rolle mehr, ob man über die Grenze von Mecklenburg nach Pommern kommt, Hier ist das gleiche wie drüben, die Stadt wird gemeinsam entwickelt von ihren Bürgern.

Die Stadt ist Ribnitz-Damgarten, Jürgen Borbe (CDU) der Bürgermeister. 1950 wurden die Städte Ribnitz (Mecklenburg) und Damgarten(Vorpommern) vereinigt. Ein Relikt gibt es noch aus der Zeit der Einzelexistenz, besser gesagt sogar zwei: zwei Rathäuser:

Eins in Ribnitz und eins in Damgarten, ich arbeite von Montag bis Donnerstag in Ribnitz und jeden Freitag in Damgarten. Um den Pommern zu zeigen, dass ich auch dort aktiv bin. Dann wenn wir eine Doppelstadt sind, dann muss der Bürgermeister in beiden Hälften aktiv sein.

Die meisten Leute fahren heute zwischen beiden Hälften hin und her, ohne darauf zu achten; die wenigsten nehmen die ehemals herrschaftlichen Symbole auf der Brücke über die Recknitz wahr:

Auf der einen Seite ist der Ochsenkopf, und wenn wir über die Brücke rübergehen, dann ist da der Greif, dann sind wir in Vorpommern angekommen.

Und eigentlich ist beides eben Mecklenburg-Vorpommern. Helmut Holter (PDS) Arbeits- und Bauminister des Landes sagt:

Wir sind als Mecklenburg-Vorpommern ein Bundesland. Wir sind auf dem Globus ein ganz kleiner Flecken. Es gibt aber nicht den Globus für Mecklenburg-Vorpommern.

Aber fast. Es gibt nämlich sehr wohl einen Globus von Mecklenburg. Realisiert hat ihn Kuno Weldt aus Wismar, Lehrer, Kunsterzieher, zu DDR-Zeiten Stadtrat für Kultur, jetzt Rentner, eigentlich Ostpreuße. Realisator, denn der Erfinder war der niederdeutsche Dichter Rudolf Tarnow. Kollege Werner Lahn erzählte Weldt von einem Gedicht anlässlich der Tausend-Jahr-Feier des Dorfes Mecklenburg:

Das Dorf Mecklenburg, acht Kilometer vor den Toren der Stadt hat ja dem ganzen Land den Namen gegeben. Da stand dann 995 die große Burg vom Wendenkönig Niklot. Und der hat ja dem Dorf den Namen gegeben, das hieß ja Miechlenbourg, also große Burg.

Tarnow hatte in dem Gedicht "De Schaulpatron", also der Lehrer geschrieben: "Amerika? Was soll das nützen?/ Wo wir in Mecklenburg hier sitzen, /Da muß ich doch für meine Knaben/Den mecklenburgschen Globus haben!" Weldt und Lahn setzten das Gedicht in die Tat um. Gar nicht so einfach:

Oh, ich war Feuer und Flamme, also gleich ran und hab versucht mit Plastikkugeln und bananenförmigen Papierschnipseln, die ich selbst bedruckt hatte am Computer, aber das ging nicht. Das war ne Nummer zu groß, ich hab gedrechselt und Füße hergestellt, wir wollten ein paar selbst herstellen. Das überforderte aber unsere handwerklichen Fähigkeiten und wir wendeten uns an einen Verlag. und als der in den Verkauf kam, "De schew Globus" ,da kam der Verlag mit dem Drucken gar nicht nach.

Mehr als Tausende solcher Globen von Mecklenburg gondeln nun mittlerweile auf dem echten Globus, also der Erdkugel herum.

Ich weiß, dass die auf allen Weltmeeren fahren, auf Kommandobrücken, von Kapitänen hab ich das erfahren. Und selbst im fernen Indonesien steht ein Globus von Mecklenburg. Das ist also eine sehr schöne Bilanz.

Und ein Globus von Vorpommern? Oder gar von Mecklenburg-Vorpommern? "Sie können auch einen Globus von Posemuckel machen", sagt der Ostpreuße. Mecklenburger sind eben stur, Ostpreußen langsam. Vorurteile?

Stur und langsam sind nicht weit von einander entfernt. Und ich finde also, viele meiner Kollegen, wenn sie aus Ostpreußen kommen oder aus Pommern oder Schlesien, fühlen sich doch recht wohl. Das liegt an der gemeinsamen Gesinnung oder... ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll.

Und so entpuppen sich Mecklenburg, Vorpommern und der Bindestrich als Schmelztiegel verschiedener Kulturen mit einer fast vergessenen Grenze. Bloß: viele Worte machen die Leute hier nicht darüber.

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