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10.8.2004
Lübecks Hafen boomt
Vom Strukturwandel in der Region
Von Jasper Barenberg

Holstentor in Lübeck (Bild: AP Archiv)
Holstentor in Lübeck (Bild: AP Archiv)
Mit der Flenderwerft schloss im letzten Jahr eine der traditionsreichsten Werften an der Ostseeküste für immer die Tore. 800 Arbeiter verloren ihren Job. Vom Glanz vergangener Zeiten kündet in Lübeck nur noch eine Ausstellung in der Geschichtswerkstatt. Doch der größte deutsche Ostseehafen ist auf dem Weg zu neuen Ufern. Millionen wurden in den letzten Jahren in moderne Kaianlagen investiert. Mit Erfolg: Mehr Umschlag, mehr Schiffe, mehr Passagiere. Die Hansestadt profitiert vom Boom des Güterverkehrs über die Ostsee. Auf dem brachen Gelände der Flenderwerft soll ein weiterer moderner Container-Terminal entstehen. 300 Menschen bekommen Arbeit und der Hafen der Hansestadt trotzt der Konjunkturkrise.

Der Schlutuper Terminal. Eine von vier Hafenanlagen der Hansestadt. Hier, am Ufer der Trave, ist in den letzten Jahren eines der modernsten Logistikzentren für die Papierverschiffung entstanden.

Hans Peter Böttcher: Wir haben jetzt die Viola Gordon hier liegen, wir haben zwei Schiffe hier: Viola und Helena, die beide die Schwedenhäfen anlaufen. Und Viola Gordon haben wir heute morgen gelöscht, löschen sie teilweise immer noch, und wir laden sie jetzt schon wieder. Die kommt um 6:00 Uhr hier an und wird gegen 15:00 Uhr voll wieder rausfahren.

Hans Peter Böttcher arbeitet seit 34 Jahren für die Lübecker Hafengesellschaft. Ein echter Seebär: Krause Haare und Vollbart, dazu Blaumann und die obligatorische signalrote Weste. Nein, am Hafen macht dem 59-Jährigen keiner mehr was vor. Am Schlutuper Terminal ist er zusammen mit einem Kollegen für das Be- und Entladen der großen Schwedenfähren zuständig.

Pausenlos sausen kleine gelbe Zugmaschinen in den Schiffsrumpf und holen emsig Lastwagen-Trailer aus dem Bauch des Schiffes - vor allem aber meterdicke Papierrollen auf grünen Spezialwagen. Geladen werden Ballen von Altpapier und, dieses Mal, Autoteile. Da muss jeder Handgriff sitzen.

Hans Peter Böttcher: Im Grunde sind die Leute, die hier arbeiten kleine Spezialisten. Sie müssen sich konzentrieren, sie müssen aufpassen. Sie fahren damit auch durch den ganzen Hafen, sie können hinten mitsteuern, das Gerät kann seitwärts fahren, wenn wir das wollen. Das muss man sich konzentrieren, da kann man nicht verschlafen zur Arbeit kommen.

Papier ist das wichtigste Frachtgut im Lübecker Hafen. Gelagert wird es in riesigen, zehn Meter hohen Hallen. Davon stehen sieben auf dem Gelände. Die Ware aus den Schiffen wird dann verteilt - auf Lkw und Güterzüge. Oder sie wird von kleinen elektrischen Gabelstaplern in Container verladen und dann weiter transportiert - ins Ruhrgebiet, nach Süddeutschland, in die Schweiz und nach Italien.

Die Hauptverwaltung der stadteigenen Lübecker Hafengesellschaft hat ihren Sitz in der Lübecker Altstadt. Ein eckiges, schmuckloses Gebäude aus den fünfziger Jahren zwischen historischen Ziegelsteinhäusern. Lange Flure, kleine graue Namensschilder neben den vielen Türen. Hinter einer das Büro des Geschäftsführer Manfred Evers. Der sitzt hinter seinem geräumigen, aufgeräumten Schreibtisch, fixiert den Besucher über den Rand seiner schmalen Brille und breitet die Arme auseinander.

Manfred Evers: Eine Hafengesellschaft wie man sie früher kannte, das gibt es nicht mehr. Also Säcke schleppen, das gibt es nicht mehr. Wenn sie die Häfen sehen, gibt es eine Unterscheidung. Da gibt es den Containerhafen und der RoRohafen. Wir sind ein RoRo-Hafen, hier fahren die Güter ins Schiff rein oder werden wieder rausgezogen. Wir sind eine Drehscheibe, die Logistik macht. Das heißt also, auch hier werden nicht Kisten und Kasten gepackt, das ist nur noch in ganz geringem Maße der Fall, sondern hier wird Logistik gemacht in Einheiten. Auch mit Containern im Lübecker Hafen, aber im Schwerpunkt im Trailerbereich und im Papierbereich.

Manfred Evers ist Chef von über 1000 Mitarbeitern und verantwortlich für den reibungslosen Betrieb aller vier Terminals der Hansestadt. Die Anlagen verteilen sich entlang der 20 Kilometer Flusslänge bis hinaus nach Travemünde. Im vergangenen Jahr wurden 25 Millionen Tonnen Fracht umgeschlagen. Würde man diese Menge auf Lastwagen laden und diese aneinander reihen, ergäbe das eine Strecke von mehr als 24 Tausend Kilometern Länge. Den Hafen sieht Manfred Evers als Schnittstelle zwischen den Wirtschaftsmetropolen West- und Zentraleuropas und dem gesamten Ostseeraum. Die Papierindustrie in Schweden und Finnland verteilt über Lübeck ihre Produkte nach ganz Europa. An 20 Schiffsanlegern werden Holz und Obst, Stahl und Container, Neuwagen und Salz ein- oder ausgeladen.
Woche für Woche verlassen 150 Schiffe die Hansestadt mit Kurs auf einen von 25 Häfen rund um die Ostsee. Fährlinien verbinden Lübeck mit dem russischen Kaliningrad und dem finnischen Hamina, mit Halmstad in Schweden und Ventspils in Lettland. Fast 200 Millionen Euro wurden in den letzten zehn Jahren investiert, vor allem, um den Lübecker Hafen nach der Wiedervereinigung wettbewerbsfähig zu halten.

Manfred Evers: Also der Lübecker Hafen war schon immer eine wichtige Drehscheibe. Als die Grenze noch bestand, da waren wir der östlichste Hafen und haben dementsprechend - Schweden und Finnland - diese Funktion schon sehr stark wahrgenommen. Nach Grenzöffnung hat sich diese Drehscheibenfunktion etwas verändert. Das heißt also, es kam mehr Hinterland dazu. Aber es kam auch mehr Konkurrenz hinzu durch weitere Häfen, die weiter östlich lagen in Mecklenburg-Vorpommern. Chancen und Risiken nach der Wende waren gleich verteilt. Man muss bloß etwas tun damit. Und wir haben eben den Lübecker Hafen, der vor der Wende eine andere Struktur hatte, mehr zentralistisch geführt wurde, in ein dezentrales Unternehmen verwandelt. Und dieses haben wir ganz gut geschafft.

So gut jedenfalls, das der Lübecker Hafen seine Stellung als größter Ostseehafen in Deutschland nicht nur halten, sondern weiter ausbauen konnte. Und für die Zukunft plant Manfred Evers weiteres Wachstum. Lübeck will teilhaben an dem auflebenden Handel rund um die Ostsee. 350 Millionen Menschen leben in den angrenzenden Ländern - ein riesiges Potential, sagt der Geschäftsführer. Für ihn hat das Wort Globalisierung einen durchweg positiven Klang. Werden Produktionen aus Deutschland oder Westeuropa in die neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union im Osten verlegt, Manfred Evers wird sich darüber freuen. Denn für den Lübecker Hafen bedeutet das vor allem neue Warenströme - und von denen wird die Hansestadt ein Stück abbekommen. Also gilt es, die Hafenanlagen weiter auszubauen, Kapazitäten und Leistung weiter zu steigern. Nur lassen sich große Fährlinien überzeugen, ihre Schiffe nach Lübeck zu schicken. Verhandlungen darüber sind das Geschäft von Manfred Evers. Mit der Maloche vor Ort hat der Geschäftsführer nur selten zu tun. Der versteht sich als Manager. Mit Hafenromantik habe sein Job nichts zu tun, grinst er und rückt die gestreifte Krawatte zurecht.

Manfred Evers: Die nimmt man noch mal wahr, wenn man im Hafen ist. Da hört man auch Möwen ne ganze Menge, da hört man auch Wasser plätschern. Aber der Hafen ist ein harter Job und die Logistik steht hier im Vordergrund. Und die Logistik, die rechnet mit kleinsten Margen. Und hier ist es reine Betriebswirtschaft, die hier dahinter steht.

Fährt man am nördlichen Traveufer entlang, liegen rechter Hand die verlassenen Werftgebäude der Flenderwerft. Am Zaun hängen Demonstrationsplakate - auch heute noch. Etwas verschlungen führt die Straße Richtung Traveufer. Kaum zu glauben, dass auch hier ein Stückchen Zukunft für den Lübecker Hafen lebt und gedeiht. Holger Lehmann leitet ein privates Traditionsunternehmen in Lübeck.

Holger Lehmann: Die Firma Lehmann wurde identifiziert mit Baustoffen. Wir haben immer gesagt, alles was grau und schmutzig ist, das machen wir hier im Lübecker Hafen und ich habe als Jugendlicher mir manchmal Taschengeld in den Ferien dazuverdient und bin als Schauermann in die Schiffe reingegangen und habe Splitt geschaufelt. Das war ziemlich harte körperliche Arbeit dann. Da war man ziemlich fertig dann.

Vier Hafenalagen mit 1600 Metern Länge, neun Schiffe, vier Betonwerke und ein Brennstoffhandel - das sind die Eckdaten der Hans Lehmann KG heute. Das Unternehmen ist einer der privaten Hafenbetreiber in Lübeck. Auch hier gilt: Zeit ist Geld. Um erfolgreich Geschäfte zu machen, muss die Fracht nicht nur schnell und reibungslos be- und entladen werden. Auch eine effiziente Disposition gehört dazu, die für den Transport weiter landeinwärts sorgt.

Christian Plaug und Jeanette Brauer, beide Anfang dreißig, sind zwei der Mitarbeiter der Firma Bafor, einem Unternehmensverbund, an dem auch Hafenbetreiber Lehmann beteiligt ist. 25.000Quadratmeter Lagerfläche für Papier und Zellulose, das ist ihr Reich.

Jeanette Brauer: Man muss sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lassen. Es klingelt schon häufiger das Telefon, ein Fahrer steht an der Klappe, da will jemand was wissen, im Computer mal schnell was nachschlagen. Das sind mehrere Dinge, die man gleichzeitig machen muss, da muss man schon gucken, was ist im Moment wichtig, was kann ich später noch machen. Also wer nicht zwei Sachen auf einmal machen kann, für den ist das glaube ich nicht das Richtige.
Das mit den Lkws macht am meisten Spaß. Das einzuteilen, dass alles auch rechtzeitig ankommt an den Orten, wo es hin soll. Es ist schon manchmal richtig stressig. Wenn dann was dazwischen kommt auf den Straßen. Das macht Spaß, das ist immer wieder was Neues. Manchmal muss man dem Unternehmer noch etwas schmackhaft machen, was er vielleicht nicht so einfach fahren würde, weil es schon ziemlich eng ist mit der Zeit. Oder der die Ware noch spät abends übernehmen muss bei uns. Oder wenn Fahrer sehr maulig sind, weil sie noch länger warten müssen. Das muss man schon mal verhandeln, dass sie auch ruhig bleiben und das einsehen, dass es im Hafen nicht immer so reibungslos geht.


Jeanette Brauer, Mutter von fünfjährigen Zwillingen, ist eine zierliche Person in einer Männerwelt. Nur auf den ersten Blick wirkt sie unscheinbar, aber wenn es drauf ankommt, dann weiß sie sofort, wo es langgeht, schwärmt der Kollege Christian Plaug. Die Groß- und Außenhandelskauffrau hat es nach der Schwangerschaft nicht lange zuhause gehalten. Die Töchter sind den ganzen Tag im Kindergarten. Seit acht Jahren ist sie dabei und hat mit der Stelle hier ihren Traumjob gefunden. Rund hundert Mitarbeiter hat das Unternehmen, 60 davon im Hafen. Die Hafengesellschaft, der große kommunale Kollege, macht es einem nicht immer leicht, sagt Holger Lehmann. Aus Angst, selbst eine Chance zu verpassen, würden den Privaten schon mal Steine in den Weg gelegt.

Holger Lehmann: Es ist nicht einfach sich hier durchzusetzen. Wir haben jetzt bewiesen, dass es geht. Es ist dreimal in den letzten zehn Jahren der Fall gewesen, dass die privaten Hafenbetreiber hier gebremst worden sind.

Zuletzt gab es mit der Stadt Zank um ein Stück Gelände der stillgelegten Flenderwerft. Lehmann plante, seine Kapazitäten zu erweitern, versprach neue Beschäftigungsmöglichkeiten. Er hatte das Gelände bereits gekauft, da erhob die Hafengesellschaft Einspruch, machte ihr Vorkaufsrecht geltend. Erst nach langwierigen politischen Diskussionen erhielt die Firma Lehmann am Ende doch noch den Zuschlag. Der Vertrag mit einer neuen Fährlinie ist unter Dach und Fach. 300 Menschen in Lübeck werden hier Arbeit erhalten.

Das ist nicht zuletzt das Verdienst von Christdemokrat Wolfgang Halbedel.

Wolfgang Halbedel: Ich habe mich sehr frühzeitig, oder vielleicht sogar als erster in Lübeck dazu bekannt, dass dieses Flendergelände an den privaten Investor geht. Ich bin als Wirtschaftssenator für den Hafen Lübecks zuständig. Und da kann ich natürlich nicht - und darf ich auch gar nicht! - Vorteilnahme für eine städtische Gesellschaft nehmen. Sondern mir ist jeder private Hafenbetreiber, und das ist Herr Lehmann sehr erfolgreich seit vielen Jahren oder Jahrzehnten ... die müssen mir alle gleich lieb sein und sind mir auch alle gleich lieb. Also da muss man die Neutralität dann schon wahren.

Schließlich hing die Wirtschaft der Hansestadt schon immer vom Hafen ab und in schwierigen Zeiten wie den derzeitigen ist der Hafen mehr denn je das wirtschaftliche Rückrad der ganzen Region. 5000 Menschen bietet der Hafen Lohn und Brot, zehn Tausend Arbeitsplätze hängen insgesamt mit ihm zusammen. Aus der Perspektive des Wirtschaftssenators ein Lichtblick in dunkler Zeit. Erst kürzlich landete eine Rangliste der 50 größten deutschen Städte auf seinem Schreibtisch. Das Ergebnis war niederschmetternd: Lübeck ist im Westen Schlusslicht. Nirgendwo sonst ist die Arbeitslosigkeit in Schleswig-Holstein so hoch wie hier, das städtische Haushaltsloch bewegt sich mit 70 Millionen Euro auf Rekordniveau. Seine ganze Zuversicht schöpft Wolfgang Halbedel daher aus den Vorhersagen für einen noch weiter anziehenden Handel im Ostseeraum. Dabei hat er mit dem Hafen Rostock den schärfsten Konkurrenten Lübecks immer mit im Blick.

Wolfgang Halbedel: Durch die Erweiterung der EU wird der Verkehr auf der Ostsee noch wesentlich steigen, dass heißt also, die Kaufkraft in den baltischen Staaten, in Polen, in Russland nimmt zu. Dass heißt, es werden wesentlich mehr Güter über die Ostsee kutschiert werden oder transportiert werden. Und das bedeutet wiederum, dass wir keine Angst haben müssen. Es ist für beide genug da, um weiter zu wachsen.

Schwierigkeiten kamen in den vergangenen Jahren aus einer ganz anderen Richtung. Die Landesregierung in Kiel hatte vor, große Teile der noch freien Flächen im Hafengelände unter Naturschutz zu stellen. Das aber hätte den weiteren Ausbau der Kais und Anlagen nahezu unmöglich gemacht und dem Hafen wichtige Entwicklungsperspektiven geraubt. Als Beispiel nennt der Wirtschaftssenator den Skandinavienkai in Travemünde.

Wolfgang Halbedel: Dort haben wir einen Hafen, der am meisten von allen Lübecker Stadthäfen boomt, aber keine Fläche mehr hat. Und wir fangen jetzt ja an in diesen Tagen, den Skandinavienkai erheblich zu erweitern. Und da liegen natürlich die Hindernisse. Natürlich wohnen auch Schnecken, Vögel und sonstige Tiere da, wo künftig Trailer stehen sollen. Aber wir haben genug Naturschutzgebiete um Lübeck, aber uns fehlen immer noch Arbeitsplätze. Und insofern muss man diese Hindernisse dann nehmen. Wir haben sie genommen - die Planfeststellung liegt jetzt vor, so dass der Ausbau zügig weiter gehen kann.

Geht es um die langfristige Zukunft des Lübecker Hafens, steht ein weiteres Thema bei Wolfgang Halbedel ganz oben auf der Liste: die Verkehrsanbindung. Immerhin ist Lübeck schon heute der einzige Ostseehafen mit einer direkten Anbindung an Autobahn und Schiene. Außerdem bietet der Elbe-Lübeck-Kanal auch eine Wasserverbindung.

Wolfgang Halbedel: Nur, bei der Größe des Lübecker Hafens und bei dem Wachstum, das wir in den letzten zehn Jahren alleine gehabt haben, reicht das alles nicht mehr aus. Wir brauchen im Prinzip die sechsspurige Autobahn, das wird noch ein bisschen dauern; wir brauchen ein drittes Gleis, denn die Strecke Hamburg-Lübeck ist von allen Bahnstrecken in Deutschland die mit am meisten befahrendste Strecke; und zum dritten muss eben auch der Elbe-Lübeck-Kanal ausgebaut werden. Also insofern muss die Landesregierung uns helfen, bei der Bundesregierung durchzusetzen, dass die Anbindung noch besser wird.

Doch gerade in dieser Hinsicht fühlt sich die Hansestadt von der Landesregierung im Stich gelassen. Das gilt besonders für die dringendste aller notwendigen Infrastrukturprojekte: der Elektrifizierung der Bahnstrecke nach Hamburg. Noch immer sind hier alte Diesellocks unterwegs. Das ist umständlich und kostet vor allem Zeit.

Wolfgang Halbedel: Sie müssen immer, wenn sie die Züge von Travemünde nach Genua bringen oder Mailand - wir haben ja sehr viele Ganzzüge, die in Lübeck zusammengestellt werden und dann bis nach Italien, Belgien und so weiter durchgezogen werden, Güterzüge - die müssen immer umgespannt werden. Und dieses Umspannen dauert natürlich - also rein theoretisch sechs Minuten, aber praktisch können das auch sechs Stunden werden.

Für einen Skandal hält der Wirtschafssenator daher, dass die Landesregierung den Bund nicht verpflichten konnte, die versprochene Elektrifizierung zügig umzusetzen. Bis 2006 sollte alles fertig sein. Dank des Maut-Desasters in Berlin wird bis 2008 wohl nichts daraus werden. Ärgerlich für die Hansestadt. Doch ihr Einfluss ist begrenzt.

Wolfgang Halbedel: Direkte Möglichkeiten hat weder der Lübecker Wirtschaftssenator, noch die Lübecker Bürgerschaft. Wir können nur in endlosen Gesprächen und mit guten Argumenten immer bei der Landesregierung vorstellig werden, um unsere Ziele deutlich zu machen und klar zu machen, dass unsere Ziele identisch sind mit den Zielen Schleswig-Holsteins!

Stößt er damit in Kiel auf taube Ohren, mangelnden Willen oder leere Hände, ist Wolfgang Halbedel politisch ausgefuchst genug, andere Wege zu beschreiten. Längst hat er Verbindung aufgenommen zu seinen Parteifreunden im Senat der Hansestadt Hamburg. Und prompt im vergangenen Jahr einen Kooperationsvertrag zustande bekommen. Was die Hafenentwicklung in Lübeck angeht, so lässt sich der Wirtschaftssenator die Zuversicht nicht nehmen. Und Grenzen, sagt er zum Abschied, verlieren im zusammenwachsenden Europa ohnehin immer mehr an Bedeutung.

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