LänderReport
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24.8.2004
Der "Louvre" von Remagen
Kultur in der Provinz
Von Anke Petermann

Kleinplastik  "Purzelbaum" von Hans Arp (Bild: AP Archiv)
Kleinplastik "Purzelbaum" von Hans Arp (Bild: AP Archiv)
Lokalpolitiker atmen auf - nach 25-jähriger Planung wird das Arp-Museum in Remagen endlich realisiert, und zwar im ganz großen Stil mit dem New Yorker Star-Architekten Richard Meier. Die Sammlung von 3500 Kunstwerken des Künstlerpaares Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp soll Welt-Dimension haben, schwärmen Kunst-Experten vor Ort, der Landrat spricht sogar vom "Louvre". Doch um den "Louvre" von Remagen herum droht die Kulturlandschaft zu veröden, klagen engagierte Bürger.

Kommunal- und Landespolitiker atmen hörbar erleichtert auf - nach 25 jähriger Planung wird das Arp-Museum in Remagen realisiert. Und zwar im ganz großen Stil: mit einem New Yorker Stararchitekten und 3500 Gemälden, Reliefs und Skulpturen von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp. Der Landrat spricht vom "Louvre". Doch um den "Louvre" von Remagen herum droht die Kulturlandschaft zu veröden, klagen engagierte Bürger. In Bad-Neuenahr sollen Jugendstil-Brücken abgerissen werden. Auf dem Kirchdauner Abschnitt der Aachen- Frankfurter Heerstraße will man bauen - ein intakter Rest der über tausend Jahre alten Krönungsstraße droht untergepflügt zu werden. Das 125-jährige Jubiläum der Ahrtalbahn steht an, aber der 90 Jahre alte Lokschuppen in Kreuzberg soll flach gelegt werden. Und, und, und. Wenig gute Nachrichten um die eine vom "Louvre". Welche Chancen hat die Kultur-Provinz rund um den "Louvre" von Remagen?

Außen wird schon das Gerüst abgebaut, innen werden die letzten Böden verlegt, die letzten Wände gestrichen: Anfang Oktober soll der klassizistischen Bahnhof Rolandseck als Teil des Arp-Museums eröffnet werden. Das Juwel des frühen deutschen Eisenbahnbaus mit der imposanten gusseisernen Aussichtsgalerie und dem prächtigen Festsaal ist gerettet. Ein Kunstliebhaber hatte das Gebäude Mitte der 60er Jahre vor dem Abriss bewahrt und als "Künstlerbahnhof" wiederbelebt. Jürgen Pföhler, CDU-Landrat des Kreises Ahrweiler:

Das Arp-Museum in Remagen-Rolandseck ist eines der letzten zentralen Bonn-Berlin-Ausgleichsprojekte. Das Arp-Museum hat ja zwei Komponenten, einmal den historischen Bahnhof, der noch dieses Jahr eröffnet wird und das Richard-Meier Museum, wie ich immer sage, also das Museum nach den Plänen des berühmten amerikanischen Stararchitekten. Dieses Projekt hat eine enorme Bedeutung, zum einen als kulturpolitisches Highlight, ein Leuchtturm. Zum anderen ist es in den finanziellen Dimension, in der Internationalität durchaus mit dem Bau des Nürburgrings in den zwanziger Jahren vergleichbar.

Bund und Land stecken insgesamt über 30 Millionen Euro in das Museum, für den Unterhalt kommt das Land Rheinland-Pfalz allein auf, sagt der Landrat. Kein Wunder, dass er strahlt.

So wortreich Pföhler von dem Renommierprojekt schwärmt, so wortkarg ist er, wenn es um ein anderes Eisenbahnbauwerk geht, für das weder die sozialliberale Landesregierung noch die CDU-geführte Kreisverwaltung auch nur einen Cent locker machen wollen.

Über ein stillgelegtes Gleis läuft man vom Ahrtal-Bahnhof Kreuzberg geradewegs auf einen riesigen Ringlokschuppen zu - samt Werkstattanbau, Abstellgleisen und Drehscheibe für die Loks. Es ist eines der größten Bahnbetriebswerke der Eifel, 1918 erbaut in Kreuzberg bei Altenahr, 1987 von der Bundesbahn aufgegeben. Eine Originalanlage aus der Dampflokzeit. Das Dach ist allerdings eingefallen, eines der großen Holztore in der imposanten gerundeten Front ist herausgebrochen, im oberen Teil bestehen die Tore nur noch aus Eisengerippen. Die kleinen Scheiben dazwischen sind zersplittert. Richtig verfallen ist das Gebäude erst, seit es 1998 unter Denkmalschutz gestellt wurde, sagt Jan Schauff, Vorsitzender des Museumsvereins.

Seitdem das Gelände Denkmalzone ist, hätte die Kreisverwaltung als Untere Denkmalschutzbehörde Erhaltungsauflagen machen können, das heißt, die Fensterscheiben, die damals schon eingeworfen waren, hätte sie nicht wieder herstellen müssen, aber das Dach, das damals im wesentlichen erhalten war, das ist erst in den letzten zwei Jahren eingefallen, das hätte nicht sein müssen. Jetzt haben wir seit 2001 den Mietvertrag, wir haben im Außenbereich sehr viel getan, im Schuppen dürfen wir nichts tun. Aus haftungstechnischen Gründen möchte die Bahn nicht, das Ehrenamtliche in einem einsturzgefährdeten Gebäude arbeiten ...

Dem Verein waren also die Hände gebunden, doch er war im Gespräch mit der Deutschen Bahn und hoffte, das Gelände demnächst für einen symbolischen Preis kaufen und sanieren zu können - mit privatem und öffentlichen Sponsoring und viel Eigenarbeit. Ende Mai aber meldete die Kreisverwaltung, die Bahn habe erneut beantragt, den Lokschuppen abzubrechen. Und: anders als 1999 habe der Kreis dem Antrag nun stattgegeben, und zwar im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Mainz. Warum lässt diese Behörde zu, dass ein Eigentümer ein Denkmal sechs Jahre verfallen lässt und dann mit einer Abrissgenehmigung belohnt wird? Es sei immer zweifelhaft gewesen, ob es der Bahn wirtschaftlich zuzumuten sei, das Denkmal zu erhalten, erläutert Kurt Frein, stellvertretender Direktor des Landesamtes, deshalb habe die Untere Denkmalschutzbehörde die Bahn nicht verpflichten können, den ungenutzten Bau instand zu setzen:

Wenn schon die Erhaltung des Gebäudes insgesamt nicht zumutbar ist, ist auch eine Investition des Eigentümer auf dem Weg dorthin, weil sie letztendlich zu einem weiteren Vermögensnachteil des Eigentümers führt, dem kein Nutzen gegenüber steht, nicht möglich.

Und der Verein, das sagen die Bahn, die Kreisverwaltung und das Landesamt unisono, habe trotz mehrfacher Aufforderung kein realistisches, durchgerechnetes Nutzungskonzept vorgelegt. Was angesichts der Zutrittsbeschränkung und der ungelösten Altlastenproblematik auch nicht möglich gewesen sei, hält der Verein dagegen. Es geht um Dieselöl im Boden rund um die ehemalige Tankstelle und um Atrazin:

Das ist ein Herbizid, davon sind einige Mengen im Boden, deshalb wurde der Trinkwasserbrunnen geschlossen und die Wasserschutzzone aufgehoben.

Dass er Konkurrenz hatte, wusste der Museumsverein: es war bekannt, dass die Ortsgemeinde Kreuzberg und die Verbandsgemeinde Altenahr den Lokschuppen lieber heute als morgen flach legen und das Gelände als Baugebiet ausweisen würden. Und jüngst wurde klar: die Baupläne sind wesentlich weiter gediehen, als der Öffentlichkeit bislang bekannt war, die Altlastensanierung scheint, wenn es ums Bauen geht, plötzlich ein rasch lösbares Problem zu sein. Ans Licht kam das allerdings nicht durch offizielle Mitteilungen, sondern durch interne Protokolle über zwei Gesprächsrunden zwischen Bahn, Verbandsgemeinde, Ortsgemeinde und Kreisverwaltung, die unter anderem dem örtlichen Pressesprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz anonym zugespielt wurden. Ausschnitte aus den Dokumenten, die echt sind, wie die Kreisverwaltung bestätigt hat:

20.11.2002 - interner Gesprächsvermerk - vertraulich !
Ziel der Ortsgemeinde ist es, das rund 54.000 Quadratmeter große Gelände zu überplanen, um Bauplätze für Wohngebäude von rund 45.000 Quadratmetern zu rund 50 Euro pro Quadratmeter zu veräußern, wobei der sogenannte Mehrwert zwischen der Ortsgemeinde und der Deutschen Bahn vertraglich geteilt werden soll.
6.6. 2003 - interner Gesprächsvermerk - vertraulich!
Die Kreisverwaltung wird den Abbruchantrag unterstützen.


Bis zur Sitzung im Juni 2003 hatten sich die Baupläne konkretisiert, von 40 Parzellen und 70 Wohneinheiten ist die Rede, in der Denkmalzone wohlgemerkt. Die Drehscheibe vor dem Lokschuppen ist als Verkehrskreisel eingeplant. Der Museumsverein erfuhr von alldem nichts. Während die Ehrenamtlichen am Lokschuppen die Sense schwangen, um das Gelände nicht zuwuchern zu lassen, während sie schon die ersten Bestandteile für künftige Eisenbahn-Ausstellungen sammelten, während sie mit der Bahn über Altlastensanierung und Kaufvertrag verhandelten, ließen die Bahnmanager gemeinsam mit den Kommunalfürsten unter Ausschluss der Öffentlichkeit den Zug in eine ganz andere Richtung fahren. Dass Orts- und Verbandsgemeinde es auf die Denkmalzone abgesehen hatten, wussten wir ja, sagt der Vereinsvorsitzende:

Aber dass insbesondere die Kreisverwaltung, die ja als Untere Denkmalschutzbehörde den Auftrag hat, Denkmäler zu erhalten, dass wir da so merkwürdig hintergangen werden, ist für uns unverständlich und hat uns auch sehr schockiert.

Schockiert, aber nicht verwundert über das Vorgehen der Kreisverwaltung ist der Bund für Umwelt und Naturschutz, kurz BUND.

Auf dem vor fast 100 Jahren aufgeschütteten Bahngelände in der unverbauten Ahrtalaue sprenkelt der Mauerpfeffer die Schotterhaufen gelb, Laufkäfer huschen durchs Gras, Bläulingsfalter schweben über das gelb-blau-violette Blütenmeer. Das stillgelegte Bahngelände ist nach dem Landesentwicklungsprogramm Teil einer sogenannten "Biotop-Vernetzungsachse" im Land Rheinland-Pfalz. Schon einmal - vor drei Jahren im benachbarten Hönningen - hatte der CDU-geführte Kreis versucht, solch eine ökologisch wertvolle Fläche zu bebauen. Er gab erst auf, als die SPD-Ressortchefs im Innen- und Umweltministerium sowie die EU-Kommission die rote Karte für das geplante Feriendorf zeigten.

Ohne gültigen Flächennutzungsplan wollte man diese Anlage dort reinhauen, und diese Machenschaften des Landrates - ich muss es leider so bezeichnen - die wiederholen sich hier mit verblüffender Gleichmäßigkeit.

stellt Willi Tempel, BUND-Pressesprecher im Kreis fest. Vom CDU-Landrat: keine Stellungnahme zum Bahnbetriebswerk - "wieso, das wird doch abgerissen", sagt er lächelnd. Mit DDR-Methoden versuche der Kreis, Natur- und Denkmalschutz außer Kraft zu setzen, legt BUND-Kreis-Vize Tempel nach und meint damit:

In der früheren DDR hat man alles hinter dem Rücken der Leute gemacht, und hier passiert leider das gleiche, obwohl jeder davon redet, Bürgerbeteiligung soll groß geschrieben werden. In Wirklichkeit, wenn es Themen sind, die brisant sind, die die Bürger auch interessieren, wird's hinter verschlossener Tür gemacht, weil bestimmte Interessen im Spiel sind, und das passt eigentlich wirklich nicht in die Zeit.

Warum eigentlich ist das Landesdenkmalamt jetzt einverstanden mit dem Abriss des Bahnbetriebswerks, das es zuvor selbst unter Schutz gestellt hatte? Die Denkmalpfleger verließen sich auf Informationen der Kreisverwaltung, wonach der Verein nicht handlungsfähig sei und sahen damit keine Erhaltungschancen mehr für das Eisenbahnbauwerk. Das geht jedenfalls aus der Antwort des SPD-Kultusministers auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Landtag von Rheinland-Pfalz hervor. In der Antwort des Ministers heißt es wörtlich:

Nachdem das Landesamt für Denkmalpflege nach Wechsel im Vorsitz längere Zeit nichts mehr vom Verein gehört hatte, schien ein Ruhen der Vereinsaktivitäten oder sogar eine Aufgabe des Vereinszieles, der Nutzung des Betriebswerks als Museum, in Anbetracht der immensen finanziellen und technischen Herausforderungen jedenfalls nicht unwahrscheinlich.

Ein Blick ins Internet, ein Telfonkontakt hätten die Zweifel am Fortbestand des Museumsvereins allerdings leicht ausräumen können. Die Mainzer Grünen fordern die Kreisverwaltung Ahrweiler nun auf, die Abbruchgenehmigung zurückzunehmen, da sie auf unzutreffenden Annahmen basiere. Das Landesdenkmalamt solle seine Zustimmung zum Abriss zurückziehen, verlangt Fraktionschefin Ise Thomas. Den SPD-Kultusminister bittet sie brieflich, das Amt entsprechend anzuweisen. Zwei weitere Anfragen an die Landesregierung hat die grüne Frontfrau in Sachen Altlastensanierung nachgeschoben.

Remagen-Rolandseck, Kreuzberg - historische Eisenbahnarchitektur ist ein Markenzeichen im Ahrtal.

Auch längs der idyllischen Flusspromenade im Kurort Bad Neuenahr wird man daran erinnert - obwohl hier gar keine Bahn fährt. Kinder füttern die Enten, Kurgäste flanieren. Das Ehepaar Kubitza, vor einem Jahr in die Kreisstadt gezogen, genießt einen Morgenspaziergang unterm schattigen Blätterdach, Blick auf die Jugendstilbrücken aus der Gründungs- und Glanzzeit des Heilbades inklusive:

Also die gefallen mir eigentlich sehr gut, obwohl sie ein bisschen mehr wie Eisenbahnbrücken aussehen. Wenn ich in Köln an dies Hohenzollernbrücke denke, das ist eine Miniaturausgabe hier, aber ich finde, sie passen schon in die Landschaft, ja.

... sagt Martin Kubitza und blickt auf die Amseltalbrücke, eine kleine Fußgängerbrücke, deren Andreaskreuze von den Brückenbögen bis in die Trägerkonstruktion reichen.

Bohrgeräusche stören die morgendliche Ruhe an der Ahr, die Mitarbeiter eines geotechnischen Büros prüfen, ob wenigstens die Widerlager noch fest sind, auf denen die Amseltalbrücke ruht. Denn die genieteten Stahlbogenkonstruktionen vom Beginn des letzten Jahrhunderts sind marode, die schlichte Amseltalbrücke und die aufwändige Landgrafenbrücke mit ihren schmiedeeisernen Kandelabern sollen ersetzt werden - durch Neubauten in ähnlichem Stil, allerdings ohne die ornamentalen Feinheiten der alten Vorlagen. So hat es der CDU-dominierte Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler beschlossen, ein Bürger-Entscheid für den Erhalt der Amseltalbrücke brachte nicht genug Stimmen, um diesen Beschluss zu kippen. Charlotte Suttrop-Puchstein hat das Bürgerbegehren für die alte Brücke initiiert, 4000 Unterschriften mit gesammelt und keine Gelegenheit ausgelassen, sich mit den Abrissbefürwortern anzulegen. Ein Fünkchen Hoffnung hat sie immer noch, schließlich ist die Amseltalbrücke Element in einem Ensemble von fünf Jugendstilbrücken, das viele Kulturinteressierte sogar für denkmalschutzwürdig halten:

Andreaskreuze, Fachwerk, Streben, Nieten - und jede Brücke hat ein unterschiedliches Geländer. Diese hier hat ein Kassettengeländer, die Casinobrücke hat ein Geländer, das an die Weinstöcke erinnert, wo mit Weidenruten die Weinstöcke befestigt werden, es ist jedes unterschiedlich, und jede hat ihren eigenen Reiz. Und wenn man durch die Bögen hindurch schaut, sieht man immer wieder neue Landschaftsausschnitte, das ist wie Bilder, wie eingerahmte Bilder, wenn man in diese Flusslandschaft hinein guckt.

Nicht denkmalschutzwürdig, lautet das Urteil von Ulrich Kerkhoff vom Landesamt für Denkmalpflege, aber auf jeden Fall erhaltenswert für das einst prächtige Heilbad, das in den letzten Jahrzehnten schon viel von seiner Jugendstilsubstanz dem Abriss preisgab. Eine Stellungnahme der Denkmalpflege, die man auf den Führungsetagen von Bad Neuenahr-Ahrweiler geflissentlich überhörte - überflüssig also? Ulrich Kerkhoff verneint.

Sie ist im rechtlichen Sinne nichts wert, sie ist im förderlichen Sinne hoffentlich doch etwas wert, und wir müssen auch unterscheiden zwischen denkmalwert im Sinne des Gesetzes, dass öffentliches Erhaltungsinteresse besteht, das übergeordnet ist über dem lokalen oder regionalen Interesse. Wir können aber hinweisen auf erhaltenswerte Strukturen, auf erhaltenswerte Bauten, die im lokalen Interesse durchaus ihre Bedeutung haben können. Und insofern freue ich mich als Landesdenkmalpflege, dass sich örtliches Interesse gefunden hat, um diese Brücken zu erhalten. Erhaltenswürdig sind diese Bauten sicherlich.

Aber als Sanierungsobjekte nicht finanzierbar, meint die Stadt. Der Öffentlichkeit vorgerechnet hat das bei der umstrittenen Amseltalbrücke pikanterweise der damalige CDU-Stadtrat im Planungsausschuss, dessen Ingenieur- und Tiefbaubüro den Neubau im Auftrag der Stadt vorantreiben soll. Der Kostenvergleich ging auch deshalb zugunsten eines Neubaus aus, weil man bei der Kalkulation für eine neue Brücke Landeszuschüsse einrechnete, die noch gar nicht bewilligt sind. Dass man diese Zuschüsse auch für eine Sanierung hätte beantragen können, blieb dagegen außer acht. Doch nicht nur die Rechenkünste der Stadtväter versetzen manche Bürger mit Blick auf die Brücken in Erstaunen:

Was ich nicht verstehen kann, ist, dass man nie einen sieht, und das ist ja auch in Leserbiefen kritisiert worden, dass man nie einen sieht der die pflegt. Das ist mal sehr kritisiert worden und man sollte die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, aber die Herren - das interessiert die alles gar nicht.
(Pollig) Wer ist denn Schuld daran, dass die Brücke in so desolatem Zustand ist, und da sind wir wieder bei der Stadtverwaltung. Wenn ich also solche Brücken verwalten muss, darf so was nicht vorkommen.


Von der Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler: keine Stellungnahme. Der Abriss ist beschlossene Sache - wir wollen das nicht aufwärmen, sagt der Pressesprecher. Ob das Land Rheinland-Pfalz jahrelange Untätigkeit mit Fördermitteln für den Neubau belohnt, ist noch offen.

Willi Pollig, pensionierter Malermeister, stochert probeweise auch mal am Stahlgeländer der katzenbucklig gewölbten Maria-Hilf-Brücke:

Da, hier, diese Rostnester, die kann man höchstens noch mit Flammstrahl raus kriegen. Wenn da nicht schnell etwas gemacht wird, dann verrottet die genauso wie die Amseltalbrücke und das ist ein schönes Jugendstilgitter. Aber Sie sehen, das Material ist nicht das dickste, und wenn das einmal anfängt zu rosten, dann gibt es da kein Halten mehr, das ist sehr schwer, aber es ist dann schwer, das dann noch zu restaurieren beziehungsweise zu reparieren.

Wenn ich an die anderen Brücken denke, die rosten weiter still vor sich hin, das wird demnächst genau dasselbe Problem geben, aber dann sind natürlich die, die dafür verantwortlich sind, nicht mehr da, und so geht das immer weiter.

... sagt etwas frustriert Martin Kubitza, der auch wegen der idyllischen Qualitäten des alten Kurortes nach Bad Neuenahr gezogen ist.

In Remagen-Rolandseck hat sich unterdessen die cremegrüne Fassade des restaurierten klassizistischen Bahnhofs aus Plastikfolie und Gerüsten geschält - das alte Kernstück des neuen Arp-Museums. Und nichts weist mehr darauf hin, dass vor fünfzig Jahren keiner auch nur einen Heller für den alten Bahnhof geben wollte.
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