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8.9.2004
Die Pyramiden von Ronneburg
Vom Wismut-Uran zur Bundesgartenschau
Von Ernst-Ludwig von Aster und Anja Schrum

Abraumhalden der Wismut- Bergbaugesellschaft (Bild: AP)
Abraumhalden der Wismut- Bergbaugesellschaft (Bild: AP)
Viele Autofahrer - unterwegs zwischen Glauchau und Gera auf der A 4 - werden verdutzt gucken. Eine der "Pyramiden von Ronneburg" fehlt. Über Jahrzehnte dominierten hier vier Spitzkegel die Landschaft. Jetzt werden sie abgetragen. Millionen Kubikmeter leicht uranhaltiges Gestein verschwinden im angrenzenden Tagebau. Viele Ronneburger hätten die Pyramiden jedoch gerne stehen lassen, denn die Spitzkegel sind nicht nur Wahr- sondern auch Mahnzeichen. Über Jahrzehnte verwüstete hier die SDAG Wismut auf der Suche nach Uran eine ganze Region. Seit 1991 saniert mit Milliardenaufwand das Bundesunternehmen "Wismut" die radioaktiven Altlasten. Rund um Ronneburg entsteht so eine völlig verwandelte Landschaft. Zur Bundesgartenschau im Jahr 2007 sollen die Besucher scharenweise ins rundum sanierte 6500-Seelen-Städtchen kommen ...

Frau: Wir gehen jetzt mal die drei Schritte vor ... zur Bockwiese. Peter, wir gehen mal zur Bockwiese.

Die Mitfünfzigerin schließt die Gartenpforte hinter sich. Geht ein paar Meter am Zaun entlang. Vorbei an einigen Datschen. Bis zu einer Wiese.

Frau: Hier unten ist das Gessental. Und auf der linken Seite war die so genannte Nordhalde, die jetzt zum großen Teil abgetragen ist.

Die Laubenbesitzerin deutet über das grüne Tal hinweg. Auf eine Mondlandschaft. Nackte Erde soweit das Auge reicht.

Frau: Das war eigentlich alles mit Birken bewachsen, wie sie hier sehen, aber die Birke wuchs eben als Wildwuchs auf diesem ganzen, von der Wismut oder vom Uranerzabbau kontaminierten Gelände.

Seit 14 Jahren läuft direkt vor ihrer Datschentür eines der größten Sanierungsprojekte der Welt. Halden werden abgetragen, Tagebaue verfüllt. Die Hinterlassenschaften von 40 Jahren Uranbergbau in Ost-Thüringen beseitigt.

Frau: Es nimmt jetzt Gestalt an, es war streckenartig so, das man es vor Lärm kaum ausgehalten hat, vor Dreck, Staub kann man ja gar nicht sagen, Dreck, kaum ausgehalten hat …

Dreck vor der Datsche. Alltag seit Jahren. Denn hier werden Berge versetzt. Die Nordhalde zum Beispiel in Europas größtes Tagebauloch gekarrt.

Frau: Wahnsinn, die Bagger sahen ja aus wie die Matchboxauto, unten sind die Bussarde rumgeflogen, 200 Mete unter einem, die aber noch 300 Meter über dem Erdboden waren. Also irre, das hat mich damals sehr beeindruckt

Die Mitfünfzigerin lächelt, dreht sich um 180 Grad. Dorthin, wo aus dem gerölligen, Unkraut überwucherten Boden ein paar junge Bäume ragen. Jeder von einem Windschutz ummantelt.

Frau: Arboretum ist schon hier, sehen Sie, die Wipfel dieser Kleinen, das ist der Beginn des Arboretums.

"Großes Arboretum - westlicher Eckpunkt" steht auf einem dreieckigen Schild am Wegesrand. Darunter: Bundesgartenschau 2007 Gera Ronneburg. In drei Jahren sollen hier 83 verschiedene Baumarten wachsen. In einem Lehrgarten.

Frau: Da geht das los. Das ist die Kernzone der BUGA und ab da wird auch Eintritt verlangt. Und da sind wir mittendrin.

Dr. Werner Linsel lenkt die dunkle Mittelklasse-Limousine an den Rand von Ronneburg. Über eine schmale Straße auf einen Feldweg. Vorbei an einem fast verfallenem Rittergut. Dahinter geht es auf ein von Radlader-Spuren zerfurchtes Gelände.

Der Buga-Geschäftsführer steigt aus. Stemmt sich gegen den Wind. Und lässt den Blick über das kahle, von ein paar Wegen durchzogene Plateau schweifen. "Ronneburger Balkon" haben die Buga-Planer die Fläche vor der Ruine des Rittergutes getauft.

Linsel: Das ist an sich der zentrale Platz, auf dem zur Bundesgartenschau Veranstaltungen durchgeführt werden, aber nicht nur zur Bundesgartenschau, sie sehen hier die gepflanzten Bäume, etwa schon 200 auf diesem Areal, die diesem ganzen ein neues Gepräge geben und auch eine dauerhafte Komponente sind.

"Ronneburger Balkon" - der Blick rechtfertigt diesen Namen: Rechts schlängelt sich das grüne Gessental Richtung Gera. Auf der linken Talseite begrenzt von den so genannten "Lichtenberger Kanten". Einen Kilometer lange, 24 Meter hohe, streng geometrische Terrassen. Künstliche, noch kahle Landschaftsstufen, die den scharfen Übergang bilden zu den Sanierungsflächen der Wismut. "Neue Landschaft" heißt dieser Teil der Bundesgartenschau. 124 Hektar ist er groß. Neuland für eine Buga.

Linsel: Also Dimension ist Nummer eins. Nummer zwei ist die Besonderheit dieser Region, wir haben eine Uranerzbergbaufolgelandschaft - so heißt das - die ja zunächst mal ihren Schwierigkeiten entkleidet werden muss. Und das dritte ist natürlich, dass man den Charme, einen Tagebau nach außen kehrt in der Struktur, das sind zum Beispiel diese Bermen und auf der anderen Seite in diese liebliche Landschaft integriert, also die Verbindung von beidem herstellt.

Der Wind fegt über den Ronneburger Balkon. Der Gegensatz könnte härter nicht sein: Hier das weitgehend Natur belassene Gessental, dort die geschundene Bergbau-Landschaft. Erstmals in der über 50-jährigen Geschichte der Buga kooperieren hier auch zwei Städte als Gastgeber: Ronneburg und Gera. Verbunden durch das acht Kilometer lange Gessental. Drei Brücken sollen zur Bundesgartenschau das Tal überspannen. Eine Fußgängerbrücke steht schon.

Linsel: Wir haben gestern die zweite Brücke eingefahren, eine Bahn-Brücke, die die Besonderheit für die Ronneburger darstellt, denn sie öffnet nach 50 Jahren oder nach 40 Jahren den Blick von Ronneburg in das Gessental.

Eine dritte Brücke soll die gewachsenen Hänge des Tales auf der einen Seite mit den aufgeschütteten Halden auf der anderen Seite verbinden. Ein Brückenschlag der besonderen Art: Vom landschaftlichen Raubbau zum Aufbau:

Linsel: Es ist etwas ganz neues und es ist etwas, was vielleicht die zukünftige Entwicklung einer Bundesgartenschau mitbestimmen wird. Und wir gehen davon aus, dass es funktioniert, macht jeder. Das wird natürlich neue Maßstäbe setzen, ich kann mir nur nicht vorstellen, dass es vergleichbare Objekte en masse gibt. Denn das ist ein einmaliges Feld, diese Sanierungsaufgabe, die ja nicht überall da ist.

So, jetzt tun wir etwas für die Sicherheit, damit wir auch gesehen werden mit unserem relativ niedlichen Fahrzeug.

Günter Ackermann beugt sich aus dem Fenster. Befestigt ein orangenes Blinklicht auf dem Dach des kleinen Transporters. Sicherheits-Beleuchtung.

Auf der Gegenspur kriechen riesige Kipper über den schwarzen Abraum. Günter Ackermann biegt nach links, schaltet einen Gang zurück. Steuert den Kleintransporter bergan. Hinauf auf eine der beiden Spitzkegel-Halden Roist.

Ackerman: Joo es war mal eine Pyramide, jetzt ist es mehr ein Kegelstumpf, joha, wie gesagt, die ist um 35 Meter bereits geköpft.

Seit 43 Jahren ist Ackermann bei der Wismut. Heute als Projektleiter "Haldenabtragung" im Sanierungsgebiet Ronneburg. Die ersten 29 Jahre aber arbeitete er unter Tage. Grub dort nach Uranerz, dem Rohstoff für die sowjetischen Atombomben. Im Auftrag der SDAG Wismut, der sowjetisch deutschen Aktiengesellschaft. Bis zur Wende.

Ackermann: Die Wende war schon schlimm für uns. Mit einmal war all das, was wir gemacht haben, alles war Schrott, Teufelszeug. Und da haben wir schon geschluckt. Und als wir dann all unsere Werkstätten eingerissen haben, dann haben wir gedacht, was machen wir für einen Scheiß eigentlich. Na gut und dann haben wir gesehen, hier tut sich doch was und dann haben wir mehr Einblick gehabt. Was wir für einen Radon-Ausstoß wir hatten - und wenn wir jetzt den Grubenbau zu machen …

Ackermann ist stolz auf das, was die Wismut heute hier leistet. Vom Umweltzerstörer zum Sanierungsbeauftragten. Von der sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaft zum Bundesunternehmen mit beschränkter Haftung. Das ist die Karriere der Wismut, die damals wie heute der Landschaft ihren Stempel aufdrückt. Sichtbarstes Zeichen: Die Spitzkegelhalden. Günter Ackermann deutet aus dem Fenster:

Bei 100 Meter Höhe und 37 Grad Steigung - da kam der junge Raupenfahrer, der den Spitzkegel erstmals erklimmen sollte, ganz schön ins Schwitzen, erinnert sich Ackermann. Das war Mitte August dieses Jahres. Der Tag an dem die Wismut mit dem Abtragen der Spitzenkegelhalden, den so genannten "Pyramiden von Ronneburg", begann. Denn pünktlich zur Bundesgartenschau 2007 sollen die Wahrzeichen der Region, die vier Halden Roist und Paitzdorf, im Tagebau Lichtenberg verschwunden sein.

Ackermann: Wir fahren jetzt bereits auf dem verfüllten Tagebau und steuern jetzt bereits den höchsten Punkt an, um uns mal das Restareal des Tagebaus anzuschauen …

Von dem ehemals größten Tagebauloch Europas - Maße: 1,6 Kilometer lang, 900 Meter breit, 240 Meter tief - ist nicht mehr all zu viel übrig.

Ackermann: Wir können jetzt mal einen Blick in den Tagebau von hier aus genießen.

Günter Ackermann stapft an dem Radlader-Reifen vorbei. Bleibt auf einem kleinen, umzäunten Areal stehen. Dahinter geht es steil bergab. 35 Meter. Früher waren es 150. Tag für Tag karrt die Kipperflotte 40.000 Kubikmeter Abraum in den Tagebau Lichtberg. Zehn Millionen Kubikmeter pro Jahr. So wird langsam aber sicher aus dem Loch ein Berg. Der Lichtenberg.

Ackermann: Ein Spitzkegel wird es nicht ganz, aber wir werden die größte Böschungsneigung anstreben, die uns der Standsicherheitsnachweis zulässt. ... Es läuft schon auf einen spitzen Kegel zu, der aber mit einem Stumpf abschließen wird.

Kein neues Wahrzeichen also. Oder vielleicht ein kleines. Von dem aus Günter Ackermann nun - über den ehemaligen Tagebau hinweg - auf das Buga-Gelände blicken kann. "Wir sind Techniker", sagt er. "Die, die die Buga gestalten, sind Architekten, Landschafts-Architekten". Ackermann fügt hinzu: Anfangs waren wir skeptisch, jetzt identifizieren wir uns mit der Buga.

Ackermann: Wir haben schon - letztens hab ich mal reingeschaut - das wird was …

Günter Ackermann lächelt. Steigt wieder in seinen Transporter. Und fährt Richtung Tagebau-Ausgang. Dort muss das Fahrzeug mit Hochdruckstrahlern dekontaminiert werden. Erst dann darf es auf die öffentlichen Straßen. Strahlenschutzvorschrift.
Mach zu, das Fenster, wir würden den Schmutz raustragen. Und damit hätten wir schon ein Problem.

Böhme: Das können wir uns mal anschauen - blättert - blättert - (murmelt) - immer nur unsere Ausschnitte. Das ist die Stadt Ronneburg, hier ist das Gessental.

Manfred Böhme blättert. Im Buga-Master-Plan. Seite für Seite Landschafts- und Gartenplanung. Rund um Ronneburg: Neugestaltung des Stadtparks, Entdeckerturm auf dem Ronneburger Balkon, Erlebnisbrücke, neue Landschaft. Seit der Wende ist Böhme hier Bürgermeister. Und damit oberster Schausteller. Denn ob bei der EXPO oder der Bundesgartenschau, das 5800-Seelen-Örtchen Ronneburg ist dabei:

Böhme: Ich denke, wir haben schon den Anspruch, hier darstellen zu wollen, warum eine Buga ausgerechnet hier und in Ost-Thüringen und in dieser Kleinstadt Ronneburg und nicht eben nur - nächste Buga ist in München, die vorher war in Rostock - in Großstädten stattfindet, sie ist hierher gekommen, weil man letztlich auch unsere Probleme verstanden hat und hier was tun wollte für die Region und ich seh's auch als eine Art Wiedergutmachung an.

Wiedergutmachung. Für den Wismut-Wahn. Das ist die Trumpfkarte des CDU-Politikers. Der Uranabbau zerstörte die Landschaft, die EXPO demonstrierte hier die Sanierung, die Bundesgartenschau soll die Landschaft zum Blühen bringen.

Böhme: Und genau das war auch die Philosophie dieser Planerin, die also für dieses Konzept steht, beides hier zu zeigen. Die ursprüngliche, natürliche, von Gott geschaffene Landschaft und hier drüben, die Ansätze - viel mehr wird ja nicht übrig bleiben - die Ansätze der Vergewaltigung der Natur durch den Menschen.

Die Vergewaltigung der Natur als Ansatz.. "Lichtenberger Kanten" heißt der im Landschaftsplaner-Deutsch. Die alten Fahrwege in den Tagebau im neuen Gewand:

Böhme: Da haben sie diese Serpentinen, diese früheren Fahrtrassen kennen gelernt und jetzt muss man sich vorstellen, man hat den Topf, der die Kanten nach innen hat, nach außen gestülpt, jetzt sind die Kanten, um sie überhaupt zu erhalten auf der nördlichen Flanke, Richtung Gessental nachgestaltet …

Die Kanten der Fahrtrassen von Innen nach Außen gestülpt. Und mit Bäumen bepflanzt. Als Erinnerung an 40 Jahre Uranabbau. Für den Bundesgartenschau-Besucher.

Böhme: Ich sag auch immer, Kunst ist das, was ich nicht erklären muss ...

Und darum er hat auch Zweifel, ob der Lichtenberger-Kanten-Ansatz ausreicht. Als Erinnerung. Und Mahnung. An den Umweltfrevel. Auf der Suche nach dem Uran .

Böhme: Also, der durchschnittliche Besucher wird hier sicher nichts mehr von dem sehen, was er erwartet, alle Halden sind verschwunden, aus den markanten Konturen dieser Spitzkegel ist dieser leicht abgerundete Schildkröten-artige Hügel des Lichtenbergers geworden und es wird wirklich schwer fallen, den uneingeweihten Besuchern klar zu machen, wo eigentlich hier die Brisanz, der Unterschied, das Reizvolle des Gesamtthemas war, das ist ein echtes Problem.

Die Spitzkegel verschwunden, der Tagebau verfüllt, kaum ein Bergwerkschacht noch sichtbar. Dafür Brücken, Blumen, Bäume - für Bürgermeister Böhme zu schön, um wahr zu sein

Böhme: Die kommen in eine dolle Landschaft und sehen nur zum Teil, dass es eine Kunst-Landschaft ist, wenn wir von diesen südlichen Kanten hier ausgehen, es wird schwierig. Und deshalb ist der Wille hier aller, hier muss was geschehen.

Und wo genau, auch da hat sich Bürgermeister Böhme schon seine Gedanken gemacht. Über eine zentrale Wismut-Information. Inmitten der blühenden Landschaften:

Böhme: Wir haben das Angebot unterbreitet im Bereich Rittergut und Balkon eine Informationsstelle zu schaffen, wo man dann sowohl die Historie dieses Bergbaus, also Waffenschmiede des Sozialismus, Uran, Atombombe, Hiroshima usw. mal beleuchtet, wo man in Form von Bildern, Dias oder Filmmaterial zeigt, was sich hier abgespielt hat, wie eigentlich die Bergbaulandschaft 1989 ausgesehen hat …

Doch die Wismut ziert sich. Verweist auf die Rechtslage. Danach darf sie ihre Gelder nur für Sanierungsaufgaben in Sachen Uranbergbau verwenden.

Böhme: Offen ist nach wie vor eine Beteiligung des Bundesunternehmens Wismut an der Bundesgartenschau überhaupt ... es kommt Publikum, es kommt Presse und wir halten es schon für erforderlich, dass ein Unternehmen wie die Wismut, welches in unmittelbarer Nachbarschaft der Buga und teilweise im Buga-Gelände Sanierungen nach wissenschaftlichen Stand der Technik sozusagen praktiziert, hier einen Ausstellungsbeitrag leistet.

Drei Rentner stehen auf der Anhöhe. Blicken über die weite Landschaft. Im Fahrradkorb liegt der Fotoapparat. Links wiegen sich die noch dürren Bäume des Arboretums im Wind, auf der Anhöhe tragen Bagger Erdreich ab. Einige Findlinge liegen in der Landschaft. Über den Sandweg spannt sich ein Gittertor "Betreten verboten". Eltern haften für ihre Kinder, steht auf dem Hinweisschild

Rentner: Nein, findet man sich hier nicht mehr zurecht. B: Obwohl wir hier in der Umgebung wohnen. Das ist recht schwierig. Sehen sie mal dort hinten wo die Bäume stehen, das ist schon einer neuer Weg für die Buga. Und wie das alte mal war, da kommt man nicht mehr mit.

Kopfschütteln bei den Rentnern. Im Minutentakt transportieren die riesigen Kipper ihre Hundert-Tonnenladungen Richtung Tagebau. Die alte Landschaft verschwindet, die neue aber ist noch nicht fertig:

Rentner: A: Schritt für Schritt tut sich schon was hier. B: Die hätten sie stehen lassen können die Halden. als Wahrzeichen des 30-jährigen - oder wie lange geht es - 40-jährigen Bergbaus, obwohl es noch ne Strahlenquelle ist.

Nein, dass nun auch noch die Spitzkegelhalden verschwinden, die Pyramiden von Ronneburg, das wollen sie nicht verstehen. Strahlung hin, Einsturzgefahr her. Für sie wird hier ein Symbol platt gemacht. Das an die Zeit erinnert, als es rund um Ronneburg noch reichlich Arbeit gab. Wenn auch im Uranbergbau …

Rentner: A: Das ist ja unsere Leben gewesen. B: Tausende Menschen haben da ja gearbeitet. Jetzt sitzen sie da und haben keine Arbeit. In diesem Gaunerstaat.


Trotzig blickt er da. 5800 Einwohner, mehr als 20 Prozent Arbeitslose, knapp 35 Prozent Rentner. Das sind heute die Ronneburger Realitäten …

Linsel: Sie werden hier drin wunderschöne Blumenfelder, sie werden Wechselpflanzungen haben. Zum Beispiel an diesen Hängen wird es 40.000 Rosen geben …

Vor seinem inneren Auge sieht Günther Linsel schon die Ronneburger Rosen. Den farbenfroh leuchtenden Abhang. Rund zwei Millionen Besucher, so hofft der Geschäftsführer, werden zur Buga kommen. Die neue Landschaft bevölkern. Zwischen Rosen und Bäumen flanieren. Die bis dahin auf dem kargen Boden Wurzeln geschlagen haben sollen:

Linsel: Das heißt wir haben entsprechend Untersuchungen gemacht, auch mit wissenschaftlichen Instituten, Bodenuntersuchungen und das Ergebnis ist einfach: Es sind sehr große Pflanzgruben entstanden, die mit dem entsprechenden hochwertigen Pflanzmaterial, Humus usw. angefüllt sind, es ist ein Bewässerungssystem drin, wir haben uns schon darauf eingestellt so eine Art neue Landschaft für die Bäume in der Neuen Landschaft zu schaffen …

Neuer Boden für die neuen Bäume in der neuen Landschaft. Einige hundert sind bereits angepflanzt. Alle einige Jahre alt. Aus einer Spezialbaumschule. Stückpreis: um die 2500 Euro. Mit dem Windschutz ummantelt, stehen sie - ordentlich in Reihe gepflanzt - in der neuen Landschaft. In ihren Pflanzgruben mit Humus. Und künstlichem Bewässerungssystem. Etliche tausend Tonnen Mutterboden werden noch nötig sein, um der Landschaft zu neuer Blüte zu verhelfen...

Linsel: ... aber es ist immer ein Neuland. Und ich denke, wir haben jeden Tag neue Anforderungen zu erfüllen. Das ergibt sich schon aus der Situation. Also, wie die Landschaftsgestaltung am Ende aussieht, minutiös, das werden wir am 27.04.2007 erleben.

Frau: Die gießen jeden Tag, aber wenn sie erstmal größer sind, dann geht's. heute waren sie auch schon mit dem Wagen da.

Jeden Tag kurvt der Bewässerungswagen über den Hang. Vor der Haustür der Datschenbesitzerin versorgt er die neuen Bäume mit lebenswichtigem Wasser. 16 Gartenwelten sollen hier am Hang entstehen. Unter verschiedenen Bäumen, aus Asien, Europa, Nordamerika.

Frau: Im Herbst, nehm ich, fangen sie an, das ganze gezielt zu bepflanzen. Und dann ist es grün, zur Buga ist es grün.

Am Horizont schrumpfen die Spitzkegelhalden, wächst dafür der Lichtenberg. Entsteht die neue Landschaft. Bauarbeiten vor dem Fenster, Baumarbeiten vor der Tür. Das ist heute der Alltag. Im Jahr 2007 aber wird ihre Datsche im Herzen des BUGA-Geländes liegen, hat sie ihr Sohn getröstet. Und gesagt:

Frau: Wir sollen dann Eintritt verlangen, bzw. die Zuschauer werden uns mit Bananen füttern (lacht).
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