LänderReport
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1.10.2004
Grenzort Glienicke
Ein Dorf kommt nicht zur Ruhe - Groß-Glienicke
Von Sigrid Hoff

Groß-Glienicke, eine Vorortgemeinde zwischen Berlin-Spandau und Potsdam: Neubausiedlungen neben alten, renovierungsbedürftigen Häusern, am idyllischen Seeufer einige schmuck restaurierte Villen und prunkvolle Neubauten. Ein Teil des Ortes lag im Westen und gehörte zum Bezirk Spandau, ein Teil in der DDR - die Folge eines Gebietstauschs in den 50er Jahren. Bis 1989 wohnten hier vor allem linientreue NVA-Angehörige neben wenigen Einwohnern aus der Vorkriegszeit.

Seit 1990 hat sich die Bevölkerungszahl des kleinen Ortes mehr als verdoppelt, viele Neubürger zogen aus dem Rheinland zu. Die letzten 15 Jahre seit 1989 prägten Rückübertragungsansprüche, Parteiengezänk, Streitereien zwischen Alteingesessenen und Neubürgern. Im Jahr 2003 machte der Ort gleich durch zwei Skandale Schlagzeilen: Unbekannte hatten im Sommer ein DDR-Pestizid an die Bäume am Seeufer gekippt. Im Herbst 2003 schließlich, kurz vor der Kommunalwahl, tauchte ein antisemitisches Flugblatt auf, in dem Anwohner am See als Juden bezeichnet wurden, die angeblich diesen Umweltskandal verursacht hätten. "Dieser Ort kommt nicht zur Ruhe!" sagt ein alter Groß-Glienicker.

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