LänderReport
LänderReport
Montag bis Freitag • 13:05
13.10.2004
Nachgefragt: Projekt Chance
Jugendliche Straftäter auf dem Weg der Besserung?
Von Barbara Roth

Hinter Schloss und Riegel (Bild: AP)
Hinter Schloss und Riegel (Bild: AP)
Die Jugendkriminalität steigt dramatisch an. Aber wie ist der Trend zu stoppen? Baden-Württemberg versucht es seit einem Jahr mit dem "Projekt Chance". Jungendliche Straftäter unterziehen sich dabei einem strengen Erziehungsprogramm. Vorbild ist das US-amerikanischen Vorzeigeprojekt Glenn Mills, wo für junge Kriminelle ein strammes soziales Trainingsprogramm entwickelt worden ist.

Nur jeder dritte Jugendliche wird nach einem solchen Training wieder straffällig, behauptet die Statistik dort. Was in Glenn Mills funktioniert, könnte auch in Deutschland Schule machen. Wer das strenge Programm im Projekt Chance durchsteht, dem winkt am Ende Bewährung und ein Ausbildungsplatz.


Zimmerkontrolle: Den Spiegel habe ich gerade geputzt, aber der sieht nicht so sauber aus, ich weiß. Der Spiegel schaut gut aus. Glänzt gell. Das Waschbecken ist auch akzeptabel. Das glänzt, ne? Das Bett ist nicht in Ordnung, da kann man noch was machen. Der Boden ist sauber, der Tisch ist aufgeräumt. Unterm Bett ist sauber. Okay - ein Abzug gibt es fürs Bett. Das ist eine zwei. Hey, ich kriege jeden Tag Abzüge, das ist ein Scheiß.

Zimmerkontrolle am frühen Morgen. Der Betreuer schaut genau hin, sogar unter die Betten. Tom und Werner teilen sich das Zimmer.

Zimmerkontrolle: Der Tisch ist ordentlich. Aha. Das Bett ist ordentlich. Jetzt schauen wir uns noch den Schrank an. Der Schrank ist sehr ordentlich. Gut. Bei einer solchen Ordnung bleibt einem nichts anderes übrig, als die Eins zu geben.

Die Jungs strahlen, sie freuen sich über die guten Noten. Ein halbes Jahr zuvor wären ihnen so banale Dinge wie ein gemachtes Bett oder ein aufgeräumter Schrank wohl noch egal gewesen. Ein halbes Jahr zuvor knackten sie noch Autos und brüsteten sich als harte Jungs. Im Projekt Chance sind junge Kriminelle untergebracht. Sie sollen sich hier an ein geregeltes Leben gewöhnen - mit ganz alltäglichen Dingen wie Wäsche waschen, aufräumen oder kochen. Sebastian hat an diesen Morgen Küchendienst.

Sebastian: Ich muss den Tisch decken. Da muss ich Butter, Marmelade und so auf den Tisch tun. Dann wieder abräumen und neue Tischdecke drauf tun. Und dann durchfegen, dann spülen, abtrocknen und Küche aufräumen.

Und auch Steffen und Latif erledigen zwischen sechs Uhr morgens und 22 Uhr abends eine Menge Dinge, die sie bisher noch nie gemacht haben:

Steffen/Latif: Halt ein bisschen kochen, das lernt man hier auch. Ein bisschen Kondition aufbauen. Und ordentlich mit den anderen Menschen umzugehen. Eine Woche lang hatte ich Probleme mit diesem Ablauf. Immer joggen und immer arbeiten gehen, dann putzen und spülen und so. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich so was mal bringen werde: spülen und kochen und so. Aber jetzt ist es soweit, dass ich mich daran gewöhnt habe. Und es ist jetzt normal eigentlich, kein Problem.

Die Regeln sind streng: Von morgens bis abends müssen die Jungs sich bewähren: Sie joggen jeden Morgen um sechs gemeinsam durch den Wald und drücken danach die Schulbank. Sie putzen, auch die Toiletten. Und sie renovieren das alte Kloster, in dem sie untergebracht sind. Jeden Abend gibt es dann Noten von den Betreuern: Nicht nur Sauberkeit und Ordnung zählen, auch Pünktlichkeit, Sportsgeist, positive Impulse für die Gruppe und Arbeitstempo fließen in die Bewertung ein. Das Prinzip ist einfach: Wer sich an Spielregeln hält, wird belohnt: Darf beispielsweise morgens länger ausschlafen oder am Samstagabend in der Gruppe auch mal ausgehen. Und wer sich besonders bemüht, darf am Wochenende sogar die Freundin besuchen. An Spielregeln hat sich Latif zuhause nie halten müssen.

Latif: Ich habe noch nie in meinem Leben gearbeitet. Ich habe noch nie was gemacht. Ich sage: Papa gib mir Geld. Papa gibt mir Geld. Ich sage: Papa ich gehen dahin. Papa sagt okay. Ich habe alles bekommen, was ich wollte.

In seinem türkischen Elternhaus in einer Kleinstadt im südlichen Baden-Württemberg ging es Latif gut - zu gut vielleicht. Seine kriminelle Karriere begann mit 13: Latif trieb sich mit Jungs herum, wesentlich älter als er. Er nahm Drogen und genoss einen zweifelhaften Ruf als brutaler Schläger.

Latif: Mit 13 bin ich mit Älteren rum gehangen. Die waren alle 18 oder 19. Die haben gesagt, geh, mach den dumm an, dann kommen wir. Habe ich den dumm angemacht, die haben den zusammengeschlagen und haben alles auf mich geschoben. Dann habe ich Leute angeschaut, die haben mich angeschaut, dann habe ich gesagt: Schau weg oder ich schlage dich zusammen. Und wenn sie dann weiter geschaut haben, dann habe ich sie zusammengeschlagen. Ich habe mich daran gewöhnt. Und es passierte immer mehr.

Mehrmals nahm er auf Weisung des Jugendrichters an so genannten Anti-Aggressions-Kursen teil - doch Latif schlug immer wieder zu. Heute ist Latif 17. In seiner Akte sind bereits 32 Straftaten vermerkt. Nach zwei schweren Körperverletzungen wurde er schließlich zu einer Haftstrafe verurteilt. Im Sommer 2003 landete er in der Jugendstrafvollzugsanstalt Adelsheim.

Latif: Im Knast kannst du nichts. Du hast einen Beamten, der macht auf, der macht zu. Du hast Probleme, du kannst dich bei ihm nicht ausreden. Du sitzt deine Zeit ab, dann kommst du raus und du machst gleich wieder Scheiße. Und dann bist du wieder bald drin. Wer ein Mal rausgeht, kommt meistens wieder rein.

Im Gefängnis geht es brutal zu. Die jungen Kriminellen haben Banden gebildet, die einander bekämpfen, zusammenschlagen, bestellen. Die Hackordnung bestimmt, wer die stärkeren Muskeln und das größere Mundwerk hat. Wer sich nicht durchsetzen kann, wird unterdrückt, erzählt Latif. Und auch für Steffen, einen pickligen pubertierenden 15-Jährigen, waren die Wochen im Jugendgefängnis der reinste Horror.

Steffen: Ich war in Adelsheim ein Monat. Das ist mein erstes Mal in Haft. Es war wirklich schlimm dort. Da war einer, der hat gemeint, er muss mich anmucken. Er war auch nur 15. Dann gab es eine Schlägerei, weil er gemeint hat, er müsse mich abzocken. Und da lernt man schon einiges, wo man zuvor nicht weiß.

Zwischen acht Monaten und 2½ Jahren Haft haben die Jungs jeweils aufgebrummt bekommen. Ihre Delikte: Diebstahl, Drogenhandel, Körperverletzung, Fahren ohne Führerschein - all das im zarten Alter von nur 14, 15 oder 16 Jahren.
Fährt der Jugendliche ins Gefängnis ein, sitzt er die erste Woche allein in einer Zelle. Neun Quadratmeter groß, mit Bett, Tisch, Stuhl, Schrank - mehr nicht. Ohne Fernsehgerät, ohne Radio, ohne Zeitschriften, ohne Bücher. Das sei so gewollt, erklärt der Leiter der Jugendstrafanstalt, Joachim Walter: die Jungs sollen ins Grübeln kommen:

Joachim Walter: Eine hinreichende persönliche Erfahrung des Geschlossensein, des Zurückgeworfensein auf sich selber, die hat er spätestens nach einer Woche - sozusagen den Inhaftierungsschock. Jetzt besteht sogar die Gefahr, dass er relativ schnell in einen Normal-Trott hinein kommt, das heißt, genau diese Situation, in der er erschüttert ist in seiner Selbstgewissheit, in der er vorerst mal auf Null gebracht ist, dass er die recht schnell überwindet, und dann womöglich mit den Umständen arrangiert.

Deshalb pickt der Anstaltsleiter sich recht schnell die Jungs heraus, die er für das Projekt Chance für geeignet hält. Den brutalen Schläger etwa, der nach einer Woche in Haft wie ein heulendes Elend vor ihm sitzt. David, heute 18 Jahre alt, ist es so ergangen:

David: Mich hat es angekotzt die Zelle, nur die Zelle zu sehen. Und immer die gleichen Schriften in der Zelle. Und irgendwann schaltest du ab und denkst dann, warum bin ich hier überhaupt rein gekommen. Was hat es für einen Hintergrund, dass ich hier rein gekommen bin, das hätte nicht sein müssen. Und wenn du so anfängst zu überlegen, dann fängst du an zu überlegen, was du machen kannst, was du mit deinem Leben noch anfangen kannst.

Diesen Jungs erzählt der Anstaltsleiter vom Projekt Chance. Vom Strafinternat ohne Zellentür, dafür mit strengen Regeln.
Joachim Walter ist froh, wenn er die 15 bis 18-Jährigen nicht bei sich in Adelsheim behalten muss. Weit über 500 Insassen zählt die Jugendstrafanstalt; in Wirklichkeit sind nur 25 Prozent davon unter 18 Jahre alt. In Adelsheim dominiert die Gruppe der 18 bis 23-Jährigen; denn so genannte Heranwachsende werden immer häufiger nach Jugendstrafrecht verurteilt. Sie bestimmen dann Hierarchie und Hackordnung im Knast. Das Problem: Vor den Einflüssen der Älteren, räumt Walter ein, kann er die Jugendlichen nicht schützen. Experten sprechen von Subkultur, ein gefährlicher Nährboden in jedem Gefängnis:

Joachim Walter: Subkultur heißt, dass er sich an den subkulturellen Regeln orientiert, die zum Beispiel lauten, das man sich an allgemeingültige Vorschriften nur dann hält, wenn unmittelbare Kontrolle droht, dass man alles an offiziellen Vorschriften zu unterlaufen versucht, dass man sozusagen nichts von sich aus macht.

Die Folgen lassen sich an der Rückfallquote ablesen, die mit über 50 Prozent bei den unter 18-Jährigen erschreckend hoch ist. Ulrich Goll - Justizminister in Baden-Württemberg - suchte deshalb nach Alternativen. Und wurde fündig im amerikanischen Vorzeigeprojekt Glenn Mills, wo für junge Kriminelle ein strammes soziales Trainingsprogramm entwickelt worden ist. Nur jeder dritte Jugendliche werde nach einem solchen straffen Erziehungstraining wieder straffällig, behauptet dort die Statistik. Was in den USA funktioniert, könnte auch in Deutschland Schule machen, glaubt Goll.

Goll: Es gibt schon Jugendliche, bei denen man ganz deutlich sieht, das hätte anders laufen können, wenn man sich um die mal gekümmert hätte. Da ist eigentlich ein Kern vorhanden, stellt man fest, damit die wieder ordentliche Menschen werden und Mitglieder der Gesellschaft, aber man hat sie falsch behandelt. Und bei dieser Gruppe wollen wir einfach nochmals deutlich machen, die Formel: Wir geben dir sozusagen die Hand, um dich in die Gesellschaft zurückzuziehen. Aber du musst etwas dafür tun.

Martin sitzt im Auto von Thomas Trapper. Der Pädagoge leitet das Projekt Chance im Auftrag des Justizministeriums. Martin hat seine Chance erhalten. Er durfte das Jugendgefängnis in Adelsheim verlassen. Trapper hat ihn abgeholt. Nun sind sie auf den Weg nach Creglingen-Frauental, wo das Projekt in einem ehemaligen Kloster einquartiert ist. Martin, 16 Jahre alt, hat ein mulmiges Gefühl, das sieht man ihm an. Deshalb hat Trapper Simon mitgenommen, der bereits seit einem dreiviertel Jahr im Projekt ist.

Martin und Simon: Wie ist es mit Fernsehgucken oder so? Mittwochs, wir haben so ein kleines Heimkino und einen DVD-Player, da können wir DVDs gucken. Und am Wochenende auch. Und wenn man Fernsehgucken will, dann hat man die Möglichkeit, dass man hinten im Tutorenraum in seiner Freizeit ein, zwei Stunden arbeitet, Wände frei klopft mit dem Hammer, dass die Steine hervorkommen. Für das, dass man geklopft hat ein, zwei Stunden, darfst du Fernsehgucken. Das ist eine Belohnung, die musst du dir verdienen sozusagen.

Martin schluckt. In Adelsheim war es weit bequemer. Da lief die Klotze bei ihm auf der Zelle den ganzen Tag. Vier schwere Wochen stehen ihm bevor. Vier Wochen lang ist er so genannter Kandidat. Das heißt, er steht unter ständiger Beobachtung, und muss sich die kleinsten Freiheiten erst mal verdienen. Ein Beispiel: Darf er die ersten vier Wochen nicht alleine nach draußen zum Rauchen gehen. Von Simon erfährt er auch, dass er gleich zum Hausputz eingeteilt ist. Peanuts, meint Martin, das bisschen Putzen, das schaffe er schon. Simon lacht und erklärt, das Kloster habe 35 Zimmer.

Martin und Simon: Der andere hat gesagt, dass du da im Prinzip fast überhaupt keine Freiheit hast in dem Projekt. Dass du eigentlich den ganzen Tag am arbeiten bist und nur rum rennst und praktisch nicht zur Ruhe kommst. Du hast halt einen geregelten Tagesablauf, der geht bis acht oder halb acht, je nachdem wie du mit deinen Diensten fertig wirst. Dann hast du normale Freizeit. Mit uns Jugendlichen kannst du Fußball spielen, Tischtennis, Billiard und es werden auch Freizeitangebote gemacht. Ich weiß nicht, wenn das so in Stress ausartet, dann werde ich ziemlich schnell genervt.

Trapper hört zu und schweigt. Später unter vier Augen meint er, mit Martin werde es nicht einfach werden. Zum Einstieg ins Projekt muss der 16-Jährige acht Versprechen unterschrieben. Zum Beispiel: Ich respektiere mein Eigentum. Und das der anderen. Ich bringe mich aktiv und positiv in die Gruppe ein. Ich begegne anderen höflich und mit Achtung. Unter den acht Versprechen steht der Satz: Ich bin mir bewusst, dass ich bei Regelverstoß mit Konsequenzen bis hin zur Rückführung in die JVA Adelsheim zu rechnen habe.

Martin: Weil ich das praktisch als meine letzte Chance sehe, damit ich noch irgendwas auf die Reihe kriege, damit ich nicht komplett kriminell abstürze. Deswegen eigentlich. Und das ich meinen Hauptschulabschluss hinkriege. Endlich mal, denn aus der Hauptschule haben sie mich immer rausgeschmissen.

70 Kilometer von Adelsheim entfernt gibt es keine vergitterten Fenster. Vögel zwitschern. Im Klosterhof steht eine alte Linde. Es riecht nach Kuhstall. Es ist eine Gegend, wo sich Fuchs und Hase sprichwörtlich Gute Nacht sagen. Am Rande des Dorfes steht ein ehemaliges Kloster. Die Gebäude sind alt, heruntergekommen, teils baufällig - hier ist das Projekt Chance vor einem Jahr eingezogen. Seitdem hat sich viel getan.

David: Das ist die Außenanlage von der Schule, das haben alles Jugendliche von uns gemacht. Den Pflasterweg habe ich zum Beispiel gepflastert. Das ist ein Rollrasen, den wir hier gelegt haben. Das hier war ein Steinmetz-Projekt, da ist ein Steinmetz gekommen, der hat mit uns Jugendlichen von uns die Treppe geschlagen und den Rahmen geschlagen. Das habe ich gepflastert und das Mosaik habe auch ich gelegt.

David strahlt über das ganze Gesicht. Er zeigt dem Besuch jeden Winkel, selbst auf die Toilette führt er einen, und erläutert jedes noch so kleine Detail. David ist stolz. Zu Recht. Denn vor einem Jahr war das kleine Haus noch eine Ruine. Monatelang war gehämmert, gemauert, verputzt und gestrichen worden - heute ist das Gebäude ein Schmuckstück.

David: Das ist unser Pausenraum. Die Jungs haben gemauert und verputzt. Beim Versputzen war ich ziemlich viel dabei. Das ist eine Stuckdecke 17 Jahrhundert. Hier war Stroh drunter. Unter dem Stroh haben wir das Muster und die Farbe gefunden. Und haben es genauso nachgemacht.

David steht im Klassenzimmer, das er nicht nur selbst mit ausgebaut hat. In diesem Raum hat er inzwischen auch die Schulbank gedrückt und die Hauptschule beendet. Mit glänzenden Noten.

David: Meine Eltern sind sehr stolz auf mich. Weil ich das erste Mal was durchgezogen habe.

David hat es geschafft. Bei ihm, ist Thomas Trapper sicher, zeigt das strenge Erziehungsprogramm Wirkung. Der 18-Jährige hat sich nach acht Monaten im Projekt in die Gruppe eingefügt, er hält sich an die Regeln und er macht aktiv mit. Trapper und sein Betreuerteam führen ein strenges Regiment: eine Null-Bock-Einstellung wird nicht akzeptiert. Wer sich der Gruppe verweigert, nicht mitarbeitet - oder sogar abhaut - hat seine Chance vertan, den fährt Trapper höchstpersönlich in den Knast zurück. Mehrmals war das bereits der Fall.

Trapper: Die Jugendlichen haben weitgehend entgrenzt gelebt. Und wir müssen mit dem Programm etwas nachholen, was über Jahre die Jugendlichen so nicht erfahren haben: Das es Grenzen gibt. Und dass tatsächlich jemand schaut, dass diese Grenzen eingehalten werden.

Sie kämpfen um gute Noten, sie bemühen sich um Ordnung, sie lernen einen Acht-Stunden-Tag auf der Baustelle oder in der Werkstatt durchzustehen. Leicht fällt ihnen das Programm nicht, doch kleine Erfolge motivieren sie:

Jungs: Irgendwann bist du soweit, dass du Ausgänge bekommst und so. Weil du musst was bringen, um was zu kriegen. Du musst dich an die Regeln halten, dann bekommst du auch Gutes dafür. Für mich ist das der Traum, zum Beispiel an meiner Freundin ihrem Geburtstag zu ihr zu gehen. Guck mal, wenn das alles so einfach wäre, dann würde sich keiner Mühe geben. Es muss eine Herausforderung da sein, um etwas zu schaffen. Und hier lernt man es, es auch zu schaffen. Dass du dir Mühe gibt, Ein Ziel zu haben und das auch durchzusetzen und was zu erreichen. Mein Plan ist rauszukommen. Realabschluss machen und dann kaufmännischer Bereich irgendwas.

Wer das strenge Programm durchsteht, dem winkt am Ende Bewährung und ein Ausbildungsplatz. Die ersten fünf Jungs haben ihre Zeit im Projekt Chance bereits hinter sich. Drei machen heute eine Ausbildung. Keiner der Fünf ist bislang wieder straffällig geworden. Projektleiter Thomas Trapper zieht eine positive Bilanz:

Trapper: Wir haben nur eine Chance, wenn die Jugendlichen selbst anfangen an sich zu glauben, an ihre Möglichkeiten zu glauben und an sich zu arbeiten. Wir möchten, dass die Jugendlichen, wenn sie uns verlassen, in der Lage sind eine Berufsausbildung aufzunehmen. Die auch durchzustehen. Und auch den Wert einer Berufsausbildung, einer Arbeit kennen.

David ist der nächste, der gehen darf. Ende des Monats wird er das Projekt verlassen, nach Hause zu seinen Eltern gehen. Vorgenommen hat er sich einiges:

David: Die Ausbildung auf jeden Fall. Als Stuckateur. Und wenn ich das habe, dann kann ich sagen, also mein Leben hat ein Einsatz.


-> LänderReport
-> weitere Beiträge