LänderReport
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21.10.2004
Der Völkerstreit
Zwei Stämme, zwei Landesteile
Von Barbara Roth

Noch heute, über 30 Jahre nach Bildung der Doppelstadt, sind viele Ressentiments zwischen den beiden Volksgruppen, den schaffigen Württembergern und den lebensfrohen Badenern, nicht ausgeräumt. Diesen Eindruck hatte jedenfalls unsere Korrespondentin Barbara Roth, die sich vor Ort umgehört und Geschichten wie diese kabelte: 30 Jahre dauerte auch die Diskussion im Gemeinderat um ein gemeinsames Stadtwappen, da keiner der Stadtteile sein Wappentier missen wollte. Er endete mit einem Kompromiss: Der Schwenninger Schwan und der Villinger Adler blicken sich nun an - und strecken sich die Zunge raus.

Ein Schwenninger kommt in Villingen in einen Laden und sagt, ich hätte gerne 100 Gramm Lyonerwurst. Sagt die Verkäufern, gell sie sind aus Schwenningen. Woher wissen Sie das? Ha, das hört man am Schwätzen. Dann hat der Schwenninger gedacht, warte nur, dich kriege ich dran. Hat ein Sprachkurs gemacht, ein Viertel Jahr lang, hat perfekt Hochdeutsch können. Und kommt wieder in den Laden und sagt, ich hätte gerne 100 Gramm Lyonerwurst geschnitten. Dann hat die Verkäuferin gesagt, gell, sie sind von Schwenninger. Hat er gesagt, woher wollen Sie das wissen. Hat sie gesagt, Du bist in einem Schuhladen, du Simpel.

Witze über Schwenninger, in Villingen-Schwenningen kursieren derer viele. Erzählt von den Villingern. Erzählt von Badenern über Württemberger, über Schwaben. Die Villinger - das sind die Badener. Die Schwenninger - das sind die Württemberger. Und die Badener und die Württemberger, die mögen sich nicht sonderlich leiden. Vor allem in Villingen-Schwenningen nicht, wo Badener und Württemberger über die alte Landesgrenze hinweg in einer Stadt vereint worden sind.
Bärbel Brüderle, die den Witz zum Besten gab, stammt aus Villingen. Renate Krüger aus Schwenningen.

Krüger: Also jetzt muss ich doch die Schwenninger ein bisschen verteidigen. So blöd, wie die Witze die Schwenninger hinstellen, also können die Schwenninger gar nicht sein, weil wir haben ja schließlich die Polizeifachhochschule, die Fachhochschule von Furtwangen die Außenstelle. Wir sind ja fast eine halbe Universitätsstadt, also so blöd können die Schwenninger gar nicht sein wie ihr es jetzt hinstellen wollt.
Brüderle: Aber guck doch mal, wer auf dieser Schule ist. Krüger: Auch Schwenninger. Gelächter.

Der Völkerstreit im Kleinen. Der Unterschied zwischen den Württembergern und den Badenern fängt schon bei der viel zitierten schwäbischen Kehrwoche an, die die Badener so nicht kennen - und hört beim Tagesgruß auf, der nur im württembergischen Teil mit der Aufforderung "Grüß Gott" zu hören ist.
Eine "Liebesheirat" war es nicht. Damals, als das württembergische Schwenningen und badische Villingen der puren Vernunft wegen zu Villingen-Schwenningen fusionieren mussten. Die Villinger, erzählt Bärbel Brüderle, fürchten von den Schwaben dominiert, gar untergebuttert zu werden.

Brüderle: Ich glaube sogar, so im Hintergrund hat man als Villinger ein wenig Angst gebaut, die Schwenninger sind Schwaben und die können besser rechnen. Und sind ein wenig schneller und die sind dann also vorne dran am Napf, nehmen sich das meiste weg sozusagen.
Krüger: Und die Realität hat dann ja gezeigt, dass es gerade anders rum ist.
Brüderle: Haha.
Krüger: Ha, man sieht es ja an der neuen Tonhalle. Wir haben müssen schaffen und bald auf die Barrikade gehen müssen, dass wir unser Beethovenhaus umgebaut kriegen. Und die Villinger, die kriegen eine neue Tonhalle hingestellt.


Brüderle: Ja aber man muss mal sehen, was sonst noch alles in Schwenningen entstanden ist.
Krüger: In Villingen noch viel mehr.

Kontert Renate Krüger aus Schwenningen.
Lokale Eifersüchteleien. Voller Neid wird stets kommentiert, was im jeweils anderen Stadtteil Neues entsteht.
Eifersüchteleien, die dem neutralen Betrachter auch auf Landesebene nicht fremd sind. Wehe der Landesregierung, wenn sie den badischen Landesteil scheinbar vernachlässigt. Ein Euro mehr nach Stuttgart als nach Karlsruhe, und schon kocht die badische Volks-Seele hoch. Der Rache der Badener sind Schwaben-Witze.
Die langsame, die nasale Aussprache der Schwenninger eignet sich dafür besonders gut.

Mir haben sehr viele Worte, im Gegensatz zu der Villinger Mundart, wo nasal gesprochen wird. Naht oder her. Mit Villingen, wenn wir wollen Schwenninger nachmachen, dann tun wir auch übertrieben. Gelächter. Dann tun wir bewusst fast jedes Wort durch die Nase schwätze, und dann sagen wir, so schwätzen die Schwenninger. Satire oder so, das lebt ja von der Übertreibung. Das ist auch wieder wahr. Man muss dazu sagen, wir haben es in dem Fall wirklich leichter, denn dieses Nasale, das lässt sich also tatsächlich auch ein wenig veräppeln.

Umgekehrt sind keine Witze bekannt, die Württemberger über Badener erzählen.
Eine Frage der Mentalität wohl. Dem Schwaben sagt man nach, er sei bedächtig (behäbig) und sparsam, aber doch nie zufrieden mit dem, was er hat. Während es der Badener lockerer nimmt; er gilt als weltoffen und lebensfroh.
Unterschiede, die in der am südlichen Randes des Mittleren Schwarzwaldes gelegenen Stadt täglich gelebt und erlebt werden. Nicht nur hörbar beim Dialekt. Die Villingerin über die Schwaben:

Ich finde Schwenninger unwahrscheinlich leutselig. Ich weiß nicht, ob sie mir das zubilligen, aber ich empfinde es so. Da kommt man fast nicht weg, man kommt zum schwätzen, man schwätzt zehn Minuten, man schwätzt eine Viertelstunde, man kommt fast nicht weiter. Man findet es auch sehr nett und interessant, einfach, die gehen auf einen zu. Also ich kann nur sagen, für mich sind Schwenninger freundliche Menschen.

Weniger schmeichelhaft die Schwenningerin über die Badener:

Der Villinger weiß, wie er zu seinem Geld kommt. Und wie er kriegt, was er will. Das sieht man bei den Wahlen. Der Villinger, der sagt, ich will das und das und drum gehe ich wählen. Und der Schwenninger sagt, ach was, was soll ich wählen gehen, es gewinnen ja doch die anderen. Der Schwenninger hat immer geduldet. Und Villinger haben sich immer gewehrt.

Besonders heftig gegen die Fusion der beiden Kommunen, die im Zuge der Gemeindereform per Sondergesetz des baden-württembergischen Landtags beschlossen worden war. Als mutige und richtungsweisende Entscheidung wurde die Städtefusion damals in der fernen Landeshauptstadt bejubelt. Das Bundesland Baden-Württemberg, so hieß es in Stuttgart, werde ja durch solche, mit der Überschreitung der alten Landesgrenze verbundene Zusammenschlüsse erst richtig gegründet.

Mit Böllerschüssen begrüßte das Historische Grenadierkorps Villingen das neue Jahr und die neue gemeinsame Stadt. 15.000 Luftballons stiegen in die Luft, 2000 Bockwürste und 100 Liter Schnaps wurden spendiert - die bis dato eigenständigen Städte Villingen und Schwenningen besiegelten am Neujahrstag 72 die Vernunftehe. Einige hundert Bürger hatten sich vor den beiden Rathäusern versammelt. Doch von jubelnder Begeisterung war nichts zu spüren, notierte damals der Zeitungs-Redakteur des Südkuriers: in Villingen noch weniger als in Schwenningen.

Zur Mittagszeit sollten in der ganzen Stadt die Kirchenglocken läuten. Im Villinger Münster aber waren es nur zwei der zehn Glocken; in der Villinger Benediktinerkirche läutete keine einzige. Bis heute unbekannte Täter hatten in der Nacht die Stromleitungen gekappt. Die Fusionsgegner schlugen immer wieder zu: In der Neujahrsnacht ein Jahr später luden sie vor dem Rathaus einen stinkenden Misthaufen ab.
Die Gegner saßen übrigens nur im badischen Villingen. Etwa die Villinger Spiedelsänger:

Liebe Leut' nun lasset hörn, Villingen gibt's bald mehr. Tausend Jahr ist sie alt und verschwindet bald. Waren es Schweden und Franzosen, die früher zum Angriff geblasen. Wir mit viel Mut das Tor verstopft und die Kerle geklopft. Jessesgott, man darf ja nicht dran denken, denn wir sollen - ist furchtbar - bald Württemberger sein. Früher haben sie Heidelbeeren gestohlen, und jetzt gemeinden sie als Vorort von Schwenningen uns ein. Jessesgott, man darf ja nicht dran denken, dass die das schwäbische Bähnle in unsere Stadt fährt ein. Und die Villinger Führungsköpfe, die hängen mit dem Strick bald mit dem Strick an dem berühmten Hinterwagen drein. Applaus - ausblenden.

Dicke Freunde waren sie nie, die Katholiken im badischen Villingen und die Protestanten im württembergischen Schwenningen. Auch die Geschichtsschreibung weiß von einigen Ereignissen zu berichten, in denen die Nachbarorte wenig friedlich aufeinander getroffen sind: Etwa im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges, als die Villinger den Schwenningern eine Glocke raubten.
Den Boden für die Städtefusion bereiteten damals vor allem die beiden Oberbürgermeister, Severin Kern (CDU), aus Villingen und Gerhard Gebauer (SPD), aus Schwenningen. Beide waren engagierte Verfechter der gemeinsamen Stadt, Kern gegen Widerstand aus der eigenen Partei. Was beide freilich nicht daran hinderte, auch mal öffentlich gegen den historischen Feind vor der Haustür zu sticheln.

Die Württemberger haben uns oft belagert im Verlaufe unserer Geschichte, das wirkt auch noch etwas nach. Mitunter muss der Bürgermeister in Villingen, wenn er nach Schwenningen will oder nach Hinter-Villingen, muss er wohl vorher um sicheres Geleit nachsuchen. In Schwenningen weiß jedes Kind auf der Strasse, dass uns die Villinger in früheren Jahrhunderten oft gebrandschatzt haben, dass man uns im Bauernkrieg unsere Glocke gestohlen hat.

Der Widerstand der Fusionsgegner blieb ohne Erfolg.
In einer Abstimmung entschieden sich die Bürger für eine gemeinsame Stadt. Das Ergebnis: 64 Prozent Ja-Stimmen in Villingen; 78 Prozent in Schwenningen. Blieb nur noch die Frage zu klären, wie die Stadt heißen soll. Kuriose Vorschläge gab es viele:

Württ-Badingen, ich sollt halt auch eine Brille haben. Schwevillingen. Filbingen jessesno. Allemaningen das ging. Schaffingen. Schwangvillingia. Schwangvillgia - dann wandere ich aus.

Wer allerdings aus einem Flugzeug auf Villingen-Schwenningen herabblickt, für den ist es nur schwer vorstellbar, eine gemeinsame Stadt unter sich zu haben. Zwischen den Stadtteilen zieht heute noch sich ein breiter grüner Streifen durch - der frühere Grenzverlauf zwischen Baden und Württemberg. Über diese sanfte Hügelkette ist so mancher Bürger nicht unglücklich. Auch heute noch. Verwehren sie doch den direkten Blickkontakt zwischen Badenern und Württembergern. Und auch am Stadtbild sind die Unterschiede sehr gut ablesbar: Auf der einen Seite die traditionsreiche Zähringerstadt Villingen mit einer wunderschönen Altstadt. Auf der anderen Seite Schwenningen, ein planlos gewachsener Industrieort, der lange Jahre als größtes Dorf Württembergs verspottet worden war.
Es fehlt eine gemeinsame City. Villingen-Schwenningen, das sind zwei Städte in einer Stadt. Eine gemeinsame Identität - Fehlanzeige.

Ich bin eine Villingerin. Ha, weil ich in Villingen geboren bin, da war Schwenningen noch nicht da. Ich bin eine Schwenningerin. Ha, da bin geboren und da wohne ich. Und da geht man nur nach Villingen, wenn man muss. Die sind sich nicht so grün, eigentlich. Bei den Alten wird das immer so sein. Weil die Villinger sind Beamte und die Schwenninger sind Arbeiter. Im Grund genommen sind die Städte nicht zusammengewachsen. Insofern hätte man sie nicht brauchen zusammenschließen. Es hat sich eigentlich nichts groß getan. Das ist wohl ein Problem, was tiefer liegt. Die Schwenninger sind Württemberger, die Villinger sind Badener. Und das mag für jemand, der von außerhalb kommt zwar lächerlich erscheinen, aber es ist doch von Bedeutung. Es sind Mentalitätsunterschiede.

Natürlich werden die Grabenkämpfe heute nur noch verbal geschlagen, besonders leidenschaftlich während der Fasnet. Wenn die Narren los sind, liegen zwischen dem katholischen Villingen und dem evangelischen-pietistischen Schwenningen nicht nur sechs Kilometer - sondern Welten. Denn dann bleibt Schwenningen für die Badener traditionell närrisches Sperrgebiet.
Allerdings sagen die Badener nicht nur an der Fasnet laut, was sie über die Schwaben denken:

Geizig und müssen immer Kehrwoche machen. Autowaschen am Samstag. Die müssen viel Spätzle essen. Was kann man von den Schwaben sagen, die schaffen, Badener denken. Badener sind gebildet und haben Kultur. Schwaben, die wissen nur eines schaffe, schaffe, sparen und dann hat es sich bei ihnen. Da kann ich ihnen sagen, dass die Schwaben uns immer etwas übervorteilen. So haben wir den Eindruck. Wir werden immer etwas vergessen. Früher hat man ja geglaubt, wenn der Südweststaat kommt, dann wird das aufhören. Aber es sind noch immer Ressentiments noch kleine da. Bitte nicht alle Schwaben sind Pietisten, doch alle Schwaben sind zweifellos Schaffer. Wir sind vielleicht etwas lässiger fleißig.

Und umgekehrt? Schwaben über Badener:

Die Badener sagen immer, es gibt badische und unsympathische. Und die Württemberger sagen immer, es gibt sympathische und badische. Die sind unsympathisch. Die labern uns immer voll, die bringen es immer so rüber, dass sie eifersüchtig sind. Bloß der Dialekt ein bisschen, ansonsten sind die wie wir auch. Sture gibt es überall. Wenn ich natürlich heute sehe, wie die Villinger das Badener-Lied singen mit Hand aufs Herz und so weiter, das stört mich natürlich schon etwas. Eine gewisse Toleranz ist vielleicht einfach das wichtigste in der heutigen Zeit, würde ich sagen.

Das alte Badener-Lied ist populärer denn je. Zumal es an einer, von allen Volksstämmen akzeptierten gemeinsamen Landeshymne noch immer fehlt.

30 Jahre nach Gründung der gemeinsamen Stadt präsentiert sich Villingen-Schwenningen wenig einheitlich. Selbst beim Blick ins Telefonbuch. Ein Telefongespräch von Villingen nach Schwenningen oder umgekehrt ist nach wie vor ein Ferngespräch, denn jeder Stadtteil hat seine eigene Vorwahlnummer - heute noch.

Auch das Vereinsregister zeigt Trennendes: Die meisten Vereine sind doppelt vorhanden. Sportvereine beispielsweise, von denen es in der Stadt 95 gibt. Rund 27.000 Mitglieder zählen diese Vereine insgesamt; das heißt, jeder dritte Einwohner treibt hier Sport. Doch leider treffen die Clubs so gut wie nie aufeinander, denn Schwenningen gehört zum württembergischen Landessportbund mit Sitz in Stuttgart und Villingen zum südbadischen Sportbund mit Sitz in Freiburg. Worunter laut Joachm Porsch vom BSV Schwenningen vor allem die Fußballer leiden, die sonntags zum Spiel nach Ulm oder Ludwigsburg reisen - nie aber nach Villingen:

Es ist immer noch so, seit 30 Jahren ist es so, dass wir in Württemberg unser eigenes Süppchen kochen und leider nie die Gelegenheit haben, den badischen Vereinen, die ja im Südbadischen Verband organisiert sind, das Fell über die Ohren zu ziehen. Insbesondere bei Derbys. Das fängt schon an bei Jugendmannschaften. Wir haben hier nicht die Gelegenheit zum Beispiel. Spielgemeinschaften zu bilden in irgendeiner Form; was eigentlich perfekt wäre; alles wäre erreichbar mit dem Bus und die Eltern müssten nicht immer mit dem Auto fahren. Totaler Quatsch, dass man das so händelt.

Villingen-Schwenningen bleibt geteilt in sportlicher Hinsicht. Ein absurder Zustand, an dem sich - trotz aller Mahnungen - nichts geändert hat, denn keiner der Sportverbände auf Landesebene will Macht und Einfluss abgeben.

Es gibt nur ein einziges Mal im Jahr ein offizielle, Verbandsgrenzen überschreitendes Sportereignis, das ist der Stadtpokal im Fußball, wo württembergische und badische Fußballvereine aufeinander treffen.

Dass unter diesen Voraussetzungen die beiden Stadtteile nicht zusammenwachsen, sei doch nicht verwunderlich, bedauert Walter Kluß vom Sportamt Villingen-Schwenninen Wie lange die Sportgrenze in der Stadt noch bestehen wird, das steht in den Sternen.

Ob ich das während meiner Amtszeit noch erlebe, das lassen wir mal dahingestellt. Ich darf noch 18 Jahre arbeiten.

Vor 30 Jahren war Villingen-Schwenningen im fernen Stuttgart als schwäbisch-badische Musterstadt bejubelt worden. Eine Musterstadt zu sein, lohnte sich immer auch finanziell. Mindestens 270 Millionen Euro, so die Zahl aus dem Staatsministerium in Stuttgart, sind seit 1972 nach Villingen-Schwenningen geflossen, weit mehr als in jede andere vergleichbar große baden-württembergische Kommune.
Wohl auch ein Grund dafür, dass - trotz der tief verwurzelten gegenseitigen Vorurteile - heute keiner im Ernst an eine Auflösung der Doppelstadt denkt:

Unsere Generation, die damals bei der Städtefusion zehn, elf Jahre alt war, die ist nicht das Problem. Aber so alles was jenseits von 50 ist, da hängt es schon noch schwer in den Köpfen rum. Da sollte man erst mal die Vorurteile von beiden Seiten in die unterste Schublade stecken. Das ist vielleicht das Allererste. Ich denke auf jeden Fall hat es sich ausgezahlt. Doch würde ich sagen. Die zwei Städte müssen schon zusammenhalten. Alleine kommt ja keine richtig durch. Da würde jeder halt klein-klein seine Sachen machen. Und so ist es halt etwas großzügiger. Wenn man sich hier die Schulen anguckt, die Fachhochschulen, die wir hier her bekommen haben, die haben Leben rein gebracht. Die Polizeifachhochschule etwa. Und insgesamt war es schon eine positive Entwicklung. Man muss sich nach 30 Jahren einfach daran gewöhnen, das ganze als eine Stadt zu sehen.

Langsam, sehr langsam stellt sich in Villingen-Schwenningen so etwas wie Normalität im Umgang miteinander ein. 30 Jahre dauerte etwa im Gemeinderat die Diskussion um ein gemeinsames Stadtwappen, da keiner der Stadtteile sein Wappentier missen wollte. Die Auseinandersetzung endete mit einem Kompromiss: Der Schwenninger Schwan und der Villinger Adler blicken sich nun an - und strecken sich die Zunge raus.
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