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11.11.2004
"Und - hat's geholfen?"
Das Markenlabel ''bauhausdessau'' sollte der Stadt wirtschaftliche Impulse bringen
Von Adolf Stock

Teilansicht des Bauhaus in Dessau, Sachsen-Anhalt. Das Bauhaus wurde 1926 nach Plänen von Walter Gropius errichtet. Es zählt zum Weltkulturerbe der Unesco. (Bild: AP)
Teilansicht des Bauhaus in Dessau, Sachsen-Anhalt. Das Bauhaus wurde 1926 nach Plänen von Walter Gropius errichtet. Es zählt zum Weltkulturerbe der Unesco. (Bild: AP)
Im Jahr 2000 ließ sich die Stadt Dessau den Namen "bauhausdessau" schützen, um neue Produkte aus der Region und alte Produkte aus der Dessauer Bauhauszeit vermarkten zu können. Schon einmal, während der Weimarer Republik, hatte die Stadt die Rechte an dem Label, doch mit der Zerschlagung des Bauhauses durch die Nationalsozialisten wurde am 14. Oktober 1932 die Marke "bauhausdessau" auf Antrag des Magistrats der Stadt gelöscht. Nun sollte im Rahmen des Landesforschungsprogramm nach historischen Produkten gesucht werden, die neu produziert werden könnten. Ob das die regionale Wirtschaft beflügelt hat - der Länderreport fragt nach.

Den Namen Bauhaus kennt jeder. Und wenn man nicht gerade an den Baumarkt mit dem roten Schriftzug denkt, denkt man an Häuser mit Flachdach und an hochwertiges Design. An die Freischwinger von Marcel Breuer oder Mies van der Rohe, an die Bauhauslampe von Wilhelm Wagenfeld oder an silberne Teekannen von Marianne Brandt.

Nein, sagt Annemarie Jaeggi, die neue Direktorin des Berliner Bauhaus-Archivs, die Erfolgsgeschichte des Bauhauses sei ja alles andere als selbstverständlich gewesen. Ohne den Geschäftssinn von Walter Gropius - dem Gründer und ersten Direktor des historischen Bauhauses - gäbe es diese weltweite Erfolgsstory nicht.

Wir wären nicht das, was wir sind, ohne Walter Gropius, der sehr stark sich darum bemüht hat nach dem Zweiten Weltkrieg, das Bauhaus überhaupt erst bekannt zu machen. Es ist für uns wirklich kaum vorstellbar, aber im Nachkriegsdeutschland war das Bauhaus nur einigen wenigen kunstinteressierten Menschen wirklich ein Begriff. Meist waren das natürlich Architekten und Designer, und Walter Gropius hatte natürlich ein Anliegen, das wieder ins Gedächtnis zu bringen.

Es war eine strategische Meisterleistung. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Walter Gropius es geschafft, das Bauhaus - diesmal als Mythos - noch einmal zu gründen.

Die Gründung des Bauhaus-Archivs 1960 hat unmittelbar damit etwas zu tun. Und Gropius' Unterstützung, indem er uns einen Großteil seines Nachlasses übereignet hat, seine unglaublich guten Verbindungen bis in die höchsten Reihen der Politik, all das hat natürlich die Etablierung des Hauses nachhaltig gefördert. Und ich denke mal, man kann das sagen ohne jede Form des Beschämens, dass Walter Gropius für die Sache des Bauhauses der größte Motor, wenn nicht gar Propagator gewesen ist.

So weit war alles in trockenen Tüchern. Doch dann kam die Wende. Plötzlich blickten alle nach Dessau, wo die authentischen Zeugen aus der Bauhaus-Ära stehen: Die berühmte Schule von Walter Gropius - eine Ikone der Weißen Moderne -, das Arbeitsamt mit dem gläsernen Rundgang und die zum Teil noch vorhandenen Meisterhäuser in einer Kiefernschonung am Rande der Stadt. Alles Gebäude, die seit 1996 auf der Liste des Weltkulturerbes stehen.

Mit der Wende geriet die einst heile Bauhaus-Welt gründlich aus den Fugen. Das "Prinzip Gropius" bekam Konkurrenz, weil in Dessau auf einmal ein ganz anderes Bauhaus zum Vorschein kam. Omar Akbar, Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau.

Was war das Bauhaus? Das Bauhaus war vor allem eine Schule gewesen, hat eine Idee entwickelt, wie man an einer Schule mit neuen Ideen arbeiten sollte.

Diese Tradition will Omar Akbar neu beleben. Mit dem Bauhaus als Schule wurde plötzlich ein Stück Tradition lebendig, das im Berliner Bauhaus-Archiv schon längst in den Kellern eines Museums entsorgt worden war. Ein Kampf um das ideelle Bauhaus-Erbe begann, ein Kampf, der bis heute anhält. Dabei geht es nicht nur um die Deutungshoheit der Bauhaus-Idee, es geht auch um handfeste Interessen, denn das Berliner Bauhaus-Archiv war nie nur Museum, mit dem guten Namen Bauhaus wurden und werden auch gute Geschäfte gemacht. Annemarie Jaeggi.

Das Bauhaus hatte ja auch eine GmbH, und zwar, um die Entwürfe, die am Bauhaus gemacht wurden, umzusetzen, herstellen zu lassen, kommerziell in den Handel zu bringen. Wir haben die GmbH damals gegründet, weil wir von vielen Bauhäuslern, mit denen wir von Anfang an befreundet waren, die Rechte übertragen bekommen haben. Wir haben vom Bauhaus-Archiv, weil wir natürlich keine Produzenten sind und weil wir das auch nicht vermarkten können, das an Firmen abgegeben, und wir zeichnen diese Produkte mit dem Zeichen unseres Hauses und geben dafür sozusagen die Gewähr, dass es sich so nah wie möglich ans Original hält.

Eine Lampe von Wilhelm Wagenfeld, ein Hocker von Marcel Breuer, oder eine versilberte Teekanne von Marianne Brandt, eine handvoll Bauhaus-Produkte werden heute von renommierten Firmen wie Alessi oder Tecta produziert. Sie tragen das Warenzeichen "original bauhaus modell", das das Bauhaus-Archiv vergibt.

Was Berlin kann, können wir auch! So oder so ähnlich wird man in Sachsen-Anhalt gedacht haben, als sich die Stadt Dessau im Jahr 2000 das Label "bauhausdessau" hat schützen lassen. Während der Weimarer Republik hatte die Stadt Dessau schon einmal die Rechte an dem Markenzeichen, doch mit der Zerschlagung des Bauhauses durch die Nationalsozialisten wurde im Oktober 1932 die Marke auf Antrag des Magistrats der Stadt gelöscht.

Um der Stadt Dessau die Rechte an der Marke erneut zu verschaffen, gingen Marion Diwo, damals Leiterin des Designzentrums Sachsen-Anhalt, und Holger Platz als Vertreter der Stadt mit vereinten Kräften ans Werk.

Die Stadt Dessau war diejenige, die die Marke 'bauhausdessau' angemeldet hat. Also, wir haben das rechtlich schützen lassen, in einer Phase, wo wir im Bauhaus auch keinen rechten Ansprechpartner für dieses Problem hatten. Und das hat sich - seitdem Herr Akbar in Amt und Würden ist - geändert und deshalb auch die enge Zusammenarbeit im Bauhaus mit der Bauhausführung.

Später sprach Holger Platz von einer "Schicksalsgemeinschaft", womit er sich, Marion Diwo und den neuen Direktor der Bauhaus-Stiftung meinte. Die Idee mit der erneuten Labelierung ging wohl auf Marion Diwos Konto. In einem Interview 2001 war die quirlige Kölnerin noch voller Tatendrang.

Das Designzentrum ist natürlich aufgrund seiner Anbindung an das Land Sachsen-Anhalt über das Wirtschaftsministerium dazu gehalten, Wirtschaftsentwicklungs-, Wirtschaftsförderideen zu verfolgen. Das bedeutet natürlich, dass das Bauhaus als sozusagen landeseigene Institution des Landes Sachsen-Anhalt ja eine unglaubliche Chance beinhaltet: Einmal natürlich, weil es einen Mythos Bauhaus gibt, weil es eine Geschichte des Bauhauses gibt, weil es Produkte gibt. Ich verspreche mir davon, dass wir in einem Bereich der Produktentwicklung von der Tradition hinaus in die Zukunft gehen können, das ist für mich ein breit angelegtes Wirtschaftsförderprogramm für den Mittelstand in Sachsen-Anhalt und eine Profilierungsmöglichkeit des Landes Sachsen-Anhalt insgesamt als Gestaltungsland.

Plötzlich klebte der blaue Schriftzug "bauhausdessau" auf Repliken alter Bauhausmöbel, die aus Stendal kamen und auf neu designten Salz- und Pfefferstreuern der Dessauer Edelstahlmanufactur, denn auch zeitgenössisches Design sollte im Schlepptau der Bauhausidee vermarktet werden. Als die belanglosen Würzhilfen mit dem Aufkleber "bauhausdessau-edition" plötzlich in den Regalen standen, zweifelten auch wohlmeinende Zeitgenossen an der Seriosität der neuen Vermarktungsstrategie. So unter Niveau sollte der Name Bauhaus dann doch nicht verramscht werden. Omar Akbar.

Wie bestimmt man überhaupt, was ein gutes Produkt ist? Und in diesem Zusammenhang einfach Stahl zu nehmen und Leder zu nehmen und die zusammen zu kombinieren, daraus entsteht noch kein Bauhaus-Produkt.
Und auf der anderen Seite glaube ich sogar, dass die Zeit vergangen ist. Wir hatten eine Situation gehabt, und ich spreche eher von den achtziger Jahren, wo eine Art Boom existierte, bis heute glaube ich auch, dass wir mit Bauhaus-Produkten, also mit Original-Bauhaus-Produkten noch ein Stück Markt haben. Aber dieser Markt ändert sich extrem, und es sind ganz andere Produkte inzwischen auf dem Markt, und möglicherweise könnte man sagen, dass sogar die historischen Bauhaus-Elemente eine eher rudimentäre Rolle spielen werden, also diese Boom-Phase ist vorbei.


Boom hin oder her, im Jahr 2001 sollten die Gewürzstreuer aus Dessau und die Möbel aus Stendal nur der Anfang einer umfassenden Marktstrategie sein. Damals bekam das Designzentrum Sachsen-Anhalt vom Magdeburger Wirtschaftsministerium den Auftrag, nach verwertbaren Entwürfen in den Bauhaus-Archiven zu suchen.

Annemarie Jaeggi, die neue Direktorin des Bauhaus-Archivs, kennt das alles nur vom Hörensagen.

Sie sprechen diese Arbeit an, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, zu eruieren, was gibt es für Entwürfe, zeichnerische Entwürfe oder im Prototyp, erste ausgeführte Entwürfe aus dem Bauhaus? Das heißt in erster Linie Schülerarbeiten, die man heute eventuell serienmäßig herstellen und vermarkten könnte. Nur diese Anzahl, von ich glaube 220, die ist absolut utopisch. Ich glaube, dass nie und nimmer 220 wirklich umsetzbare und marktfähige Entwürfe zu finden werden. Das ist Punkt eins. Punkt zwei ist natürlich die Sorgfalt, mit der die das machen müssen. Es muss ja den Namen, das Label Bauhaus in den höchsten Qualitätsansprüchen vertreten, sonst finde ich es nicht zulässig. Und drittens sollte man die Institution, wo man forscht, zumindest in Kenntnis davon setzen, was man vorhat und warum man diese Recherche unternimmt. Und das ist zum Beispiel in unserem Haus nicht geschehen, wobei ich dazu sagen möchte, dass all diese Geschehnisse und Vorkommnisse vor meiner Zeit als Direktorin hier im Haus waren.

Als Peter Hahn, der damalige Direktor des Bauhaus-Archivs, mitbekam, dass die Recherche kommerziellen Zwecken diente, verhängte er kurzerhand Hausverbot. Und zum Label "bauhausdessau" hatte Peter Hahn auch eine klare Meinung, er hielt das Label schlicht und einfach für unseriös.

Es sollte nicht unter einem falschen Segel laufen. Es sollte nicht etwas stattfinden, was man ja im privaten Sektor international zuhauf beobachten kann. Wenn Sie sich einmal im Internet ansehen, was es dort alles an Angeboten gibt. Wenn Sie sich darüber hinaus ansehen, was es an Bauhaus-Plagiaten gibt, dann kann man nur sagen: Es gibt genügend Trittbrettfahrer des kulturhistorischen Welterfolges, den das Bauhaus bedeutet hat, und ich meine, angesehene Institutionen wie die Stiftung Bauhaus Dessau oder auch die Gemeinde Dessau sollten sich nicht in solche Gesellschaft begeben.

Plagiate und Fälschungen von Bauhaus-Produkten gibt es ohne Zahl, weil viele Firmen mit dem Namen Bauhaus zweifelhafte Geschäfte machen. Doch diesmal ging es nicht um Billigkopien aus Italien oder Fernost, diesmal ging es um die Rechte von Bauhäuslern und ihren Erben.

Der Bauhaus-Hocker B9, 1926 entworfen von Marcel Breuer, geriet in die vorderste Front der Auseinandersetzung. Der Breuer-Hocker war das erste Stahlrohrmöbel überhaupt. Die Firma LC Stendal baute ihn nun einfach nach und versah das Möbel mit dem Label "bauhausdessau". Das rief die Firma Tecta aus Lauenförde auf dem Plan, die den Hocker als Lizenznehmer des Berliner Bauhaus-Archivs produziert.

Man traf sich vor dem Düsseldorfer Landgericht. Ein Hocker ist ein Gebrauchsgegenstand und kein Kunstwerk, argumentierten die Unternehmer aus Stendal, folglich dürfe ihn jeder produzieren. Und falls er doch ein Kunstwerk sei, dann lägen die Urheberrechte sowieso bei der Stadt Dessau, weil die Bauhäusler in den 20er Jahren Angestellte der Stadt waren.

Ein absurdes Stück wurde gegeben: Zeugen traten auf, die bald darauf verstarben, Lizenzverträge der Breuer-Erben wurden nachgereicht, und man ging der brisanten Frage nach, ob Marcel Breuer seinen Hocker in seiner Freizeit oder während seiner Arbeitszeit am Bauhaus entworfen hat.

Die Düsseldorfer Richter definierten den Breuer-Hocker als Kunstwerk und bestätigten den Lizenzvertrag zwischen der Firma Tecta und den Breuer-Erben. Das Label "original bauhaus modell" behielt seinen Wert. Das Ende der "frechen Lizenzentziehung" wurde in Lauenförde und in Berlin mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Und auch Annemarie Jaeggi hält den damaligen Richterspruch für einen wichtigen Erfolg.

Das dort gefällte Urteil ist für uns von ganz besonderem Interesse. Dass die Richter befunden haben, bei diesem Hocker handelt es sich um Kunst. Weil da kommt natürlich dann die ganze Gesetzgebung des Kunstschutzes und Urheberrechtes überhaupt erst zur Wirkung. Hätten die Richter geurteilt, dass es sich einfach nur um einen täglichen Gegenstand ohne einen Kunstwert handelt, dann wäre es in der Tat vogelfrei, aber das ist ja der entscheidende Punkt der Rechtsprechung in dieser Auseinandersetzung gewesen.

Genervt vom vielen Streit haben sich Im Dezember 2001 Peter Hahn und Dessaus Oberbürgermeister Hans-Georg Otto in die Hand versprochen, Konflikte in Zukunft fair und kooperativ zu lösen und die jeweiligen Interessen ohne Rechtsstreit zu vertreten. Und Annemaie Jaeggi steht ja sowieso für einen Neubeginn am Berliner Bauhaus-Archiv.

Ich kenne die Aktenlage, die ich natürlich sehr sorgfältig hier im Haus studiert habe, für mich sind das auch vergangene Dinge. Ich finde, wir sollten das Vergangene vergangen sein lassen und frisch durchstarten.

Gestaltungsland Sachsen-Anhalt. Eine prosperierende Region, wo mittelständische Unternehmen fleißig Bauhaus-Produkte produzieren. Ein schöner Plan, doch der schöne Plan endete in einem Fiasko, das bis heute alle lähmt, die noch mit dem Thema Bauhaus-Label befasst sind. Aus Sicht des Oberbürgermeisters haben Marion Diwo und Holger Platz die Sache gründlich in den Sand gesetzt. Marion Diwo hat die Stadt verlassen, das Designzentum befindet sich in der Liquidation, und Holger Platz ist nach Magdeburg gezogen, nachdem er bei der Kommunalwahl 2001 erfolglos gegen Hans-Georg Otto als Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters angetreten war. Unwillig und mit leicht gequälter Miene blickt Oberbürgermeister Hans-Georg Otto auf einen veritablen Scherbenhaufen.

Das sind Interna. Das liegt an handelnden Personen. Die handelnde Person - da können sie sich kundig machen - die hat es eben nicht verstanden. Und die Kontrollmechanismen waren auch nicht so, wie ich's gewünscht hätte. Das ist wieder die gleiche handelnde Person in der Stadtverwaltung, die auch die unsensible Verfahrensweise mit dem Bauhaus-Label gemacht hat, da sind eben, weil damals Wahlkampf war, Dinge an mir vorbei gelaufen, die Sie dann erst mitkriegen, wenn es öffentlich wird. Und wenn das jemand zur Profilierung benutzt, dann haben Sie nachher..., nur noch Schadensbegrenzung bleibt ihnen noch übrig, und die haben wir dann gemacht, indem wir im Nachgang dann versucht haben, mit den beteiligten Leuten einen Konsens zu finden zum weiteren Miteinander. Und das weitere Miteinander scheitert einfach daran, dass wir im Moment kein Designzentrum haben und keine Bearbeitungskapazität, die ganze Stadt wird im Moment mit zwei Dezernenten noch betrieben, und da konnten wir uns nur auf die wesentlichen Aufgaben konzentrieren und da ist das Bauhaus-Label im Moment nicht mein Problem.

Im Dessauer Rathaus fehlt zurzeit die Kraft, um sich um das Bauhaus-Label und um Urheberrechte zu kümmern. Die Personaldecke ist dünn, und man ist mit der Gebietsreform beschäftigt. Doch damit ist das Thema nicht vom Tisch.

Das ist immer noch ein Thema. Ich denke, da sind wir auch auf der rechtlich sicheren Seite. Wir werden das weiter verfolgen, aber nicht - sage ich mal - über alle Produkte, denn dass muss ja klar sein, dass es dann auch Produkte sind, die im Bauhaus von den Bauhäuslern stammen, die unsere Angestellten waren.

Der Streit über Lizenzvergabe und Urheberrecht ist nicht gelöst, sondern nur vertagt. Das gilt auch für die Magdeburger Studie. Ob die dort aufgelisteten Prototypen für mögliche Bauhaus-Produkte elender Schrott oder pures Gold sind, lässt sich nicht abschließend sagen. Ein Blick in die Studie könnte da Klarheit schaffen, doch die liegt im Giftschrank des Magdeburger Wirtschaftsministeriums und soll erst wieder ans Tageslicht kommen, wenn ein neues Designzentrum existiert. Dann soll noch einmal geprüft werden, was ökonomisch sinnvoll und juristisch machbar ist, dann muss jeder Entwurf einzeln begutachtet und bewertet werden. Nur so lässt sich klären, welche Urheberrechte die Stadt Dessau wirklich besitzt. Für Omar Akbar von der Bauhaus-Stiftung ist das allerdings nicht nur ein rechtliches Problem.

Die Produkte sind ja nicht alle in der Schule entstanden, die Produkte sind ja - nicht alle - auch in den privaten Büros entstanden, so wie die meisten Bauten von Walter Gropius in seinem privaten Atelier entstanden sind, die werden als Bauhaus-Bauten bezeichnet. Das wird dann auf einmal alles unter Bauhaus subsumiert, und dabei meine ich schon, dass dieser Namen missbraucht wird, denn der Name steht eigentlich für eine Schule, für eine Idee.

Soviel steht fest: Um sich über Lizenzen und Urheberrecht zu streiten, brauchen die Industrie und das Berliner Bauhaus-Archiv die Kollegen in Dessau nicht. Kaum war der Hockerstreit mit LC Stendal ausgestanden, ging das Hauen und Stechen munter weiter. Diesmal sind die Firmen Tecta und Knoll International die Kontrahenten, denn auch Knoll besitzt eine Lizenz für den Hocker, die von Marcel Breuer höchst persönlich stammt. Schauplatz des neuen Hockerstreits ist auch diesmal das Düsseldorfer Landgericht.

In Dessau hingegen verfolgt Oberbürgermeister Otto noch einen ganz anderen Plan, und der hat auch mit der Vermarktung von Bauhaus-Produkten zu tun. Hans-Georg Otto möchte die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gropius Villa wieder aufbauen lassen, um so das aufwändig rekonstruierte Meisterhaus-Ensemble zu vervollständigen. Zuvor müsste allerdings ein Haus mit Satteldach abgerissen werden, das seit den 50er Jahren auf dem Fundament der Gropius-Villa steht. Das provokante Knusperhäuschen stammt aus einer Zeit, als die DDR das Bauhaus für eine imperialistische Katastrophe hielt.

Und so stellt sich auch hier die Frage, was das Bauhaus letztlich ist. Eine perfekte Kulisse für Touristen oder ein lebendiger Ort der Auseinandersetzung? Kritik an seinen Plänen lässt Oberbürgermeister Hans-Georg Otto kalt.

Also da beeindruckt mich nichts, ich vertrete die Meinung, ich glaube es war ein Züricher Kunstprofessor, der mal an einem solchen Kolloquium teilgenommen hat, der gesagt hat: Für mich ist das ein Ensemble, und das ist wie ein Bild, das einen Säurefleck hat, da lässt man den Säurefleck auch nicht als Zeitspur drauf, wenn es ein wertvolles Gemälde ist, sondern versucht den wieder zu beseitigen.

Die DDR als Säurefleck? Perfekte Produkte, perfekte Meisterhäuser, das "Prinzip Gropius", das Bauhaus als konsumierbarer Mythos macht nun auch in Dessau Kariere. Wenn es um die Vermarktung von Bauhaus-Produkten geht - ganz egal, ob es sich um einen Hocker oder ein rekonstruiertes Meisterhaus handelt - hat Omar Akbar eine klare Meinung.

Wäre Gropius überhaupt für eine Rekonstruktion gewesen? Gropius und seine Ideen und die Zeit war ja, immer etwas Neues zu entwickeln. Wie könnte der Gang sein der Zukunft? Insofern kann man nicht nur einfach vermarkten in Richtung 'da kommen die Touristen'.

Omar Akbar bleibt dabei, das historische Bauhaus war vor allem eine Schule, eine innovative Gedankenschmiede. Mit anderen Worten, das Bauhaus ist vor allem eine Idee, eine Haltung, die vermittelt werden muss.

Gegenüber einer Idee hat man vielleicht eine kritische Position, oder man würdigt eine Idee, aber diese Idee hat mit dem Markt nichts zu tun. Das es so gemacht wird, wie wir es in den letzten Jahren überall erlebt haben, also mit allen Ideen wird leider so umgegangen, ist meiner Ansicht nach eine Frage der Ethik und eine Frage der Moral. Und diese beiden Fragen werden etwas vernachlässigt behandelt.

Doch auch Oberbürgermeister Hans-Georg Otto denkt nicht nur ans Geld. Die Rekonstruktion der Gropius-Villa auf den Weg zu bringen, versteht er als sein Vermächtnis an die Bauhaus-Stadt.

Ich habe lediglich jetzt dem Professor Akbar gesagt, da meine Amtszeit einfach altersbedingt begrenzt ist, ich möchte, da ich das Ganze da auf den Weg gebracht habe, denn ich habe wirklich die Leute überzeugt aus den Häusern auszuziehen, habe die Kompromisse mit denen geschlossen und habe Sponsoren besorgt, ich habe auch die Leute überzeugt, ihr Haus zu verkaufen, die in dem neuen Gropius-Haus in Anführungszeichen gewohnt haben, und das alles ist ein Riesenaufwand gewesen. Ich möchte nun auch, dass die Entscheidungen fallen, solange ich noch da bin. Deshalb wird der neue Bauhaus-Award sich genau mit diesem Thema beschäftigen. Und dann werden wir sehen, was für Vorschläge kommen, wie man mit dem Haus umgeht, und dann muss man sich entscheiden.

Literatur:
Matthias Hollwich, Rainer Weisbach (Hg.): UmBauhaus. Aktualisierung der Moderne. Berlin (Jovis Verlag) 2004

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