LänderReport
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17.11.2004
Als die Amerikaner abzogen
Bitburg lamentierte nicht und schuf neue Arbeitsplätze
Von Anke Petermann

Das Ende des Kalten Krieges scheint jetzt die Kommunen und Länder zu überraschen. Auf die Ankündigung von Truppenabzug (US Army) und Kasernenschließung (Bundeswehr) folgten landauf, landab Klagerufe von Kommunen und Bundesländern. Sie fürchten nun das Schlimmste, nur das Schlimmste. Doch in der Vergangenheit mussten schon manch andere Regionen mit weniger Militär auskommen. Auch sie trieb erst die Furcht um, doch in Bitburg zu Unrecht. Dort gibt es mittlerweile mehr Arbeitsplätze als zu Zeiten der US Air Base.

Schlagzeilen: Bitteres "Good bye" in Bitburg” - Die Amerikaner ziehen ab, Dollar und Arbeitsplätze mit ihnen.

The Amis go home - Im Eifelstädtchen Bitburg gehen viele Lichter aus.

Die Air Base schließt. Niemand weiß, was nun wird.

Der Abschied tut weh - im Geldbeutel der Deutschen.


Herbst 1994: Der Nato-Flughafen in Bitburg macht dicht. 13.000 Amerikaner arbeiteten bis dahin auf der Air Base - so viele wie ganz Bitburg Einwohner hat. Die wenigsten Militärs werden auf den benachbarten US-Luftwaffenstützpunkt Spangdahlem verlagert, die meisten abgezogen. 600 deutsche Zivilbeschäftigte werden auf einen Schlag arbeitslos. Vom Autohändler bis zum Bauunternehmer, vom Hausbesitzer bis zum Bäcker - Hersteller und Händler in der Region verlieren Aufträge und Kaufkraft, die Kommune verliert eine sichere Bank.

Herbst 2004: Zäune und Stacheldraht um den Flughafen sind verschwunden, in ehemalige Shelter und Lagerhallen sind Fabriken und Werkstätten eingezogen. Der Offiziersclub ist jetzt Restaurant, Mannschaftsgebäude beherbergen Hotelzimmer. Vom Rollfeld starten Sportflieger und Fallschirmspringer, vereinzelt auch Geschäftsreisende - die Bitburger haben den Flughafen, einst eine Art exterritoriales Gebiet, in Besitz genommen. Und die Zukunft in die Hand genommen.

Vieles hat sich geändert, aber nicht alles. Im Zentrum der kleinen Kreisstadt, drei Kilometer nördlich der ehemaligen US Air Base gelegen, ist immerhin die gute katholische Reihenfolge geblieben: die Mutter Gottes zuerst, also das Läuten der Liebfrauenkirche, und dann das von Handwerkern finanzierte Glockenspiel.

"Üb' immer Treu und Redlichkeit" - vor zehn Jahren, als die Amerikaner über Nacht verschwanden, befürchteten viele das Schlimmste. Jahrzehntelang hatten die Nato-Militärs den hiesigen Wohlstand genährt, nun war der große Geldgeber weg. Ratlos und unsicher blickte man der ungewissen Zukunft entgegen. Wer würde sich interessieren für 600 Hektar Land, für alte Wohnbaracken, 70 bombensichere Flugzeugbunker, für Munitionsdepots und die Basketballhalle der US-Militärmannschaft?

Es hat sich positiver entwickelt, als ich es jemals gedacht hätte. Also, ich hätte gedacht, dass es für die Wirtschaft viel schlechter wäre. Aber ich finde, die Konversion ist gut gelungen. Wenn man jetzt am alten Flugplatzgelände vorbeifährt, hat sich viel getan. Ich hatte befürchtet, es liegt alles brach.

Von der US-Air Base zur Boom-Area - zum florierenden Gewerbegebiet. Kaum Ruinen, kaum Brachen in Sicht. Eine Lagerhalle neben dem Tower wird gerade für die Produktion von Fallschirmen umgebaut. Ansonsten eine ungewöhnliche, aber sehr heutige Mischung von Handwerks-, Industrie- und Dienstleistungsbetrieben. Vom Zimmermann bis zum Versicherungsvertreter, vom Swingerclub Mendecino bis zur Church of God-Sekte ist alles dabei. 160 Unternehmen mit über tausend Arbeitsplätzen auf einem Gelände, das so groß ist wie 700 Fußballfelder. "Zur Startbahn" und "Am Tower" heißen neu angelegte Straßen.

Gaby's Imbiss am Kreisel. Hans-Martin Bechtel zahlt Essen und Kaffee.

Es sieht ein bisschen wild aus noch ...

... sagt der durchreisender Monteur aus Mannheim über das Gelände. Und meint damit wohl auch das Nebeneinander von postmoderner Industriearchitektur und den Relikten der US-Army: Würfel in Aluoptik konkurrieren mit knallgelben Kunststoff-Spitzdächern, dazwischen bemooste Shelter, in denen früher die Bomber standen, und Hallen, die ihr neues industrielles Innenleben unter altem military-Beige tarnen, inklusive der braun aufgepinselten Gebäudenummer. Die Flächen sind fast alle vergeben, längst baut die Stadt parallel auch andere Gewerbegebiete aus. Die Arbeitslosigkeit liegt bei fünf Prozent im Arbeitsamtsbezirk Bitburg, berichtet der Bürgermeister strahlend. Konversion als Jobmaschine, der Gewerbepark als Beschäftigungswunder? Das ist eine Wahrheit. Ein Passant, der anonym bleiben will, hält dagegen:

Das ist geluxemburgischt. Ich wurde mal sagen, 15 Prozent der Bevölkerung arbeitet in Luxemburg. Das hat natürlich auch den Nachteil, dass die hier keine Steuern zahlen. Von denen sieht das Finanzamt gar nichts, das ist natürlich dann auch nachteilig für die Steuerkraft der Gemeinden. Das sind gute Arbeitsplätze, so Banken und Dienstleistungsgewerbe. Und die Handwerker hier, Schreiner, Anstreicher Schlosser, Innenausbau - die sind fast zur Hälfte in Luxemburg beschäftigt. Wenn sie morgens mal schauen, was da an Firmen- und Monteursautos die Echternacher Straße raus nach Luxemburg fährt - das ist unwahrscheinlich.

In Luxemburg arbeitete auch der Schlosser Andreas Schälow, der aus Mecklenburg-Vorpommern dorthin ausgewandert war. Bis er sich 1997 selbständig machte - in Bitburg auf dem ehemaligen Nato-Gelände. Er mietete eine kleine Halle und fing an, dort Stahltore und Geländer zu fertigen, anfangs mit einem Lehrling. Inzwischen hat der Metallverarbeitungsbetrieb fünf Beschäftigte, dreimal ist die Firma schon umgezogen, um sich zu vergrößern. Entscheidend für den Erfolg des Existenzgründers waren die niedrigen Mieten:

Das war ein Glücksfall in dem Moment, um mit geringen Kosten anfangen zu können. Man hat zwar einen Kredit gehabt für Maschinen und Ausrüstung, aber ich hätte es mir nicht leisten können, eine Halle zu kaufen.

Nicht nur Neugründer erkannten die Chancen, die das Konversionsgelände bietet, auch bestehende Unternehmen aus Bitburg und von außerhalb betätigten sich als "Eisbrecher", indem sie auf dem Flugplatz erfolgreich expandierten. Wie der Fensterbauer, dem sein Betriebsgelände im Nachbardorf zu klein geworden war. Mit 27 Leuten fing er in Bitburg an, mit 70 Mitarbeitern zog er jüngst den Großauftrag an Land, in der Hauptstadt von Kasachstan Ministerien zu verglasen. Aus anfänglicher Lethargie und Depression entwickelte sich Pioniergeist in und um Bitburg - auch ein Grund, warum Bürgermeister Joachim Streit vom Flugplatz schwärmt.

Dort sind Firmen in Militärliegenschaften umgesiedelt, die nach Tschechien oder Luxemburg gegangen wären, aber niemals die Eifel als Standort für Erweiterungen angedacht hatten. Es sind natürlich Werte des Bundes von 1,6 Milliarden DM zu weitaus günstigeren Preisen veräußert worden, wir schätzen etwa 40 Millionen DM damals. Die Betriebe konnten Gebäude, Hallen, versiegelte Flächen erwerben, ohne sie selbst herrichten zu müssen. Zum Teil entsprachen sie nicht genau den Anforderungen, aber da man sie so günstig erwerben konnte, nahm man das in Kauf.

Niedrig-Löhne in Tschechien, Niedrig-Steuern in Luxemburg - Bitburg setzte mit Hilfe von Bund und Land etwas dagegen: Immobilien zum Niedrigpreis. Und produzierte einen kleinen Boom innerhalb der Stadttore. Aber auch, so meint mancher von außerhalb, einen Aderlass vor den Stadttoren im strukturschwachen Kreisgebiet Bitburg-Prüm:

Die Neuansiedler sind ja alle aus den Dörfern dahin gezogen, die fehlen ja jetzt in Kyllburg oder in Irrel, in Speicher und überall. Die sind nach Bitburg Flughafen gezogen, weil sie da Subventionen bekommen haben. Fahren Sie mal in die Dörfer rundum, wo Gewerbegebiete gemacht wurden, die sind alle leer. Da sind riesige Flächen, die werden nicht angenommen, da ist nichts zu machen.

Wie viele von den 1100 Arbeitsplätzen sind also tatsächlich neu, gehen auf Expansion oder Existenzgründung zurück? Vielleicht nur 200, schätzen Skeptiker, das wäre dann ein ganzer Batzen weniger als die 600 zivilen Arbeitsplätze, die Nato und US-Streitkräfte einst sicherten. Bestimmt 800, meint Helmut Berscheid, Verwaltungsleiter des Zweckverbandes. Er hält das so genannte Bitburger Modell für eine Erfolgsstory, und dazu gehören seiner Meinung nach nicht nur die niedrigen Immobilienpreise.

In Bitburg haben wir eine Kooperation zwischen den Kommunen, dem Bund und dem Land. Erstmals in der BRD ist es uns 1995 gelungen, den Bund davon zu überzeugen, dass er für die Herstellung der Infrastruktur als Eigentümer Geld in die Hand nehmen muss. Und der Bund hat sich vertraglich verpflichtet, dafür 50 Prozent der Kosten zu tragen. Das war der Durchbruch für eine kleinteilige Vermarktung des Konversionsgeländes.

Anfangs hatte man ihn ja noch durch eine Immobiliengesellschaft weltweit suchen lassen: den Großkonzern, der mit einem Schlag massenhaft Arbeitsplätze bringen sollte. Zum Beispiel eine Mercedes-Teststrecke auf der US-Base. Doch begrub man die Hoffnung auf den glanzvollen Retter von außen recht schnell,

... und deshalb ist vielleicht Bitburg und das Bitburger Modell gleichzusetzen mit dem Wort "besinnen auf eigene Kräfte."

Der Sondermaschinenbauer PSA will in den nächsten zwei Jahren von 35 auf 50 Beschäftigte aufstocken, eine neue Halle bauen und eine weitere kaufen. Das Geschäft mit maßgefertigten Roll-, Schneide- und Wickelmaschinen für die Verpackungsindustrie läuft glänzend - das dynamische Jungunternehmen jagt etablierten Konkurrenten Marktanteile ab.

Heute sind wir weltweit die einzige Firma, die Handlingsysteme anbietet, so dass die Maschinen alle von einer Person bedient werden können, die schweren Originalrollen automatisch eingelegt und entnommen werden. Da passiert es oft, dass die maschine eine Fläche hat von zwölf bis zehn Metern, und davon würden wir in dieser Halle nur zwei Maschinen unterkriegen. Deshalb müssen wir uns vergrößern, auch von der Auftragslage her, damit wir das alles schaffen.

Doch um das Gelände direkt am Rollfeld, mit dem PSA-Geschäftsführer Ludwig Diederichs liebäugelt, gibt es ein Tauziehen. Der Zweckverband möchte die Flächen unterhalb des frisch sanierten Towers für Investoren reservieren, die etwas mit Flugverkehr oder Produktion in diesem Bereich zu tun haben. Diesen Investoren jagt man seit zehn Jahren nach - bislang ohne nennenswerte Ergebnisse. "Das sind die Tauben auf dem Dach, wir sind ja nur der Spatz in der Hand", seufzt Diederichs. Zwar ist der Existenzgründer sehr zufrieden mit den Startbedingungen für sein ehemaliges Zwei-Mann-Unternehmen, aber:

Der Zweckverband hat mit dem Verkauf des Grundstücks seins getan, alles andere muss man sich hart erkämpfen.

Wohlwollender beurteilen die größeren Investoren die Betreuung durch den Zweckverband. Dazu gehört Willi Käfer-Ewertz. Der Chemiefabrikant aus Leverkusen hatte sein Unternehmen Anfang der 90er Jahre verkauft und als angestellter Geschäftsführer gearbeitet. Als er von Bitburg und den Konditionen hörte, machte er einen Neuanfang und baute den Kunststoff-Zulieferbetrieb dort wieder auf. Außerdem investierte er über zehn Millionen Euro in eine Sportschule samt sechs Rasenplätzen, Hallen und 130 Betten - Gesamtvolumen zehn Millionen Euro:

Die Leute waren sehr zuvorkommend und haben hervorragende Arbeit geleistet in der Genehmigungsfrage und allem. Wenn Sie so eine Größenordung vorhaben, dann werden Sie schon gehätschelt, aber wir hatten sehr konstruktive Gespräche und haben auch gehandelt, gefeilscht um jeden Pfennig, den wir den Quadratmeter billiger bekommen konnten. Aber sie waren großzügig und ich denke, sie haben auch Wort gehalten, und im großen und ganzen sind wir beide zufrieden.

Zu den größeren gehört auch das Investorenduo Heck/Burelbach, das mit dem Clubhotel "Eifelstern" samt 70 Beschäftigten und über 1000 Betten das größte Hotel in Rheinland-Pfalz angesiedelt hat. Freitagnachmittag auf dem neuen Vorplatz zum alten US-Offiziersclub - die "Ruhe vor dem Sturm" nennt Geschäftsführer Peter Heck das aufbrandende Getöse:

Jetzt kommen die ersten Busse, heute reist 40 Prozent auf dem Sonderzug, etwa 400 Leute, und der Rest individuell. Also round-about mit Einheimischen werden gegen 20 Uhr circa 1000 im Haus sein.

Heck, gelernter Reiseverkehrskaufmann, und sein Partner Burelbach, vormals Elektroschlosser, nutzten damals die Gunst der Stunde, also die niedrigen Quadratmeterpreise. Und die Lust der Leute auf Wochenendtrips, die nicht immer nach Mallorca führen müssen. Die Anreisenden freuen sich auf heiße Disconächte in der kühlen Eifel und auf...

Freizeit von Kind und Bauch. - Mit vier Schwägerinnen und einer Nichte bin ich unterwegs. Ich denke mal, dass wir viel tanzen können, dass es gut wird. - Schöne Fete, Gaudi machen, das ist alles - das brauchen wir ... - Drei schöne Tage ohne Arbeitsstress. Ich muss immer arbeiten, habe nur einen Tag frei in der Woche und habe mir die drei Tage gegönnt und mein Geschäft zugemacht. Wir sind elf Frauen aus Bochum, aber nur für Spaß, aber schön.

Begrüßungstrunk in der Disco "Lallermann" - unter spanischen Fähnchen. Luftmatratze, Liegestuhl und Sonnenschirm baumeln von der Decke - Mallorca ist so nah. Anfangs war der Heimweg zu den Schlafgebäuden noch gesäumt von Zäunen und Schildern, auf denen stand "Vorsicht Schusswaffengebrauch". Das störte nicht weiter, denn Trinken, Tanzen, Sich Näher Kommen als Hauptbeschäftigung trübt ein wenig den Blick für die Umgebung. "Fledermaustouristen" werden die Vergnügungshungrigen in der Branche auch genannt: nachts wach, tagsüber kann man sie unter die Decke hängen. Die Kurzformel "Kegelclub männlich trifft Kegelclub weiblich - Kegelbahn nicht vorhanden" bringt das Binnenverhältnis der Kundschaft auf den Punkt. "Die verdienen ihr Geld an den Alkoholexzessen und Seitensprüngen anderer", lästern Einheimische, die nicht mitfeiern, über das Investorenduo. Wie der Handwerker aus einem der benachbarten Betriebe:

Sie können sonntags morgens um acht hier vorbeifahren und wirklich meinen, Sie wären im Urlaub. Also die Musik grölt von da bis da, und die Leute brüllen besoffen auf der Straße, welche liegen da schon seit der letzten Nacht. Also das ist manchmal katastrophal.

Peter Heck kümmert das Gerede wenig: ein Tagungs- oder konventionell touristisches Hotel auf dem Flugplatz wäre ein Flop gewesen, die deutsche Hotellerie ist ohnehin kaputt, sagt er:

Wir verdienen in Zeiten, wo es gar nicht rosig aussieht, immer noch unser Geld. Wir betrachten uns sogar als eine Art Ventil. Die Leute reisen freitags an und lassen den Alltag zurück. Man trinkt, man feiert. Wir sind dankbar, dass es diese Touristen noch gibt. Es steht uns nicht zu, sie als Touristen zweiter Klasse zu deklarieren. Gesellschaftlich gibt es da keine Unterschiede. Wir haben bei den Tennis-, Kegel- und Tontaubenschieß-Vereinen vom Lkw-Fahrer über den Handwerksmeister bis zum Obersten Richter alles dabei, Banker Juristen, es ist alles dabei.

Zum Glück für die Bitburger Geschäftsleute aber lassen sich nicht alle Clubtouristen tagsüber unter die Decke hängen, viele bevölkern samstags die Innenstadt.

Das kleine Eiscafé in der Fußgängerzone hat die Öffnungszeiten erweitert. Wochentags kommen Schüler, Hausfrauen und Geschäftsleute. An US-Soldaten verdient die Inhaberfamilie schon seit langem nicht mehr. Seit den Terroranschlägen des 11. September lassen sich nur noch wenige US-Soldaten oder Zivilbeschäftigte aus Spangdahlem in der Innenstadt sehen, obwohl sie teilweise in der Bitburger Housing wohnen. "Die haben mehr Angst als Vaterlandliebe", sagt ein Polizist, der gemeinsam mit Kollegen Mittagspause macht. Noch ist es nur ein Gerücht, dass die Amerikaner das Jagdgeschwader aus Spangdahlem abziehen und die Air Base 15 Kilometer östlich von Bitburg zum Ausweichstandort für den ausgebauten Militärfrachtumschlagplatz im pfälzischen Ramstein degradiert werden soll. Die Politik redet ja noch nicht darüber, sagt Walter Schäfer beim Cappuccino,

... aber meine Meinung ist, dass in absehbarer Zeit der Flugplatz Spangdahlem zugemacht wird, und dann sieht es schon gar nicht mehr so rosig aus. Zum Beispiel die Housing in Bitburg, wo jetzt noch einige Tausend Amerikaner wohnen - die werden dann ja auch wegfallen, ebenso in Spangdahlem. Und es ist ja so, dass die Amerikaner noch viel Geld hier lassen. Für die Geschäftsleute ist das ein Punkt, wo man sagen kann, es wird noch etwas verdient darüber.

Die Ehefrau nickt, die Polizisten am Nebentisch sind der gleichen Meinung: ein zweites Bitburger Modell werde es nicht geben, weder die Investoren noch die nötigen öffentlichen Gelder seien dafür in Sicht, weiteren Abzug würde die Region wirtschaftlich kaum verkraften. Wobei die Anwesenheit der US-Militärs ja durchaus ihren Preis habe, sagen die Polizisten, die das Mikrofon scheuen. Einer kommt aus Binsfeld nahe Spangdahlem, das heißt: unerträglicher Fluglärm und Kerosin, wo immer man da im Boden stochert, sagt er. "Die Krebsrate in diesem Teil der Eifel ist höher als in vielen Industriegebieten", fügt ein jüngerer Kollege an. Trotzdem will niemand hier den Abzug der Amerikaner aus Spangdahlem herbeireden. Viele haben Angst vor dem, was danach kommt. Vor zehn Jahren hatte man ja auch für Bitburg erst das Schlimmste befürchtet - grundlos, wie man heute weiß.
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