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18.11.2004
Heimweh nach Glottertal
"Die Schwarzwaldklinik" kehrt zurück
Von Walter Filz

Die Serie "Die Schwarzwaldklinik" (Bild: AP Archiv)
Die Serie "Die Schwarzwaldklinik" (Bild: AP Archiv)
Das Glottertal haben wir längst vergessen, "Die Schwarzwaldklinik" nicht. Wegen des Erfolgs der Fernsehserie und natürlich wegen Doktor Brinkmann. Das war in der Zeit, als immer mehr Leute anfingen die Wirklichkeit für das Fernsehen zu halten. Oder umgekehrt. Jedenfalls wurde der Herr, der den Weißkittel mimte, später oft mit "Doktor Brinkmann" angesprochen. Und im Glottertal wunderten sich die Einheimischen, was sie denn da für eine Klinik hätten. Egal, vorbei ist vorbei. Und vorbei ist bald wieder. Eine neue alte "Schwarzwaldklinik" wird uns demnächst ins Haus flimmern. Und wir hatten eh schon immer Heimweh nach Glottertal.

Es gab Spitzentage oder an Wochenenden mit Feiertagen, da waren 30, 40 Busse keine Seltenheit.

Es war einmal vor sehr, sehr langer Zeit - 1984.

Nieke: Das ist 20 Jahre her, letztes Jahrhundert. Damals war's so, dass der Schwarzwald sehr negativ Schlagzeilen hatte in der Presse in den Medien. Es wurde festgestellt, dass es das Waldsterben gibt. Und das war anscheinend im Schwarzwald ganz besonders ausgeprägt. Und unsere Urlauber, unsere Gäste, die dachten sich: ja, der Schwarzwald besteht nur noch aus Dürrständern im Wald. Und dann kam die Schwarzwaldklinik. Und dort wurden Landschaften gezeigt, da muss man selbst als Schwarzwälder sagen: hey, der Schwarzwald ist ja wahnsinnig toll, wenn man das durch das Kameraauge, - ist ja noch schöner wie man selber immer sieht.

Es war einmal eine Fernsehserie, die veränderte die Sicht. Der Wald wurde wieder grün, Der Himmel blau. Und der Tourismus eine Goldgrube. Lang, lang ist's her.

Bürgermeister: Seit zwei Wochen ist die stillste Zeit des Jahres.

Glottertal im November 2004. Tief hängt der graue Himmel über den Hängen. Die Tannenspitzen verschwinden im Dunst. Es ist feucht. Knapp zwei Grad plus nur. Und es ist leer. Kaum ein Mensch auf der Straße. Und Touristen? Gar keine.

Jehlen: Jetzt so der November ist so ein toter Monat bei uns. Im Moment ist auch so die Zeit, wo die Betriebe ihre Ruhepause haben, wo sie ihre Betriebsferien haben.

Bis die Weihnachtsgäste kommen - für ein paar kurze Tage. Dann folgt ein langer Winter.

Jehlen: Wintertourismus ist sowieso nicht unser Ding, weil wir keine schneesicheren Lagen haben.

Ein Winter des Wartens. Warten auf die Wiederkehr. Die Wiederkehr des Frühlings. Die Wiederkehr von Professor Brinkmann. Die Wiedereröffnung der Schwarzwaldklinik. Die Skalpelle sind geputzt, die Tupfer liegen bereit. Die Zuschauer-Anästhesisten vom ZDF haben es versprochen. Pünktlich zum 20jährigen Jubiläum kommt die OP-Oper in Moll und Mull auf den Bildschirm zurück. Die Dreharbeiten sind bereits abgeschlossen. Eine Serie soll aus den antiseptischen Doktorspielen vorerst zwar nicht werden, aber ein großer 90-Minuten-Film unter dem Titel "Schwarzwaldklinik - die nächste Generation." Das Glottertal ist vorbereitet. Für die nächste Generation von Schwarzwaldklinik-Fans.

Jehle: Ich denk, wir sind parkplatzmäßig gerichtet.

Und so sieht man optimistisch in die Zukunft. Eugen Jehle, Bürgermeister der 3000-Einwohner-Gemeinde Glottertal hofft auf die Rückkehr der Fernseh-Touristen.

Jehle: Ich denke, dass jetzt halt auch diese einmalige Sendung noch einmal dazu beiträgt, dass unser Bekanntheitsgrad nochmals gesteigert wird. Und inwieweit es messbar sein wird, weiß ich nicht, aber es ist für uns eine Werbung, die wir uns sonst nicht leisten könnten.

Klaus Nieke vom Tourismusverband Schwarzwald-Süd hofft auf die Rückkehr der Fernseh-Touristen.

Nieke: Wenn die Schwarzwaldklinik 2005 mit einem etwas längeren Spielfilm noch mal eine Wiederauferstehungsgeschichte erfährt, dann werden wir das spüren. (...) Wir werden also zeitnah zu dieser Sendung in die Öffentlichkeit gehen und auch Schwarzwaldwerbung machen, damit die Leute wissen, wenn die Schwarzwaldklinik läuft, oh das wär doch toll, wenn man mal hier ne Woche Urlaub macht, wo hier gedreht wurde.

Carl Hofmeyer vom Heimatmuseum Hüsli hofft auf die Rückkehr der Fernsehtouristen.

Hofmeyer: Es kommt jetzt ganz drauf an, wie der Film ankommt. Weil ich hab schon gehört, wenn der Film vielleicht gut ankommt, wird das ZDF doch ein bissle weitermachen. Keine Serie mehr, aber vielleicht so wie zwei Filme pro Jahr über den Schwarzwald, und das wäre dann mehr Werbung.

Und Fritz Schill, Souvenirhändler und Cafébetreiber im Glottertal hofft auf die Rückkehr Fernsehtouristen.

Schill: Ja, ich bin mal gespannt. Alle sagen es: Sie werden schon noch mit Leuten gesegnet sein. Und also, ich hoffe doch, und ich bin froh, und ich glaube wir sind motiviert, dass wir nochmal einen Ansturm überstehen, und jaja, ich hoffe doch.

"Brinkmann", SW-Klinik: Tut mir leid, meine Herren, ich muss sie um Geduld bitten.

Nur einer ist nicht ganz so hoffnungsfreudig.

Däntjer: Ja, die Freude ist etwas gedämpft, weil von den Erfahrungen, was ältere Kollegen von früher berichten, ging es damals heiß her und wir hoffen nicht, dass es wieder so hergeht. Ich mein, gegen jemand, der hier mal vor's Haus geht, n Foto macht und wieder geht, haben wir nichts. Aber die Leute wollen unbedingt rein, und führen sich auf, dass es eigentlich nichts mehr mit vernünftigen Manieren zu tun hat, und dann sind unsere Patienten belästigt und das kann nicht sein.

Findet Carsten Däntjer, Leiter der Schwarzwaldklinik. Der wirklichen, die in Wirklichkeit Glotterbad heißt und in Wirklichkeit eine Familien-Rehabilitationsklinik ist.

Däntjer: Das heißt, wir nehmen Eltern mit ihren Kindern auf, und behandeln die hier unter der Sichtweise, dass wenn ein Familienmitglied chronisch erkrankt ist oder gesundheitlich belastet, das immer Auswirkungen auf die ganze Familie hat. Und wir versuchen, den Blick auf die gesamte Familie und die Auswirkungen, die sich halt innerhalb dieser Familie ergeben, zu sehen.

Carsten Däntjer ist 35 - den Touristensturm auf die Klinik vor 20 Jahren kennt er nur vom Hörensagen.

Däntjer: Ich hab das zwar hier nicht miterlebt, als hier der Trubel war, dennoch war ich alt genug, um Fernsehen gucken zu können.

Die kleine Klinik mit 95 Betten liegt an einem Hang. Die ein Kilometer lange Auffahrt ist nur für Anlieger frei. Touristische Neugier gilt nicht als rechtmäßiges Anliegen. Ein Schild am Fuß der Straße weist auf das Verbot hin. Ein zweites Schild gleich darunter weckt Verlockungen, das Verbot zu übertreten. "Klinik Glotterbad, Drehort der Fernsehserie "Schwarzwaldklinik" " steht da.

Däntjer: Die Leute wissen ja, dass es hier irgendwo sein muss, also wären sie kreuz und quer durch alle Klinikgelände und Feld, Wald und Wiese gelaufen, da kann man ihnen auch gleich sagen, wo's lang geht.

Zu Fuß lang geht. Wer oben ankommt, wird nicht enttäuscht. Tatsächlich hängt überm Eingang das heimatheimelige Schnörkelschriftschild "Schwarzwaldklinik" und gleich daneben im selben urigen Design der Hinweis "Notaufnahme". Die ZDFler haben die Pappen nach den Dreharbeiten einfach hängen lassen.

Däntjer: Man gewöhnt sich einfach sehr schnell dran und sieht sie nach kurzer Zeit schon gar nicht mehr. Ich will sie aber wieder abnehmen.

Zumal die Zufahrt zur Notaufnahme in Wirklichkeit nur ein Lieferanteneingang ist.

Däntjer: Hier gibt's keine Notaufnahme und auch keinen Operationssaal. Also hier drin wurde nie gedreht, dass die Schauspieler hier drin mal aufs Klo sind und sich umgezogen haben, das ist klar.

Heute mag das klar sein. Vor 20 Jahren dagegen war vielen überhaupt nicht klar, was ein reales Örtchen ist und was ein Drehort für Fiktionen. Fernsehgläubig pilgerten die Besucherscharen ins Glottertal und waren fest davon überzeugt, alles und jeden genauso anzutreffen wie in der Serie gesehen. Bürgermeister Eugen Jehle erinnert sich.

Jehle: Die Leute sind gekommen, die Leute wollten das Gebäude sehen, die waren mehr oder weniger enttäuscht, weil der Professor nicht hier war, weil auch die Schauspieler nicht am Ort wohnen, was man eigentlich auch erwartet hat. Die Leute waren enttäuscht, dass man das Gebäude nicht besichtigen konnte.

Und am größten war die Enttäuschung, dass Professor Brinkmanns privates Domizil, ein schnuckeliges Schwarzwaldhäuschen nicht wie in der Serie nur anderthalb Autominuten um die Ecke liegt.

Jehle: Man war auch enttäuscht, weil man gedacht hat, des Hüsli wär in unmittelbarer Nähe der Klinik, aber das sind ja fast 40 Kilometer entfernt von hier, der Titisee ist nicht grad um's Eck, also die Dinge, die durch diesen Einleitungsschwenk im Film so soggeriert worden ist als wär das alles hier auf drei, vier Kilometer."

Nach einer Stunde kurviger Fahrt von der Klinik durch den Hochschwarzwald hat man es erreicht: das Hüsli, Professor Brinkmanns rustikalen Landsitz. In Wirklichkeit ist es ein Heimatmuseum - und es war einmal die Villa der Kammersängerin Helene Siegfried.

Hofmeyer: "Ja, die Frau Siegfried war Fabrikantentochter aus Lörrach, aus'm Wiesental und ist um 1900 nach Berlin als Konzertsängerin. Und 1911 hat sie sich hier dieses Haus als Ferienhaus gebaut für die Monate im Sommer. Bis 1966, sie hat ja im Zweiten Weltkrieg Hab und Gut verloren. Hat sich hier in ihr Haus zurückgezogen, und damit sie nach dem Krieg wieder Geld hatte zum Leben, war sie gezwungen, dieses Haus zu verkaufen. Sie hat es dem Landkreis verkauft, sie hatte aber Wohnrecht bis zum Tode. Und hat bis 66 auch drin gelebt, bis sie im 100. Lebensjahr verstarb. Und seit 68 ist es das Museum.

Und Carl Hofmeyer ist sein Leiter. Zugleich Museums-Verwalter, Museumsführer und ständiger Museums-Bewohner. Im Obergeschoß lebt er. Im Untergeschoß lehrt er: Heimatgeschichte. Von der Frau Kammersängerin bis zum Herrn Klinikprofessor.

Hofmeyer: Schwarzwaldklinik gehört jetzt einfach zu dem Haus dazu. Das ist Heimatgeschichte. Das gehört heute einfach dazu, dass Schwarzwaldklinik hier gedreht worden ist, und viele Leute kommen nur wegen Schwarzwaldklinik, auch heute noch.

Und so ist Hofmeyers Hüsli-Führung stets eine doppelte. Heimatgeschichte und Fernsehgeschichte. An diesem Tisch in jener Stube hat Helene Siegfried einst geschrieben -

Hofmeyer: Das ist die Bürostube von der Frau Siegfried.

Und Klausjürgen Wussow einst gesprochen.

Hofmeyer: Hier an dem Tisch sind ab und zu Telefongespräche geführt worden.

Auf dieser Bank an jenem Fenster genoss Helene Siegfried einst herrliche Tage -

Hofmeyer: Da hatte die Frau Siegfried früher n schönen Blick auf die Alpen, die Alpenkette.

- und Klausjürgen Wussow ebensolche Nächte.

Hofmeyer: Das war schon ergreifend, als die Filmgesellschaft hier war zum Drehen, vor allem nachts. Wenn man diesen künstlichen Mond aufgestellt hat, das war also schon romantisch.

Es war einmal. Fernsehhistorische Kultstätten. Anders als in der Klinik sind im Hüsli reales Örtchen und Drehort der Fiktion identisch.

Hofmeyer: Das war früher schon die Toilette von der Frau Siegfried, ist heute noch die Damentoilette.

Höhepunkt des intimhistorischen Rundgangs: das Schlafzimmer - was Frau Siegfried dort tat, verschweigt die Geschichte. Aber was Herr Wussow trieb, ist bekannt.

Hofmeyer: Dieses Bett hier hat man im Fernsehen am meisten gesehen, da war ja die Gaby Dohm, ist hier einmal im Bett gelegen, als der Professor Brinkmann die Treppe hoch geschlichen und nach ihr geschaut hat. Auch der Sascha Hehn mit der Olivia Pas-, ne mit dem Kindermädchen, der Anja Kruse, war auch hier im Bett. Und das war immer lustig, weil das Bett ist ja nur eins-siebzig, war das sehr kurz, da mussten die immer die Füße hier unten über die Bettlade hängen. Ein Bild für die Götter.

Und doch nicht heilig genug - für die Pilgerreisenden, die im Hüsli den Halbgott in Weiß persönlich anzutreffen hofften. Und heilender Hilfe harrten.

Hofmeyer: Oft hat's Tränen gegeben, weil Professor Brinkmann nicht hier war. Eine Frau war mit dem Bus unterwegs hier, die Drehorte der Fernsehserie Schwarzwaldklinik zu besichtigen, hier das Hüsli war der letzte Drehort. Und die hat geweint und hat gesagt, sie hat die Heilquelle nicht gefunden, und sie hat ihrer Freundin versprochen, sie bringt Heilwasser mit und sie kann so nicht zurück, und ich solle ihr doch verraten, wo die Heilquelle ist. Und da hab ich hier Wasser abgefüllt und hab gesagt, das ist auch sehr gutes Wasser.

Zurück im Glottertal. Wo übers Wasser die Klausjürgen-Wussow-Brücke gebaut ist. Sie heißt tatsächlich so. Allerdings handelt es nur um einen kaum zwei Meter kurzen Fußsteg. Und das Wasser, das Wasser darunter ist nur ein winziges Rinnsal. Aber der Ort, den man über den Steg erreicht, ist durchaus größer dimensioniert. "Busse willkommen" steht an der Hauswand des Cafés und Souvenirladens von Fritz Schill. Es war einmal - ein Frisörgeschäft.

Schill: Ich bin ja von Beruf Frisör, Frisörmeister. Ich hatte Lehrlinge ausgebildet, ich hatte Frisösen, aber es war alles nicht ganz einfach. Es lief auch nicht so gut, wir sind hier am Ende des Tales, außerhalb. Und wir haben immer überlegt, was machen wir? Dann hatten wir früher Souvenirladen und hatten den ganz aufgegeben. Haben dann mit Café angefangen, vor über 25 Jahren. Aber es war alles nicht so das Gelbe vom Ei. Und dann kam diese glückliche Schwarzwaldklinik, das hat uns natürlich viele Leute gebracht und das hat unser Geschäft, ich möchte fast behaupten, das hat unser Geschäft gerettet.

Denn dies Geschäft liegt genau am Fuße der Zufahrt zur Klinik. Wo sich vor 20 Jahren unerwartet seltsame Dinge taten.

Schill: Es war ja auch hier noch n bisschen ganz anders. Das war ein ganz einfacher Weg da hoch, kaum geteert. Und man nahm da irgendwas wahr, es wurde auch erzählt, da oben wär' das Fernsehen. Und dann, als das das erste mal ausgestrahlt wurde, dann war das, das war ne Sensation, das ist ja direkt hier in der Nähe. Und dann kamen gleich zwei nette Herren, die waren von der Bild-Zeitung, die saßen bei uns dann vorne im Café und haben mir prophezeit und haben mir gesagt: wir warten hier so lange, bis die ersten hundert Touristen kommen, das sind dann in Kürze tausend, dann kommen die, dann laufen die in Scharen. Und ich hab gelacht, ich hab dann gesagt, wenn ein Prozent dessen stimmt, was ihr erzählt, das wär' natürlich super, dann wären wir froh. Es hat zu tausend Prozent gestimmt.

Zigtausende haben sich seitdem bei Fritz Schill für den Aufstieg zur Klinik gestärkt. Niemand kam an seinem Café vorbei. Auch nicht die Schauspieler der Serie.

Schill: Also, die kamen ab und zu mal rein, auf ne Tasse Kaffee, so zwischen dem Dreh. Und ich hab damals eins gemacht, ich hab den Herrn Wussow angerufen, mit dem ich heute per Du bin, und da hab ich gesagt, ach ich würde ihn gerne mal kennen lernen. Und dann hat er sich sehr nett geäußert und hat gesagt, ja, er kommt mal vorbei, und so ist das also gewesen, er kam zu uns, und ich muss sagen, es war gleich ne Sympathie vorhanden und wir waren auf derselben Wellenlänge.

Es war einmal - heute erinnern Dutzende Fotos und Souvenirs in Vitrinen und Schaukästen des Cafés an die Zeit. Eine große Zeichnung der Fernseh-Klinik mit Autogrammen aller Beteiligten hängt an einer Wand.

Schill: Das hab ich selber gemalt, jaja, das hab ich selbst gemalt an zwei Abenden. Und hab ich mir die mit den Unterschriften versehen lassen, als die da waren.

Ein imposanter Gedenkstein steht draußen vor der Tür.

Schill: Ich wollte irgendwelche Zeichen setzen, und hab gesagt: ich muss was machen vor dem Haus, ich muss dieser Sache irgendetwas Denkwürdiges setzen, weil das hat - wie gesagt - unser Leben so beeinflusst, und dann hab ich da so'n Gedenkstein machen lassen, wo ja die Unterschriften der Schauspieler drin sind, und die Klinik eingeprägt ist, das ist so'n Sandstein.

Es war einmal. Vor langer, langer Zeit. Die letzte große Fernsehtouristenwelle kam Anfang der 90er Jahre ins Tal.

Bürgermeister: Durch die Neuen Bundesländer. Bevor man nach Mallorca geflogen ist, ist man vielleicht erst einmal in den Schwarzwald gefahren, aber die waren jetzt auch mal hier bei uns und das hat halt auch wieder nachgelassen, das muss man ganz klar sehen.

Dann kamen noch einige Besucher aus den 38 Ländern, in die das ZDF die Serie später verkauft hat.

Schill: Wir hatten ja Leute aus der ganzen Welt. Ich hab mir n Gästebuch zugelegt. Südafrika, Mauritius, Seychellen, weiß Gott wo, auch die nördlichen Länder von Finnland bis Island. Aber ganz besonders aus den östlichen Ländern, Ungarn, Polen.

Und dann war Schluss. Mit dem Brinkmann-Boom.

Hofmeyer: Wir sind jetzt wieder unter den Besucherzahlen wie früher.

Weiß Hüsli-Hüter Hofmeyer. Und Klaus Rieke vom Tourismus-Verband Südschwarzwald bestätigt.

Nieke: Heute sind wir wieder auf dem Niveau von damals, das heißt, es hat sich wieder auf ein Normalmaß eingepegelt.

Und so wartet man im Glotterfal auf die nächste Besucherschwemme - ausgelöst von der Druckwelle neuer Fernsehgefühlsfluten.

Schill: Wir sind wieder so weit wie vor 20 Jahren, dass alle wieder auf besseres Programm warten, also wieder n bisschen mehr ne heile Welt, also ne geordnete Welt.

Die wunderbare Wussow-Welt. Fritz Schill ist schon wieder in sie eingetaucht.

Schill: Klaus-Jürgen Wussow hab ich letzte Woche mit seiner Frau getroffen. Und es war wieder eine wunderschöne Begegnung, wir saßen ne ganze Zeit zusammen, wir haben Kaffee getrunken, und ich muss also sagen, ich bin von seiner jetzigen Frau nicht enttäuscht bzw. überrascht im positiven Sinne. Sie sorgt sich um ihn und er hat ja auch finanziell schon große Probleme. Und sie gibt sich alle Mühe, dass sie ihn aus der Bredouille, aus dieser Sache rausbringt. Und jetzt hat er ja auch wieder n bisschen Aufschwung durch die Dreharbeiten. Er ist wieder in aller Munde und ich hoffe doch, dass es ihm wieder besser geht.

Alle hoffen im Glottertal. Dass alles wieder gut wird. Wenn die Schwarzwaldklinik wieder ins Fernsehen kommt. Und der Touristenansturm hoffentlich hinterher. Die Reisevoraussetzungen sind günstig. Ein sterbender Wald wie vor 20 Jahren verschreckt potentielle Besucher nicht mehr, meint der Schwarzwald-Touristiker Klaus Rieke.

Nieke: Ich hatte neulich ne Meldung gehört, dass das Waldsterben jetzt noch viel schlimmer sei und noch viel mehr Bäume erkrankt seien wie damals vor 20 Jahren. Vor 20 Jahren hat man das alles irgendwie auf den Schwarzwald bezogen. Heute gibt es das Waldsterben überall, nicht nur im Schwarzwald, aber heute redet komischerweise kein Mensch mehr davon, das ist anscheinend kein Problem mehr. Heute hat man andere Probleme.

Es ist eben alles eine Frage der Sichtweise. Und wir sehen die Welt und ihre Probleme nun mal durchs Fernsehen.

Hofmeyer: Das sieht im Film alles anders aus. Die Farbe, durch Weitwinkel, durch die Technik - man erkennt es kaum nachher wieder im Film, wenn man das hier sieht.

Und falls man es sehen will. Demnächst im Fernsehen: die Ansicht einer heilen Welt von vor 20 Jahren. Es war einmal - ein Eingriff am offenen Zuschauerherz. Der - wie jeder zweite Eingriff - ungleich risikoreicher ist. Hoffen wir: auf Professor Brinkmanns Operationsbericht.

"Brinkmann" aus SW-Klinik: Na, was ist? - Aussichtslos. - Nicht zu fassen. - Tja, meine Herren tut mir leid.
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