LänderReport
LänderReport
Montag bis Freitag • 13:05
7.12.2004
Mehr als nur Missingsch
Der Hamburger und seine Sprache
Von Knut Benzner

Das Rathaus von Hamburg (Bild: AP)
Das Rathaus von Hamburg (Bild: AP)
Hamburg hat, bei Licht betrachtet, drei Sprachen. Da ist, als offizielle Umgangssprache sozusagen, das Hochdeutsch. Dann, als zweite Sprache, gibt es diese eigentümliche Hamburger Mischform, das Missingsch. Und da wäre noch das Platt. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht, noch anzutreffen in Neugraben, Moorfleet und Moorburg, und somit in den am Rande gelegenen Stadtteilen, die an den Elbarmen liegen.

Jan Fedder: "Hanse. Für Hanse. Kaufmanns- und Städtebund im 13. bis 17.Jahrhundert, ... Hanseat ... Plural, een Hanseaten, Hanseat, 1. Hansestädter, besonders Bewohner Hamburgs, 2. Soldat der Hanseatischen Legion von 1813-14."

Hamburg also.

Fedder: "Hanseatenhuur. Schimpfwort. Hanseatenklepperisch, für Schimpfwörter, Hanseatenkoken, siehe auch wie Hanseat."

Man spricht Deutsch in Hamburg. Hochdeutsch. Zwar angeblich nicht das Beste, das soll etwa 150 Kilometer südlich gesprochen werden, in Hannover, aber auch mit dem Hamburger Hochdeutsch kommt man durch.

Fedder: "Hansebeeker. Das meint Hansebecher, Trinkpokal, ... daher kommt der Name, das ist jetzt privat von mir: Störtebeker, weil Störtebeker heißt "Stürz den Becher".

Hätte er Nachfahren, der Pirat, die würden das noch heute tun.
Jan Fedder, verständiger Vorabend-Polizist und Schauspieler, zurzeit einer der beliebtesten seines speziellen Fachs, kennt sich mit Bechern aus.

Die Sprache, die Störtebeker sprach, Platt, so ist anzunehmen ...

Fedder: Arsback. Für gewöhnlichen Plural Gesäß, oder dazu Arsbackengesicht. ... Volles, rundes Gesicht. Arsband. Das meint ein Schürzenband über oder unter dem Gesäß. Arsbedräger. ... Arsbeln. Arsbacken.

... diese Sprache ist verschwunden.

Fedder: "Ich sach das mal ganz privat: Arschbacken."

Jürgen Meier: Hamburgisches Wörterbuch Band 1, 2, 3.

Band 4 und 5 hat Jürgen Meier nicht erwähnt. Denn fünf Bände wird das Hamburgische Wörterbuch letztlich haben.
Jürgen Meier, 67, Professor für Sprachwissenschaft des Deutschen, mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Dialekte. Sein Hauptarbeitsgebiet allerdings: Das Hamburgische Wörterbuch. Ein Wörterbuch der Hamburger Mundarten seit dem späten Mittelalter bis zur Gegenwart. Professor Meyer lehrte, da pensioniert, und forscht, besser gesagt: Vollendet jenes Wörterbuch als dessen Herausgeber in der Arbeitsstelle, wie Henner Wachholtz gleich sagen wird. Somit an der Universität in Hamburg.

Henner Wachholtz: "Das Hamburger Wörterbuch ist ja praktisch ein Wörterbuch, wie man es auch von den Fremdsprachenlexika kennt - dort sind alle Wörter aufgeführt, die in der Arbeitsstelle erfasst worden sind und die die Hamburger Ausdrücke erklären."

Fedder: "Singerey. ... Singetrüt ... Singsang. ... de han u wohl fürn Sängerin, jedoch fürn Singsang keen Sinn."

Wachholtz' Verlag gleichen Namens - inzwischen in vierter Generation - sitzt ein paar Kilometer nördlich von Hamburg, in Neumünster. Henner Wachholtz, 49:

Wachholtz: "Beim Platt in Hamburg ist immer auch gleich das Herz so ein bisschen angesprochen, wenn man's hört."

Sagt der Schleswig-Holsteiner.
Hamburg. Knapp zwei Millionen Einwohner. Statistische Erhebungen, wie viele Menschen platt snaken ... 1984 gab es die letzte. Allerdings für das gesamte niederdeutsche Sprachgebiet.
Erstaunlicher Weise antworteten vor 20 Jahren 40 Prozent der Hamburger - in Selbsteinschätzung -, noch Platt sprechen zu können. Ob sie es tatsächlich sprachen, hatte die Erhebung nicht abgefragt. Und sogar 70 Prozent behaupteten, Platt zu verstehen.

Meier: "Was erklärt, dass das Ohnsorg-Theater, in dem ja plattdeutsche Stücke gespielt werden, ein so großes Publikum hat und das am besten frequentierte Hamburger Theater ist."

Ist das Ohnsorg-Theater traditionell nicht eher in der Tendenz touristisch temperiert?
Professor Jürgen Meier:

Meier: "Plattdeutsch war bis in's 19. Jahrhundert hinein Umgangssprache, nicht nur der unteren Bevölkerungsschichten, sondern auch, wir haben viele Literatur darüber, die das bezeugt, auch der höher gestellten Gesellschaftsschichten. Thomas Manns "Buddenbrook" schildert für Lübeck das ähnliche, der große Einbruch beginnt eigentlich Ende des 19. Jahrhunderts mit der Industrialisierung, mit ... der Bevölkerungsexplosion hier in Hamburg, wo sehr viel Zuzug von Außen da war, natürlich auch mit dem Ausbau des Bildungswesens, Schulpflicht, das alles hat doch dazu geführt, ... die Mundarten ... speziell hier in Hamburg immer mehr an den Rand zu drücken, so dass also ... sehr viel mehr Niederdeutsch sprachen als heute noch es tun."

Auf den buchstäblichen Rand kommen wir zurück.
Die Industrialisierung, und damit die Ausbreitung der Industrie im Verhältnis insbesondere zum Handwerk und zur Landwirtschaft im engeren und im weiteren Sinne zugleich die Expansion aller Bereiche, in denen der Hamburger Handel durch spezialisierte Standortproduktion und vormoderne Verfahren Macht, Einfluss und Reichtum visualisierte, zog Arbeitskräfte an. Die industrielle Revolution machte den Zuzug von Arbeitskräften in eine Hafenstadt wie Hamburg geradezu erforderlich.

Meier: "Ja, das Eigenartige ist dabei, dass der Zuzug aus niederdeutschsprachigen Gebieten größtenteils erfolgte, Mecklenburg war also ein Hauptlieferant neuer Bürger, und die sprachen auch Platt, aber die sprachen ein anderes Platt, und sie wurden nicht ernst genommen, Mecklenburg ... hieß damals im Niederdeutschen "datt Land eien", aus dem Grunde, weil das lange "e" in Mecklenburg diphthongiert wird zu "ei", zu einem Umlaut wird, zu einem Diphthong, zu einem Zwielaut, ist es korrekter ausgedrückt, und damit wurden die Mecklenburger gehänselt, was sicherlich dann auch die Folge hatte, dass sie auf ihre Mundart ganz verzichteten und Hochdeutsch sprachen."

Und so war der Zuzug platt Sprechender, aber eben eines anderen Platts, ein weiterer Grund für den Rückgang des Hamburger Platt.
Die ersten Ausländer kamen, so Meier, später. Aber auch nicht so sehr viel später.

Meier: "Italienische Gastarbeiter hatte man schon relativ früh hier in Hamburg, ..., es gab auch polnische Landarbeiter hier in den ländlichen Gebieten, Hamburg ist ja ein Stadtstaat mit ländlichem Umfeld, also Gastarbeiter aus anderen Ländern gab es schon viel früher, als wir uns heute weiß machen wollen, das ist nicht erst eine Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen, sondern das hat es viel früher auch schon gegeben."

Sprachlich ohne jeglichen Belang! Denn weder gab es Einflüsse sagen wir des Italienischen auf das Hamburger Platt noch auf die Hamburger Umgangssprache.

Meier: "Nach meinem Wissen ist nirgendwo etwas nachgewiesen, und ich bin ziemlich sicher, dass es so ist."

Innerstädtisch hat es Zentren gegeben, in denen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe Platt sprach: Das Proletariat, die Arbeiterschaft.

Meier: "Ganz gewiss in der Arbeiterschaft, und die Arbeiterschaft, ... nach dem Bau des Freihafens wurde sie ja weit gehend ausgesiedelt, nach Hamm, Horn, das sind also Stadtteile heute, und Barmbek, das sind dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts also wirklich noch die Zentren auch des Dialekts gewesen, da haben überwiegend dann doch die Dialektsprecher auch gesessen, wobei aber der Hafenbereich generell, auch die Kaufmannschaft wird zumindest die Kompetenz gehabt haben und dann mit der Arbeiterschaft auf Plattdeutsch gesprochen haben, in den Speichern, in den anderen Betrieben des Hafens."

Im Hafenplatt. Unter den Schauermännern, Ewerführern, den Quartiers- und Tallymännern bis hin zum Inspekteur!
Gemeine Mundarten neben Fachmundarten, die in den unterschiedlichen beruflichen Feldern gesprochen wurden. In Hamburgs Fall natürlich: Handel, Hafen, Seefahrt.

Fedder: "Körwagen. Körwogen, das meint ein Kürstuhlwagen, so hießen die sechs- bis achtsitzigen Leiterwagen. Körwoder. Niederschlags- und Drangwasser, das bei Hochwasser durch die Deiche in die binnen liegende Marsch sickert."

Ein kleines Stückchen hinter der Marsch, in Hausbruch, zwischen Harburg und Neugraben. Immer noch Hamburg.

Klaus Lippmann: "Min Nom is Klaus Lippmann, ick ben Seiler …"

Seiler, im Unterschied zum Reepschläger. Dem Hamburg bzw. St. Pauli wohl eine recht bekannte Meile - jene sündige - zu verdanken hat.
Aber gleich nebenan: Die Seilerstraße.

Lippmann: "Vorher gaeb dat mol twei Berufe, den Reepschläger und den Seiler, un hüt gevt dat bloß noch den Seiler, und ick hev also ok vonner Pike an Seiler lehrt."

Klaus Lippmann ist 63.

Lippmann: "De Urgroßvater, der de Firma mol gründet het, is utn Hoarz herwandert, hät in Ouhlwarder denn sin Deern kennen lehrt, und het sich dacht, dat is eine gote Gegend för so'n Seiler, mit de Büren und mit de Fischereihoben vör de Dör und denn den groten Hamburger Hoben, na aj, und dat wi so lang utholen het, kann man ja saern richtich dacht."

Hoben = Hafen. Ouhlwarder = Altenwerder.

Lippmann: "Ouhlwarder, Altenwerder, ... wo jetzt bloß noch de Kerch steit, ne."

Wo jetzt bloß noch die Kirche steht - weil das Dorf dem CTA, dem Container Terminal Altenwerder weichen musste.
Da kommt er her, der 63-Jährige.

Lippmann: "Und in Ohwarder wor dat plattdütsche Snacken ganz üblich. Komischerwies het alldings mit mir inne Kindheit keener platt snackt, obwohl de ganze Familie platt snackt het, ich heb det erst später noch Moorwerder to lehrt."

Das Platt ist unterschiedlich auf diesen Elbinseln.

Lippmann: "Und jeide Insel hät ihr eigenes platt."

Das Beispiel: Finkenwerder, Altenwerder.

Lippmann: "Ja wen Se zum Beispiel in Finkenwarder platt heuern, denn segt he: Hess keen Iern in Kopp, kannst nich hiern. Und de in Ouhlwarder segt denn: Hest keine Ohrn in Kopp, kannst nich heuern."

Beides hieße: Hast Du keine Ohren am Kopf, kannst Du nicht hören?

Lippmann: "Also eine ganz dütliche Unterschäidung."

Diese "deutliche Unterscheidung"... Hier und da spricht Lippmann platt.

Lippmann: "Jo, in der Groten giv det och noch sone Grupp, wo de Ouhwarder, nich dat Ouhwarder, sondern dat platt snacken überhaupt immer noch wedder plegt ward, ne. Un in Finkenwarder ist dat ja och immer noch üblich, so unter de uhle Bevölkerung, da ward no platt snackt. Do gevts natürlich 'n huopen Togereiste, de überhaupt kein platt mehr können, Fluchzeuchbau und solche Geschichten, nech, war dat natürlich immer mehr Lütt, die käin platt mehr snacken könnt. Da reduziert sich natürlich immer mehr ob de ohlen Inwohners."

Die vom Flugzeugbau, die, die in Finkenwerder bei Airbus arbeiten, die sprechen sicherlich kein Platt.
Die alten Berufsgruppen sind ausgestorben.

Lippmann: "De Seilmoker, nich, dat war ja denn nich de Reepschläger oder de Seiler, sondern de Segekmoker …"

Der Segelmacher.

Lippmann: "… nich, oder de Togler, oder denn gevt dat ja och de Vizen, nech, also dat sind all so Begriffe von ohle Berufsbetechnungen, die sich also och sogar noch mit in dat Hochdütsch rüberrett hebt."

Togler = Takler. Viz oder Vize = Aufseher im Schuppen.
All diese Berufe gibt es nicht mehr, und wie lange sich diese Berufsbezeichnungen, die sich, wie Lippmann eben sagte, ins Hochdeutsch hinübergerettet hatten, halten werden, ist fraglich. Denn mit dem Verlust der Berufsbezeichnungen wird Wissen und Kulturgeschichte sterben.
Lippmann hat seine Hausbrucher Seilerei im Dubbenwinkel. Dubben = Flurname für mooriges Gemüseland. Moorburg ist von Hausbruch nicht weit.
Professor Jürgen Meier:

Meier: "Die Gelegenheit muss ja da sein, man muss also dann schon Vertraute, Bekannte haben, die es auch können, aber gerade in den Landgebieten, also in den Vier- und Marschlanden, ein Gemüseanbaugebiet, oder das Alte Land, das zum Teil zu Hamburg gehört, im anderen Teil zu Niedersachsen, wo überwiegend Obst angebaut wird, wird noch Plattdeutsch gesprochen. Wenn ich zum Markt gehe und Äpfel kaufe, mit meinem Obsthändler spreche ich Plattdeutsch."

Die Ränder. An den Rändern Hamburgs trifft man Platt an, im innerstädtischen Bereich kaum mehr. Vielleicht am Ballindamm, bei einem Hamburger Kaufmann.
Meier wohnt in Bucholz. In der Nordheide. Niedersachsen.
Der Obsthändler, der Appelhöker, ist aus dem zu Hamburg gehörenden Umland.

Meier: "Appelhöker, das ist der Obsthändler, Höker ist die alte Bezeichnung für einen Kleinhändler, ... also die ganze Familie spricht Platt, ... das sind bestimmte Typen, die man mit der Mundart in Verbindung bringt, ... es sind so auch ... Klischeevorstellungen, die mit der Realität sich nicht immer decken müssen."

Mit den Klischeevorstellungen war die manchmal vermutete Behäbigkeit des Platt-Sprechers gemeint.

Fedder: "Oder lass uns doch liebe hier den Pütter, Pütterachtein, ...das ist doch viel lustiger. Pütter. Pütterachtein, das heißt unbeholfener Mensch … und Püttertüch für irdene Gefässe, Geschirr."

Platt muss alles andere als behäbig sein.

Fedder: "Kossack. Kosacke, Kosack, berittener Soldat im zaristischen Russland, übertragen: Schimpfwort für einen unbändigen, wilden Jungen. Kosackenwinter. Der sehr kalte Winter 1813-14, an dem die russische Armee die von den Franzosen besetzte Stadt Hamburg belagerte."

Sprache.
Heimat?
Jürgen Meier:

Meier: "Das ist es sicherlich auch, wenn man Heimat in einem wenig belasteten Sinne verwendet, also nicht Schollengebundenheit, sondern als Identifikationsraum, Raum in dem ich groß geworden bin, in dem ich meine Bekanntschaft habe und der mich auch mit seinen örtlichen Gegebenheiten gefangen hält, ... und diese örtlichen Gegebenheiten sind ja auch sprachlich dann benannt, in diesem Sinne ist Mundart auch Heimat, ja."

Sprache, Platt zumal, ist gleichzeitig auch etwas anderes:

Meier: "Es kann eben ein Mittel der Abgrenzung sein, von anderen Menschen, die man sich auf Distanz halten möchte, man verfällt in die Mundart, um unter sich zu sein. Es kann Identität stiftend sein für bestimmte Gruppen. Das Niederdeutsche wird oft als Nahsprache bezeichnet, es ist eben der freundschaftliche Kontakt, der mit Nachbarn, ... der gerne, wenn die Voraussetzungen da sind, auf Plattdeutsch eben betrieben wird."

Der Small Talk ist also eine wesentliche Domäne des noch bestehenden Hamburger Platt.
Die Stadtteil und die Straßennamen, die sind erhalten geblieben.
Uhlenhorst, Wandsbeek, im Gegensatz zu Barmbek mit zwei "e", die vielen Redder, der Kleine und der Große Burstah, die Twieten, und, jetzt endlich: Die Reeperbahn.

Das Hamburgische Wörterbuch. Meier arbeitet bereits lange daran.

Meier: "Ich bin, als ich an diese Stelle hier kam, mit der Leitung der Arbeitsstelle betreut, das ist, muss ich einen Moment überlegen, das ist 1973, 1974 gewesen, also seit 30 Jahren."

Sein Lebenswerk.

Meier: "Das ist mein Berufsleben, wenn Sie so wollen, es ist meine erste, nach der Assistentenzeit meine erste richtige Stelle hier gewesen, und das ist eine Stelle, die für die Wörterbucharbeit geschaffen worden ist, nebenbei Lehrverpflichtung enthielt, natürlich Prüfungsaufgaben, Selbstverwaltungsaufgaben mit einschloss, aber dann als Hauptarbeitsfeld das Wörterbuch hatte."

Und irgendwann wird es dann fertig sein.
Henner Wachholtz, sein Verleger:

Wachholtz: "Die Bände werden in zwei Jahren vollendet sein. Wir haben gerade den dritten Band vollendet und haben also schon dreiviertel der Wegstrecke beschritten. Wir werden jetzt noch acht weitere einzelne Lieferungen bekommen und dann wird das Hamburger Wörterbuch endlich vollendet sein."

Damit ist es, was den Sprachbereich bis zum heutigen Tage angeht, abgeschlossen.

Wachholtz: "Aber es ist ja nicht auszuschließen, dass das Platt auch noch neue Worte entwickelt, so dass dann irgendwann auch noch mal ein Nachtrag kommen müsste."

Platt ist übrigens keinesfalls mit der in Hamburg ebenfalls gesprochenen Sprache, dem Missingsch, zu verwechseln.

Meier: "Missingsch, der Name deutet es an, dahinter verbirgt sich Mischsprache, es gibt andere Etymologien, aber mit Mischsprache ist es immer dann übersetzt worden, auch mit recht übersetzt worden, ... und viele Leute lernten Hochdeutsch nur bis zu einem gewissen Grade, sie wuchsen Niederdeutsch auf, lernten Hochdeutsch, aber lernten es nicht vollständig, und dieses halbe Hochdeutsch ist dann das Missingsch, also ein Hochdeutsch, das noch sehr stark von niederdeutschen Elementen im Wortschatz, in der Grammatik dann durchsetzt ist."

Ollns kloar.
Spricht Professor Meier platt?

Meier: "Ja. Shall ick dat doen, Du?"

Warum nicht.

Fedder: "Koschiet. ...Auch Kauschiet, ... oder Kot des Rindes, das stinkt no Koschiet ... Ja, so giv dat dat alns. Und zum Schluß noch die Koschietblum, das ist der Pflanzenname für die Sumpfdotter. Calta Palustris Blanc."

Das war dann Latein. Als Umgangssprache auch tot.

Fedder: "Puttfarken. Das meint Schmutzferkel, a) Schwein, das im Matsch wühlt, b) Spanferkel und säuischer, unflätiger Mensch. Kind, das im Schmutz spielt."

Danke, Herr Fedder.
-> LänderReport
-> weitere Beiträge