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13.12.2004
Der Hanseat
Das Porträt einer norddeutschen Spezies
Von Petra Marchewka

Ein Passant vor der Hamburger St. Michaelis-Kirche (Bild: AP Archiv)
Ein Passant vor der Hamburger St. Michaelis-Kirche (Bild: AP Archiv)
Er trägt dezente blaue Blazer, ist liberal und weltoffen, fällt niemals aus der Rolle: Der Hanseat - jener Nachkomme emsiger Kaufleute, die einmal Koggen auf die Reise schickten, ein Netz von Handelskontoren quer über Europa spannten und einem Städtebund, der Hanse, zu selbstständiger Wirtschaftsmacht verhalfen. Der Hanseat hat Einfluss, bis heute. Er schickt Container-Riesen über die Weltmeere, leitet internationale Geschäfte, prägt das politische Leben seiner Stadt oder fördert die Kultur als Mäzen. Hanseaten sind aus ganz besonderem Holz: Klug wie Helmut Schmidt, originell wie Heidi Kabel, von sprödem Charme wie Hans Albers, gut frisiert wie Marlies Möller und möglichst schick, wie Lagerfeld. Der Hanseat: Das Portrait einer norddeutschen Spezies.

Sie sind unauffällig, sie wissen sich zu benehmen …

Henning Voscherau.

... sie haben einen internationalen Blick ...

War Fraktionsvorsitzender der SPD. Präsident des Bundesrates. Erster Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg.

... sie sind nicht mehr alle reich, vielleicht sogar nur noch die Minderheit, aber sie gehören zusammen, sie halten zusammen ...

Arbeitet jetzt wieder als Jurist. In seiner Kanzlei am Alstertor.

... und sie sprechen das Hochdeutsch sogar auf eine sehr feine, sie unterscheidende Weise aus.

Die Kanzlei Voscherau verbirgt sich in einem Eckhaus hinter einer schweren Eingangstür. Hölzern umrahmtes Glas, durchsichtige Offenheit durch schweres Schmiedeeisen gebrochen.

Aber mien Großmudder hät mit mir plattdütsch snakt, und das is wat ganz anneres as hochdütsch …

Links und rechts der steinernen Treppe Spiegel. Hier kann jeder Gast noch mal den Sitz des Sakkos prüfen.

… denn Plattdeutsch ist ja nicht ein Dialekt des Hochdeutschen, sondern ist eine dem Hochdeutschen verwandte andere germanische Sprache als Altsächsisch, Mittelniederdeutsch, und nun heutiges Niederdeutsch, im Gegensatz zu Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch, Walter von der Vogelweide, und Neuhochdeutsch.

Erster Irrtum: Es ist kinderleicht, einen Hanseaten als solchen zu identifizieren.

Wirklich genuine Hanseaten sind Menschen, deren Vorfahren hier schon vor Jahrhunderten als hanseatische Kaufleute, Reeder, Banker, tätig waren.

Voscherau, am 13. August 1941 als Sohn des Schauspielers Carl Voscherau in Hamburg geboren. Nicht "genuin" hanseatisch also. Aber als Kind einer großzügigen Stadt dann doch ein Hanseat.

Unsere Stadt nimmt auf. Und insofern würde ich vermuten, dass die meisten Hamburger auch von mir, wenngleich meine Vorfahren als Halbleibeigene aus Schleswig-Holstein zugewandert sind - Stadtluft macht frei, im 19. Jahrhundert - heute wohl sagen würden, na ja, der Voscherau, das ist auch ein Hanseat.

Peter Tamm: Ich würde mal sagen, man sollte mal einen Staat gründen nur mit Seeleuten und Hanseaten, der würde funktionieren.

Peter Tamm. Am 12. Mai 1928 in Hamburg geboren. Gilt als einer der mächtigsten deutschen Verlagsmanager. War Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG. Ist international renommierter Marinesammler und -historiker. Der Senat der Stadt Hamburg hat ihn kürzlich mit dem Professorentitel geehrt.

Besonders beeindruckt hat er mich nicht.

Leistet sich in einem historischen Haus an der Elbchaussee ein Schifffahrtsmuseum. Das gilt als weltweit einzigartige private Sammlungs- und Forschungsstätte.

In Hamburg spielen Titel nur eine untergeordnete Rolle. Sie wissen, dass ein Hamburger normalerweise seine Orden nicht trägt.

Peter Tamm, das maritime Gewissen der Hansestadt.

Ich habe eine ganze Menge Orden. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich jemals einer übermäßig aufgeregt hätte. (...) Ich kenne andere, die da hinterher sind. Ich kann damit nichts anfangen. Ich finde, mein Name reicht da eigentlich als Titel.

Zweiter Irrtum: Das Schiff ist ein seelenloses Etwas.

Ich bin wie gesagt geborener Hamburger, meine Vorfahren hatten immer mit der Schifffahrt zu tun, und mein Vater schleppte mich denn schon verhältnismäßig früh in den Hafen, und um mich auch zu begeistern schenkte mir meine Mutter, als ich sechs Jahre alt war, ein kleines Schiffsmodell. Das kostete mal 50 Pfennig, das war 1934, und daraus entwickelte sich denn das Ganze.
Das steht zusammen mit etwa 20.000 anderen Modellen, die alle den selben Maßstab haben. Aber dieses hat mal den Impuls gegeben, mehr zu wissen.

Das Schiff ist konzentrierte Darstellung menschlichen Geistes. (...) Das Schiff ist ein kleiner Staat in sich. Mit allem drum und dran. Mit allem drum und dran.

Peter Tamm zieht an der Zigarre. Qualm ringelt sich hoch in die endlose Höhe des Raumes. Das Büro des Hanseaten gleicht einer Kommandobrücke.

Hamburg hat ja den Spruch 'Das Tor zur Welt', und das isses auch.

Ultramarinblaues Velour zu Füßen, eine meterlange, hölzerne Arbeitsfläche, ausreichend für einen, der die ganze Welt neu konstruieren will. Die Weite des Raumes begrenzt eine Front aus Glas. Dahinter: Die Elbe.

Denn wenn Sie hier bei mir vom Balkon runterschauen, denn können Sie links zur Reeperbahn gehen und rechts fahren Sie nach Australien. Das hat kaum eine andere Stadt in Deutschland. Das ist eine Weltstadt. Und zwar geprägt durch die Schifffahrt. Und Schifffahrt wiederum ist eine internationale Angelegenheit und ist auch der Grundstock zum Wohlstand. Zu allem, was dazu gehört. Das Schiff ist für uns hier in Hamburg ein lebendes Wesen. Und hat auch Seele und Herz und so weiter. Und es verbindet uns mit der ganzen Welt.

Nikolaus W. Schües: Eben sind Sie an dem Modell von der alten Padua vorbei gekommen, die es ja noch gibt, als Kruisenstern ...

Nikolaus W. Schües. Geboren am 2. Februar 1936 in Hamburg. Inhaber der Reederei F. Laeisz. Vizepräses der Hamburger Handelskammer.

… das war das letzte große Segelschiff, das 1926 in Deutschland vom Stapel gelaufen ist, das ist natürlich ein wunderbares Schiff ...

Keine Reederei ist stärker von Mythen umweht als das Haus Laeisz. "Preussen", "Pamir", "Padua", "Priwall" - jeder Schiffsname eine Legende.

… und es wurde ja nach dem Krieg als Padua an die Russen abgegeben, so, nun isses bei den Russen, da segelt es, und wir freuen uns natürlich, wenn's mal den Hamburger Hafen besucht.

Die Reederei des Nikolaus W. Schües sitzt an der Hamburger Trostbrücke. So wie eh und je. Früher trafen hier Hamburg-Altstadt und Hamburg-Neustadt aufeinander. Als verfeindete Gebiete. Gleich an der Brücke ein wuchtiger Backsteinbau von 1898. Das ist der Laeiszhof.

Dritter Irrtum: Die Hanse ist ein alter Hut.

Was ist der Unterschied zwischen zwei Kaufleuten? Zwischen dem hanseatischen Kaufmann und dem anderen Kaufmann? Beide verkaufen ihre Großmutter. Aber der hanseatische, der Hamburger Kaufmann, liefert sie auch.

Händlerehre. Kaufmannsmoral. Verlässlichkeit. Hanseatische Tugenden, heute wie damals. Nikolaus W. Schües verkörpert sie. Mit zurückhaltender Selbstverständlichkeit.

Also der Hamburger Leitspruch sagt: My word is my bond, mein Wort ist mein Scheck, sozusagen. Das gilt. Wenn Sie einmal die Unwahrheit gesagt haben, dann glaubt man ihnen nie wieder, dann sind Sie stigmatisiert. Wir machen nach wie vor in der Schifffahrt Telefonabschlüsse.

Voscherau: Hanseatische Traditionen des Denkens beziehen sich heute auf weltweite, friedliche, verlässliche Zusammenarbeit, wirtschaftliche Zusammenarbeit zum beiderseitigen Vorteil, man sieht sich immer zwei mal oder vielfach im Leben, also versuchen wir unverändert in einer Zeit, in der die Sitten verkommen, Verträge per Handschlag zu schließen und sie dann auch zu halten, denn man sieht sich mehrfach im Leben. Und eine so langfristig angelegte Basis wechselseitigen Respekts und wechselseitigen Vertrauens im Zusammenwirken: Das ist hanseatisch.

Tamm: Die Hanse war mal ein Zusammenschluss aus der Klugheit heraus, dass jeder alleine nichts war, und dass, wenn man sich zusammenschloss, es viel klüger war und viel besser war zu operieren, und das gilt ja heute genauso. Es ist ja besser, man schließt sich zusammen, man ist auch viel ökonomischer, man kann auch gemeinsame Märkte eröffnen, wenn jeder für sich operiert, als Egoist, dann ist das sehr viel schwieriger. Und wir leben ja gerade in einer außerordentlich egoistischen Zeit und nicht in einer Wir-Zeit.

Voscherau: Darum ist es den Hanseaten aus Hamburg und Bremen ja sowohl 1919 wie auch 1945/46 gelungen, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg, gelungen, als in ganz Deutschland die Trümmer des großdeutschen Reiches auch als moralische Hypothek auf allen Bemühungen lasteten, darum ist es den Hanseaten gelungen, aus dem Stand mit den Engländern, mit den Asiaten, mit den Lateinamerikanern sofort wieder neu anzuknüpfen. Weil die wussten: Hanseaten sind anders, auf die kann man sich verlassen, auch nach so einer schrecklichen, teils ja verbrecherischen Periode.

Vierter Irrtum: Hanseatisch sind immer nur die Männer.

Voscherau: Wenn Sie auf dem Frankfurter Flughafen im Erdgeschoss herumlaufen und sehen von Ferne aus 60 Metern von hinten eine Dame Richtung Terminal A schreiten, mit blauen Strümpfen, einem dunkelblau- und grün karierten, Schottenrock-ähnlichen Gebilde und einem dunkelblauen Blazer, dann wissen Sie, es handelt sich um eine Dame aus Hamburg, und sie stammt aus den Elbvororten, aus Flottbek, Othmarschen, Nienstedten, Blankenese. Das weiß man.

Die Kleidung: Korrekt.

Schües: Der blaue Anzug mit Weste.

Blau: Stets die Farbe der Wahl. Blau, so wie das Meer.

Schües: Das, würde ich sagen, ist ein schmuckes Tuch und hat große Qualität, und davon hat man mehrere im Schrank, so dass man nicht jeden Tag den gleichen Anzug anhat, aber es sieht ähnlich aus.

Tamm: Möglichst dunkel, der Anzug. Die Krawatte gestreift.

Die Krawatte: Sichtbarer Ausdruck von Individualität.

Schües: Doch! Man unterscheidet sich zum Beispiel durch die wunderbare Krawatte. (...) Die Krawatte ist variabel, wir haben seit über 30 Jahren eine sehr beliebte Firmenkrawatte, das ist eine blaue Krawatte mit kleinen goldenen, goldgelben Ankern, das ist unser Firmenlogo, (...) das ist zum Beispiel ein Unterscheidungsmerkmal, das jeder Kaufmann und jeder Reeder gerne für sich in Anspruch nimmt.

Voscherau: Sie können natürlich sagen, das sei eine Art hanseatisch-hamburgischer, männlicher Uniform, das will ich nicht völlig von der Hand weisen, im zivilen Geschäftsleben, aber man gewöhnt sich daran, und am Ende gehört sie dazu.

Lässigkeit: Die leistet sich der Hanseat erst gegen Ende eines großen Lebens.

Voscherau: Also Helmut Schmidt hat mal, anekdotisch gemeint, zu mir gesagt: Du bist ja noch beruflich aktiv, Du musst im dunkelblauen Anzug ins Büro gehen, und dann sich selbst anschauend gelacht und gesagt: Ich bin Pensionär, bei mir genügt ein Blazer mit silbernen oder goldenen Knöpfen. Sie sehen: Heute habe ich einen Blazer an, wollen wir mal sagen: Das reicht heute aus.

Fünfter Irrtum: In Hamburg gibt es nichts geschenkt.

Tamm: Geld hat einen Sinn: Es gibt Ihnen Freiheit. Mehr nicht. Geld ist ein Tauschmittel und kein Selbstzweck. Es muss was bewirken. Was Sie hinterlassen.

Hanseaten schenken sich gegenseitig Schönes. Schöne Gebäude, besonders.

Tamm: Jedes zweite größere Gebäude, vor allem die alten, sind irgendwann mal auch in Wohlstandszeiten gestiftet worden, gegeben worden, und so hat sich diese Stadt anders entwickelt als andere, die alles aufgegessen haben.

Peter Tamm, Sammler und Kenner maritimer Raritäten. Will seiner Stadt sein Lebenswerk schenken. Ein repräsentativer Ort dafür ist schon gefunden. In der historischen Hamburger Speicherstadt.

Schües: Wir brauchen hier eine große, sehr schöne Musikhalle.

Das fand der Reeder Carl Laeisz. So um 1900 herum.

Schües: Und 1908 ist dann dieses Konzerthaus, das jetzt wieder in Laeiszhalle zurück benannt werden soll, fertig gestellt worden, dann kamen die 30er Jahre, Frau Franziska Laeisz hatte jüdische Wurzeln, (...) und das war halt der braunen Bürokratie unliebsam, (...) und die haben dann analog zu Bücherhalle und Kunsthalle gesagt, das ist eben die Musikhalle. Und das hat leider 50 Jahre gedauert nach dem Kriege, bis jetzt der Senat sich besonnen hat, das ist ja eine Hamburgensie, wir benennen es wieder in Laeiszhalle, und es wird auch eine richtige schöne Taufe am 12. Januar gemacht, (...) also wir freuen uns darauf.

Hamburg, Stiftungshauptstadt der Bundesrepublik. 850 Stiftungen verwalten im Moment rund drei Milliarden Euro privater Spender.

Schües: Es ist eine alte wunderbare hamburgische Tradition, auch mal wieder was abzugeben. Wenn man gut verdient hat in seinem Leben, will man das nicht alles mit ins Grab nehmen, sondern man gibt ab. Man könnte auch sagen: Der Hamburger baut sich sein Denkmal durch die Stiftung.

Tamm: Ich hätte mir das Ganze hier ja auch sparen können, was ich hier mache. Das mache ich ja nicht mehr für mich, ich hab' ja nichts mehr davon, sondern für nachfolgende, für spätere. Aber ich fühle mich in der Verpflichtung. Ich fühle mich in der Verpflichtung, da ich viel Glück gehabt habe in meinem Leben und was auf die Beine stellen konnte, dieses nun unbedingt zu erhalten und weiter zu geben an die nächsten. Ich verstehe mich in meiner Generation als ein Kettenglied einer langen Ankerkette. Und jedes Kettenglied ist eine Generation. Sie nimmt auf und sie gibt weiter. Und wenn Sie das nicht tun, dann haben Sie eigentlich umsonst gelebt.

Sechster Irrtum: Hanseatische Tugenden werden automatisch auch als solche anerkannt.

Schües: Ich bin zum Beispiel erzogen worden in einem Internat, wo als Präambel stand, man darf Masseninstinkten nicht unterworfen sein. Das finde ich ein wunderbares Leitmotiv für ein erfolgreiches Leben, und das zeichnet auch den Hamburger Kaufmann aus. Sie kennen im Übrigen wahrscheinlich das Bild im Rathaus, wo ein Bischof Hamburger segnet und ursprünglich war ein kniender Mitbürger abgebildet, der musste dann auf Weisung des Senats übergemalt werden, weil ein Hamburger auch nicht vor einem Bischof kniet.

Voscherau: Stil ... ist ... eine ... Form ... des ... Sich-Präsentierens und ... der Lebensführung und insbesondere auch des Umgangs mit anderen, der geprägt ist von ... einer ... Zurückhaltung ... wägenden ..., prüfenden ... Weise des Zugangs auf Fremde und des Respekts, der Höflichkeit allen Menschen gegenüber …

Henning Voscherau. Hanseat. Richtet sich in seinem Ledersessel auf. Denkt ganz in Ruhe.

… und dann auch die Bereitschaft des sich nach Abwägung Öffnens ...

Ist gewohnt, dass das Gegenüber geduldig das Ergebnis seiner Überlegungen abwartet.

... und dann ein wirklich nicht oberflächlich sondern ein lebenslang verlässlicher guter Bekannter oder gar Freund zu werden. Also man sagt den Hamburgern ja nach, sie seien spröde und unzugänglich, das ist nicht wahr. Nur, wenn man diese Begriffe oberflächlich missversteht.

Tamm: Kameradschaft und Freundschaft sind ganz wichtige Begriffe. Ich habe Freundschaften, die auch denn erprobt werden, wenn's mal schlecht kommt, die gibt es vielleicht woanders auch, kann ich nicht beurteilen, auf alle Fälle gibt es sie hier …

Peter Tamm. Hanseat. Legt die Zigarre in ein Messinggefäß. Schaut ganz in Ruhe den Rauchklingeln hinterher.

… und da bin ich stolz drauf. Ich gebe zu, dass das vielleicht ein bisschen einseitig ist, dass es sicherlich in anderen Städten der Welt ähnliche Kreise gibt. Aber sie liegen eben nicht alle am Wasser.

Schües: Der Weg des Kaufmanns ist ja nach wie vor: Er geht nach der Lehre ins Ausland. Er geht natürlich nach England, Amerika, um die Sprache zu lernen, aber er geht auch nach Südamerika und vor allen Dingen heutzutage nach Fernost. Er lernt also die Welt kennen, bevor er hier in Hamburg wieder sesshaft wird, tätig wird ...

Nikolaus W. Schües. Hanseat. Hat in Hamburg eine Initiative für Zivilcourage, gegen Fremdenfeindlichkeit gegründet. Rassismus verträgt sich nicht mit seinem hanseatischen Weltverständnis.

Schües: ... das heißt, er kriegt einen sehr guten Überblick, was und wie andere Leute und Menschen leben, er ist also nicht eng, sondern er ist weit. Und dadurch kriegt er natürlich eine Urteilskraft, dass er nicht vorschnell urteilt, sondern erstmal sich das anhört, sich das ansieht, und dadurch kriegt er natürlich ein offenes Ohr und ein offenes Auge.

Siebter und letzter Irrtum: Um ein Hanseat zu werden, muss ein Hamburger länger lagern - so wie ein guter Wein.

Schües: Als ich jünger war, da gab es viele Hamburger, die heute nun schon verstorben sind, die damals interviewt wurden ...

Tamm: Vielleicht ist das ein typischer Zug auch für Hanseaten, einfach eine bestimmte Lebensart vorzuleben und dadurch die jüngeren dafür zu begeistern oder eben auch nicht.

Schües: ... und in 10 Jahren oder in 15 Jahren sind es andere, die sind heute, sag ich mal, 35, die sind dann 45 oder 50 oder 60, und die werden dann interviewt. Aber die sind heute schon da.

Voscherau: Die vielen jungen Hanseaten, die es hier gibt und die Sie an der Universität und an den Universitäten und München, Passau, Berlin, Jena, überall herumlaufen fänden, wenn Sie sie kennten, die sind einfach noch zu jung, als dass sie populär geworden wären. Das kommt noch.
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