LänderReport
LänderReport
Montag bis Freitag • 13:05
15.12.2004
''Bielefeld ist das nicht.''
Was alles zu einem echten Hamburg-Krimi gehört
Von Hartwig Tegeler

Hamburg spielt nicht selten die Hauptrolle im Fernsehleben. James Bond auf der Mönckebergstraße, Stoever im Halteverbot, Bella Block kippt sich einen Wodka hinter die Binde. Die Stadt ist filmreif, hier gibt's schön viel Mord und Totschlag, filmmäßig. Der Slogan vom "Hoch im Morden" machte die Runde. Und auswärtige Freunde des Flimmerkastens (zum Beispiel Bayern oder Sachsen) denken, sie hätten Hamburg geschnallt. Weil zu einem Hamburg-Krimi gehören ganz bestimmte Zutaten. Aber welche?

Doris Heintze: Es gibt ja nicht nur die Elbe, es gibt ja auch die Alster; es gibt ja überhaupt viel Wasser.

Doris J. Heintze, NDR-Redakteurin für die Hamburg-"Tatorte".

Doris Heintze: Nein, es gibt ja auch nicht nur Wasserleichen in Hamburg. Auch das Verbrechen ist ja sehr flexibel, und es ist ja auch manchmal sehr interessant, Hamburger Vororte zu entdecken und dort Krimis anzusiedeln.

Gut, ich gebe zu, Hamburg ist nicht der Wilde Westen, nicht der Wilde Osten, alles gut, aber nur mal so gefragt:

Dennis Hopper: "Was ist verkehrt an einem Cowboy in Hamburg?

Eben! Eine rhetorische und auch filmhistorische Frage. Einer, der mit dem Cowboyhut durch Hamburg läuft. Dennis Hopper in DER AMERIKANISCHE FREUND. Wie der Typ aus Christel Buschmanns GIBBI WESTGERMANY - '79 -, [wenn auch ohne Hut], oder der aus Vadim Glownas DESPERADO CITY - 1980 - oder Cahit und Sibel - sozusagen "türkische Altona-Cowboys" aus Fatih Akins GEGEN DIE WAND - Akins Berlinale-Sieger. Allesamt Cowboys, die die Weite gegen die Enge suchen, was der Cowboy nun eben zu tun pflegt, ob auf dem Pferd oder als "Asphalt-Cowboy". Also: Was ist verkehrt an einem Cowboy in Hamburg? An der Elbe.

Wim Wenders "Der amerikanische Freund": [Dennis Hopper singt.] That river flows, it flows to the sea, and whereever that river gooes, God know. That"s where I wanna be.

Also nicht nur Tatort-Kommissare - Kommissar Stöver und der andere - muten uns ihr Singen zu; nee, auch Cowboys singen herzlich schlecht. Und sind dabei omantisch, melancholisch, aber durchaus mörderisch.

Die Quadratur des Kreises wäre also ein Hamburg-Krimi, in dem die Beatles wieder Hamburg gebracht werden - durch einen Cowboy.

Wim Wenders "Der amerikanische Freund": Jetzt bring ich die Beatles wieder nach Hamburg.

Das glaub ich nicht. - Warum nicht? - Olle Kamellen. - Doch!

Frank Göhre - Krimiautor: Was soll jetzt eigentlich erzählt werden?

Drehbuchautoren: Sehen jedenfalls an allen Tischen 80 Männer, Frauen sind überhaupt nicht zu sehen. Die Männer trinken Tee; das führt uns in dunkle Gefilde. - Othmarschen, Ottensen, Eppendorf. Eppendorf nicht. Tschuldigung. Sondern Eimsbüttel und St. Georg. St. Pauli. - Schon läuft eine Horde von zwei Dutzend behelmten SEK-Beamten die Kellertreppe runter und will wissen, mit was da Geld gemacht wird.

Frank Göhre: Ich könnte bestimmte Krimis aus New York, nach Hamburg verlegen.

Frank Göhre: Hamburg ist ein poetischer Ort.

Wim Wenders DER AMERIKANISCHE FREUND. 1976. Bruno Ganz als Leukämiekranker, der zum Killer wird. Dennis Hopper in dieser wohl besten Patricia-Highsmith-Verfilmung als zwielichtiger Amerikaner Tom Ripley, der andere zum Morden anstiftet und dabei dann wohl oder übel mithilft.

Frank Göhre: Wim Wenders hat eine Stadt gefilmt, aus Perspektiven, aus Blickwinkeln, die eher unbekannt waren.

Frank Göhre - Krimiautor, Drehbuchautor. Schrieb für Horst Köngistein, schrieb TATORTE und Episoden der Serie GROSSSTADT-REVIER.

Frank Göhre: Er hat ja auch auf U-Bahnstationen gefilmt und dann nachher in dieser Villa und Kamerafahrten durch die Stadt gemacht, die die Stadt anders zeigen. Das finde ich hervorragend und gut. Und das ist auch heute noch möglich.

Ungedrehter Hamburg-Film. - Außen. Tag. Burchardtkai. Containerterminal. Freihafen. Halbtotale Kai.

Drehbuchautoren: Der ist jetzt schon im Hafen und beobachtet den Containerverkehr und überlegt sich jetzt, wann kommt jetzt der Container aus Ankara hier vorbei. - Das Problem dabei ist... - ... dass während der Verladekran der Container auf eine Höhe von 28 Meter bringt, setzt plötzlich die Hydraulik aus, auch das Magnetfeld versagt; der Container kracht auf den Kai. Und aus dem Container... - Klar, kann es auch Koks sein oder Schwarzer Afghane natürlich auch. - Mmmh!

Frank Göhres ungeliebte Hamburg-Film-Bilder. Bild 1.

Frank Göhre: Das Klischee, was sich natürlich totläuft, sind Prostituierte auf der Reeperbahn zu zeigen: a) treten sie so, wie sie mir auf der Reeperbahn und um die Davidswache herum gezeigt werden, nicht auf. Die sehen ganz anders aus. (...) Also, das Klischee geht mir schon auf den Sack. Das Klischee "Reeperbahn", dass es da überall Prostitution gibt und überall leicht bekleidete Mädchen rum stehen.

Hamburg als verwunschener Mord-Ort. Aber neben den poetischen Kino-Höhen ist es schwierig, an den Serien-Niederungen vorbei zu kommen.

Einst Walter Richter als Trimmel, einst Manfred Krug, jetzt Robert Atzorn: der Hamburg-Tatort-Kommissar im Wandel der Zeiten... und der Regisseure. Zunächst zu diesem hier aber:

Die Redakteurin zum Altbewährten, vor ein paar Jahren akustisch ein wenig aufgepeppt, ansonsten:

Doris Heintze: Daran wird sich gar nichts ändern. "Tatort" ist "Tatort". "Tatort" ist eine Marke. Das wird auch hoffentlich ewig so bleiben.

Wenigstens eines! Ansonsten?

Frank Göhre: Ich würde sagen, ein Hamburg-Film, ich sage mal, von den Kriminalfällen und den Kriminalgeschichten, gute Kriminalgeschichten und Kriminalfälle können überall spielen, müssen nicht in Hamburg spielen.

Frank Göhre. Krimi- und Drehbuchautor.

Frank Göhre: Es gibt nichts mehr, von dem man sagen kann, das spielt sich nur in Hamburg ab. Bestenfalls der Hafen, Berlin hat keinen Hafen und Köln hat - in dem Sinne - auch keinen Hafen.

Ungedrehter Hamburg-Film. - Außen. Tag. Elbstrand Ovelgönne. Café Strandperle. Nahaufnahme Kiosk.

Drehbuchautoren: Wir sehen jetzt erst einmal eine 11-jährige Gymnasiastin, die jetzt Feierabend in ihrer Gesamtschule hat. Und jetzt werden Päckchen plötzlich angespült. - Das 11-jährige Mädchen hat sich eine Cola geholt aus der Strandperle, hat eine von diesen Tüten von Schwarzem Afghan unterm Arm... - ... und versucht damit zu bezahlen. Und das verweist uns wieder auf die Verderbtheit junger Mädchen in der Großstadt.

Doris Heintze: Das Hamburg-Bild hat sich natürlich auch mit Regisseuren verändert. Also, wenn man einen Regisseur nimmt wie Jürgen Roland, der sich perfekt auskannte im Milieu, auf dem Kiez, dort auch wunderbare Krimis gemacht hat, da hatten die eine ganz eigene Farbe. Das war auch eine Farbe, die man von Hamburg kannte, von Hamburg mochte und sehen wollte. Dadurch, dass wir inzwischen mit jungen Regisseuren arbeiten, die häufig gar nicht aus Hamburg sind, die haben natürlich einen anderen Blick auf Hamburg. Und die interessiert der Kiez erstmal gar nicht.

Frank Göhre: Das Hamburg-Bild macht sicher in erster Linie aus, dass es eine Stadt ist, die am Fluss liegt, die einen Hafen hat und in der - wie es in allen Großstädten ist - ein großes Sammelbecken verschiedener Nationalitäten ist. Das macht es sicher aus, und dass es eine über Jahrzehnte auf- und abgehende und sich ständig wieder verändernde starke Kriminalität im Bereich des Hamburger Kiez und auch der Reeperbahn gibt. Das ist so etwas spezifisch Hamburgisches.

Ungedrehter Hamburg-Film. - Innen. Tag. Brücke Containerschiff. Großaufnahme Hafenlotse auf Brücke.

Drehbuchautoren: Also Hafenlotsen ist gut. Und wenn er die Jakobsleiter raufklettert, dann muss auch mal was schief gehen. Dass er abrutscht und ins Wasser fällt und möglicherweise, während er um sein Leben kämpft in den Wellen, seine Hände auch irgendwie Drogen zu fassen kriegen. Im Wasser. Mitten im Wasser.

Doris Heintze: Immer da, wo Hafen ist, wo man immer damit rechnet, es kommen Schiffe aus irgendwelchen fernen Ländern und fahren auch wieder dort hin, das ist automatisch das "Tor zur Welt", aber das hat oft mit den Fällen gar nichts zu tun.

Frank Göhres ungeliebte Hamburg-Film-Bilder. Bild 2.

Frank Göhre: Ebenso kann ich's bald auch nicht mehr sehen bestimmten Einstellungen von Landungsbrücken und Hafen, wo ich auch sage, das ist mittlerweile überstrapaziert. Es ist eine Ansichtskarte, die nicht dadurch besser wird, dass man die immer wieder produziert.

Erinnerung. 1977. Unten am Fischmarkt stehend. Das erste Mal. Viel weniger bebaut als heute war er damals. Allein dastehend ein Eckhaus. Wie eine Burg. Soliltär. Unten im Hauseingang die Huren. Dieses Haus, wie es verlassen dasteht, hatte eine merkwürdig faszinierende Poesie. Melancholie. Drei Wochen vorher im Kino. Wim Wenders. DER AMERIKANISCHE FREUND. - Ich stehe vor diesem Haus. Real. Und habe das Gefühl, für einen Moment in den Film hineinzurutschen. Teil einer Filmkulisse zu werden, die real wie irreal gleichzeitig wirkt. Bewusstseinspaltung. Wahrnehmungs-Störung?

Frank Göhre:
Also, das kann ich ganz stark nachvollziehen, zumal es mir ähnlich ging. Ich bin etwas später ganz nach Hamburg gekommen. Ich komme aus dem Ruhrgebiet und bin seit den 60er Jahren ständig hier in Hamburg. Ich habe von den Filmen, die möglicherweise damals entstanden sind, damals nichts wahrgenommen. Ich habe nachher Filme von Roland Klick gesehen, SUPERMARKT, der ein ganz spezifischer Hamburg-Film ist, der in der Bahnhofshalle spielt, im Karolinen-Viertel spielt, wo ich dann auch ähnliche Situationen vor Augen hatte. Oder Filme von Klaus Lemke, dem Münchener Filmemacher, der in Hamburg ROCKERS gedreht hat. Und da kam dieses Zusammenprallen. Und das geht mir auch bis heute noch, dass ich in bestimmten Situationen, springt das über, dass ich Gefühl kriege, ich stehe eigentlich in einem Film.

Ungedrehter Hamburg-Film. - Außen. Tag. St
Pauli-Stadion außen. Budapester Straße. Vorplatz. Totale.

Drehbuchautoren:
Im Stadion da, beim F.C. St. Pauli in der Budapester Straße, da werden doch immer diese Brezeln verkauft, ja. Und ich fürchte, dass in den Brezeln eben auch... - Ziel ist im Grund auch erste Liga. Und da braucht man Geld zu. Und ohne Geld geht das einfach nicht. Vor allem wenn man keinen Sponsor hat. Und dieser Verein muss sich was einfallen lassen, wie er an Geld kommt. Und das ist das natürlich eine adäquate Möglichkeit. Sport und Drogen gehen gut zusammen, sagt man ja auch.

Frank Göhres ungeliebte Hamburg-Film-Bilder. Bild 3.

Frank Göhre:
Was auch häufig vorkommt, das sind die um die Binnenalster joggenden Leute.

Natürlich ersäuft der Hamburg-Krimi auch in seinen Standards und Klischees. Ja, Herr Göhre, vollkommen Recht haben Sie!

Frank Göhre:
Das sind so die drei Sachen, die Jogger um die Alster rum, die Landungsbrücken und die leicht bekleideten Mädchen auf dem Kiez. Da fängt es an, wirklich langweilig zu werden.

Facetten einer Filmstadt. Andere Facetten. Horst Königstein. NDR-Redakteur. Filmemacher.

HARD DAYS, HARD NIGHTS! - ein Film übrigens, den Frank Göhre zusammen mit Königstein geschrieben hat - ich habe Sie richtig verstanden, dass Hamburg für Sie der mythische Ort ist, an dem auch die Beatles - "Starclub", na ja, muss man wohl kaum betonen -, das hier die Beatles sich erschufen.

Königstein - Mein Hamburg:
Ja, absolut, absolut.

Und da wären wir wieder bei den Beatles. Zurück nach Hamburg? Und der Cowboy in Hamburg, der vom Anfang? Nun, die Beatles jedenfalls, die haben immer noch weitaus mehr Saft in den... als Truckstop.

"Großstadtrevier":
Ich wollte immer gern Jan Fedder sein. [Werbung:] Das Großstadtrevier im Ersten wird Ihnen präsentiert von... - [Stimme 1:] Von... [Geräusch "Schuss"] Sandwich-Classic. [Truckstop-Musik "Großstadtrevier" setzt ein.] [Stimme 1 und Stimme 2 nun im Wechsel.] Die Binnenalster, die ehemalige Englandfähre, der Elbtunnel, der alte. - Die Große Freiheit. - Die Schauspieler werden vorgestellt. Jan Fedder und Dorothea Schenk. Seine Kollegin. - Ganz neues Gesicht. Jede Frau, die da mitspielt in dieser Rolle, hat nach einem halben Jahr die Schnauze voll; die müssen eine neue engagieren. - Jetzt sind sie die St. Pauli-Hafenstraße lang gefahren. - Die drei Deppen, das ist die Stammbesetzung des Reviers. - Speicherstadt. Rathaus. Was ist das für eine Kirche, sag doch mal! - Petri, St. Petri. - Hein-Hoyer-Straße. Über die Reeperbahn, "Davidswache". Schwenk auf das Polizeirevier in der Mendelssohnstraße. [Vorspannmusik blendet sich langsam aus.]

Bernhard Gleim - Redakteur "Grossstadtrevier":
Das Problematische, also auch das Problematische des Lebens der Stadt Hamburg kommt immer wieder rein.

Bernhard Gleim. NDR-Redakteur für das "Großstadtrevier".

Bernhard Gleim:
Aber es bleibt letzten Endes Unterhaltungsstoff, der in unseren dramaturgischen Mühlen zermahlen wird.

"Großstadtrevier":
Sie müssten gleich eintreffen am Ort des Geschehens. - Jetzt kommen sie, und schon sprintet Dirk Matthies das Treppenhaus hoch, um den Knaben zu retten. - Und Jan Fedder kriecht das Treppenhaus hoch. - Jan Fedder heißt Dirk Matthies? Ich dachte, der heißt Jan Fedder? - Durch zwei Türen. Also, Jan Fedder springt durch zwei Türen. Und der Knabe schafft es nicht mehr, vor Jan Fedder aus dem Fenster zu springen. - [Szene:] Tut aber weh. - Mensch, sei nich' so zimperlich, das gucken wir uns nachher an. - Mensch, das war aber Rettung in letzter Sekunde. - [Stimme 1 und Stimme 2:] Hätte man sich aber denken können, dass Kinder nicht aus dem Fenster fliegen um 17.30 Uhr, sondern aufgefangen werden, gerettet werden. - 18.30 Uhr. - 18.30 Uhr? - Wenn nicht sogar 19.30 Uhr.

Nee, meine Herren, 18.50 Uhr. Montags. It's Fedder-Time. In der 19. Staffel. Kein Ende in Sicht.

Frank Göhre:
Ohne Jan Fedder knickt die Serie total ein und wäre nicht mehr haltbar.

Und das scheint nicht nur auf den alten Herrn des Hamburg-Krimi, der die DAVIDSWACHE drehte, zu wirken...

Jürgen Roland:
Für mich ist einer neuer, besser (Hans) Albers.

Nein, nicht nur Jürgen Roland ist ganz hin und weg, Jan Fedder "funktioniert" sogar bei einen jungen Hamburger Türken oder auch türkischen Hamburger, der in seinen Filmen KURZ UND SCHMERZLOS und GEGEN DIE WAND eine hinreißende Liebeserklärung an den großen "Tatort Hamburg" gedreht hat, der aber ansonsten mit den Serienklischees und dem Gute-Welt-Hamburg vom GROSSSTADTREVIER nichts, aber auch ganz und gar nichts am Hut hat.

Fatih Akin zu "Kurz & Schmerzlos" :
GEGEN DIE WAND war immer als - weiß nich' -, als Hamburger Film gedacht. Das musste irgendwie so ein Film sein im Stil von ROCKER von Klaus Lemke. So mit Schnacks und so. Und wir dachten, wer kann besser die Schnacks einbauen und uns ein Heimatgefühl geben als Jan Fedder. So kam der eigentlich in den Film. - [Filmszene "GEGEN DIE WAND". Jan Fedder:] Ist da jetzt Ruhe da unten oder was? Mann, ich muss morgens arbeiten. [Geht unter in totalem Brüllchaos.]

In Fatih Akins Filmen, die in den Vierteln der Immigranten spielen, scheint Hamburg auf einmal wieder ganz anders; die Bilderklischees aus unzähligen Hamburg-Filmen, sie fallen weg, und Hamburg - beziehungsweise für Fatih Akin vor allem Hamburg-Altona - wird im Film wieder wie neu geschaffen. Es wird atemlos, es wird kantig und rhythmisch, nicht nur rau wie das amerikanische Kino von Schrader und Scorsese in den 70ern, nein, auch die Poesie, die Wim Wenders 1976 eingefangen hatte in seinem Film DER AMERIKANISCHE FREUND: In KURZ & SCHMERZLOS oder GEGEN DIE WAND ist es wieder da, ganz anders, aber ebenso wuchtig, blutig und ungemein faszinierend in seiner Intimität.

"Kurz und Schmerzlos":
Hey, ich würde sagen, ich geb die jetzt die Patte, und du gibst mir die Knarren.

Hier jetzt machen zwei Cowboys, natürlich, Möchtegern-Cowboys - ohne Hut - in Altona ein ganz mieses Geschäft.

"Kurz und Schmerzlos":
Nein, das hast du falsch verstanden, du gibst mir die Patte, und ich behalte die Waffen.

Frank Göhre:
Es gibt in Hamburg noch viele unentdeckte Bereiche, die sich auch filmisch aufarbeiten ließen. Die auch diese Vielseitigkeit, diese Atmosphäre dieser Stadt in der Vielschichtigkeit auch deutlich machen könnten, das sind noch viele Teile vollkommen ungenutzt.

Fatih Akin hat mit dieser Neu-Nutzung angefangen.

Ungedrehter Hamburg-Film. - Außen. Tag. St
Pauli-Stadion Innen. Halbtotale Fußballfeld.

Drehbuchautoren:
Sie kaufen jetzt also für das schmutzige Drogengeld die noch schmutzigeren Airbusaktien. - Wir haben die 91. Minute, der F.C. St. Pauli führt 3:0 gegen Uerdingen. Während die Spieler sich jetzt beim Schlusspfiff in den Armen liegen, sehen wir über dem Stadion eine A 380, das ist die größte Passagiermaschine der Welt. - Hinter dem Stadion des F.C. St. Pauli ist das Heiligengeistfeld. Da sie ja nun den Werbevertrag mit Airbus haben, ist der Mannschaftsbus eingetauscht gegen (Fängt an zu grinsen.) einen Air-Bus.

Gut, und wo jetzt dem Aufstieg von Pauli ja wohl nichts mehr im Weg steht, jetzt - ja, noch...

Fatih Akin:
Der Abspann!

Nein, kein Abspann, sondern...

Film-Ende:
The End? Nee, "fin" stand da. "Fin". - (Buchautor II.) Französisch "fin", deutsch: Ändähh!

Der bringt die Beatles nie zurück nach Hamburg.//
-> LänderReport
-> weitere Beiträge