LänderReport
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16.2.2005
Gefangen im Nirgendwo
Asylbewerber am Frankfurter Flughafen
Von Bettina Weiz

Blick auf den Flughafen Frankfurt (Bild: AP)
Blick auf den Flughafen Frankfurt (Bild: AP)
Jamal Chalipur ist im Niemandsland angelangt. Er hat vergessen, wie lange er schon dort ist. Dort - dies meint die hessische Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber. Sie liegt am Frankfurter Flughafen. Flugzeuge starten und landen, Touristen und Geschäftsreisende bevölkern die Terminals. Die Zeit dort vergeht wie im Fluge. Nicht so im Asylbewerber-Trakt. Die Zeit verrinnt, Nacht und Tag verschwimmen. Leben im Transit dauert, manchmal unerträglich lange.

Flughäfen sind Orte für alle, die weiter wollen. Pro Tag reisen in Frankfurt mehr als 120.000 Menschen an und ab, so viele wie eine mittelgroße Stadt Einwohner hat. Morgens halb zehn ist die erste Stoßzeit des Tages schon fast vorüber.

Wer einen gültigen Pass und die richtigen Stempel darin hat, kann in 45 Minuten ankommen, umsteigen oder nach Deutschland einreisen. Das garantiert die Flughafen-Gesellschaft. Mit dem Special Service geht es noch schneller. Jede Minute zählt.

Nur für die, die kein gültiges Visum haben und Asyl begehren, stockt die Zeit.

Beamte des Bundesgrenzschutzes nehmen sie in Empfang. Sie fahren sie von den geschäftigen Terminals fort, vorüber am Vorfeld, an den Startbahnen und an einer betongrauen Sporthalle mit abblätternder Beschriftung in Englisch. Die gehört zur Air-Base der US-Armee. Dahinter liegt die Cargo City Süd, ein Agglomerat aus Büros und Lagern. Zu Fuß ist hier keiner unterwegs.

Das Gebäude 587a ist ein lang gestreckter, doppelstöckiger Flachdachbau, schmucklos und so gerade-nicht-weiß wie ein amtliches Formular. Der Eingang wird doppelt bewacht: In einer schussfesten Glaskabine rechts sitzen zwei Beamte des Bundesgrenzschutzes in Uniform. Gegenüber sind, in zivil, die Kollegen eines privaten Sicherheitsdienstes auf Posten. Die Passage dazwischen führt in eine Institution namens "Hessische Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge". Kritiker nennen sie "Internierungslager".

Sie steht auf deutschem Boden und ist doch nicht Deutschland. Transit. Ein Niemandsland. Ein Ort für Ortlose. Für die, die weiter wollen, es aber nicht dürfen. Am Tag des Interviews sind es 31 Gestrandete der modernen Völkerwanderung. Platz wäre für 100.

Um halb zehn beginnt dort der Tag erst allmählich.

Im Aufenthaltsraum im Erdgeschoss öffnet eine Küchenhilfe die Rouleaux zur Essensausgabe. Sie stellt Plastikboxen mit Weißbrot, portionierter Butter, Marmelade, Käse, Wurst und gekochten Eiern bereit. Ein Mann mit zerzausten schwarzen Haaren schlurft in Badelatschen herein, gähnt und holt sein Frühstück ab.

An einem der Resopaltische lässt sich eine Familie mit Kind nieder. Die Mutter füttert ihren Einjährigen und nagt nebenbei selbst am Brot. Der Vater schaut zu. Er isst nichts.

Andrés Salazar: No, ahorita en Colombia son las 4 de la madrugada, tengo mucho sueno. Ya el horario cambia con la comida, casi no, hay que acostumbrarse, no. Con la comida.

In seiner Heimat Kolumbien sei es jetzt vier Uhr morgens, erklärt Andres Salazar; er sei müde und müsse sich erst an die Essenszeiten gewöhnen. Seine innere Uhr tickt noch in Südamerika. Er ist vor drei Tagen mit seiner Familie in Frankfurt gelandet und hat Asyl beantragt. In einem Büro des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge haben die Salazars ihre Geschichte vorgetragen. Das war im ersten Stock des Gebäudes 587a.

Andres Salazar: In Kolumbien bin ich Landwirtschaftsberater. Ich helfe den Bauern mit dem Bewässerungssystem, bei Kakao und Bananen - bei allen Früchten, die man bewässert. Wir hatten auch ein eigenes Feld, mehr oder weniger einen Hof, keinen großen, und haben davon gelebt, was er uns brachte. Wir haben normal gelebt. Wir waren nicht reich, das nicht, aber normal. Wir hatten uns das Leben eingerichtet und konnten unser Ding machen.

Er kaufte Land und 35 Stück Milchvieh und baute seinen eigenen Betrieb auf. Bis er mit der Guerilla Probleme bekam, sagt er.

Andres Salazar: Die Leute müssen gehen, denn die Guerilla fordert Schutzgelder. Entweder, du zahlst, machst bei ihnen mit, wirst Teil der Organisation - oder du gehst.

Die Familie Salazar hat sich fürs Fliehen entschieden. Neben dem Frühstückstisch stehen drei Koffer. Ihre ganze Habe.

Andres Salazar drückt forschend auf die Rinde er Brotscheibe. Andres Salazars Frau erkundigt sich, ob in Deutschland Bananen wachsen. Sobald das Problem in Kolumbien gelöst ist, möchten sie wieder zurück, versichern beide. Vorerst wissen aber sie nicht einmal, wo sie morgen sein werden.
Andres Salazar und seine Frau kramen nach dem Zettel, auf dem sie den Namen des Ortes notiert haben, der ihre allernächste Zukunft sein wird.

Andres Salazar und seine Frau:
Sie: Yo lo tengo... suchen Notiz des Namens des Ortes,
an den sie nun reisen werden. Papier aufgefaltet. Gou? Gou?

Er: Greben, algo así.

"So etwas wie Greben", sagt der Spanisch-Muttersprachler. Er hält das "ß" für ein "b". Auf dem Zettel steht "Gießen". Dort ist der Hauptsitz der Hessischen Erstaufnahme-Einrichtung. Da können die Salazars ihren Asylantrag weiter betreiben. Warum sie einreisen dürfen, ist ihnen unklar. Die Feinheiten der deutschen Asylgesetzgebung sind Andres Salazar fremd. Für ihn sei das Wichtigste jetzt der Schutz seiner Familie, sagt er.

Andres Salazar: Ahora la primordial es la protección. Por nosotros y para mi familia.

Ilambaram Sivabalasingam aus Sri Lanka kommt in den Aufenthaltsraum geschlendert, ein munterer Tamile, der mit 24 Jahren schon Lachfältchen hat. Er hatte für seinen Asylantrag ähnliche Gründe angeführt wie die Familie Salazar aus Kolumbien:

Sivabalasingam: In unserer Heimat gibt es viele Probleme, dort kann man nicht bleiben. Zwei Parteien führen Krieg. Wann der endet, weiß man nicht, deshalb bin ich gekommen. Das Leben ist unsicher. Sie kommen und trachten nach dem Leben.

Entweder hätte er mit der Armee der Tamilischen Befreiungs-Tiger gemeinsame Sache machen müssen, oder ihre Häscher hätten ihn ermordet, argumentiert er. Trotzdem hat das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge seinen Asylantrag als offenkundig unbegründet abgewiesen. Auf der Stelle. So läuft das so genannte Flughafen-Verfahren. Sivabalasingam hat Einspruch gegen die Entscheidung eingelegt. Bis sein Fall geklärt ist, wird er im Niemandsland bleiben.
Übrigens möchte Sivabalasingam aus Sri Lanka gar nicht nach Deutschland, sagt er, sondern nach Großbritannien. Sein älterer Bruder lebe in London und sei Anteilseigner an einer Bäckerei. Bei ihm könnte er arbeiten.

Direkt nach London könne man aber nicht reisen, ein solches Visum gebe es nicht, erklärt Sivabalasingam. Auf den Einwand, er habe ja auch für Deutschland kein Visum, lacht er.

Ich bin einfach gekommen! Ich bin aus dem Flugzeug ausgestiegen, und da war ich!

Ein Eritreer haust seit über einem halben Jahr am Frankfurter Flughafen. Ein Interview gibt er nur, wenn er daraufhin nach Deutschland einreisen darf, stellt er klar. Dann setzt er sich an den Nebentisch und schaut der Journalistin mit dem Mikrofon misstrauisch zu. Der rechte Fuß wippt nervös, der Blick schweift immer wieder wie lauernd durch den Raum. Er weiß: Sein Asylantrag ist abgelehnt, die Einsprüche gegen die Ablehnung auch. Nun fehlen nur noch die Papiere, um nach Eritrea zurückzukehren. Jede Minute können Beamte des Bundesgrenzschutzes kommen und ihn mitnehmen, in ein Flugzeug setzen und ihn abschieben.

Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott.

Zum wöchentlichen Gottesdienst ist heute ein einziger Gläubiger gekommen, ein Algerier in Jogginghose, zitronengelbem Hemd und mit Silberkettchen. Er sitzt zusammengesunken neben dem Pfarrer mit der ausladenden Soutane. Beide lesen abwechselnd aus der Bibel.

Horch, es ruft: In der Wüste bahnet den Weg des Herrn; machet in der Steppe eine gerade Straße unserem Gott!

Der Algerier lehnt sich schluchzend an den Pfarrer.

Die zweite Stoßzeit des Tages am Frankfurter Flughafen. Ein Gutteil der rund 1300 Starts und Landungen sind längst abgefertigt.

Für die Flüchtlinge in der Hessischen Erstaufnahme-Einrichtung am entfernten Südzipfel des Flughafengeländes geht es um halb eins gemächlich ans Mittagessen.

Die Küchenhilfe vermerkt auf einem Zettel die Essenszuteilung und wünscht guten Appetit. Sie spricht die meisten mit ihrem Namen an; wessen Namen sie sich nicht merken kann, den nennt sie "Herr Palim-palim".

Das Essen kommt aus der Flughafen-Kantine: Gulasch mit Kartoffeln auf einem kleinen Plastiktablett unter Alu-Abdeckung. Ein südasiatischer Moslem erklärt dem Grüppchen von Glaubensbrüdern, es handele sich um Hirsch-Fleisch. Sie essen es gottergeben.

Der Aufenthaltsraum ist so bevölkert wie noch nie an diesem Tag; am Vormittag waren viele Bewohner offenbar zu Anhörungen beim Bundesamt, beim Wäschewaschen - oder sie haben länger geschlafen, weil es für sie im Niemandsland sowieso nur Belangloses zu tun gibt. Einige Arabisch-Sprachige haben sich zusammengesetzt. Andere unterhalten sich in einem Mix aus gebrochenem Englisch und gebrochenem Persisch. Sivabalasingam aus Sri Lanka ist ständig mit einem zweiten Tamilen unterwegs. Er ist der einzige, mit dem er sich im Niemandsland unterhalten kann.

Raucher gehen nach dem Mittagessen in den zweiten Aufenthaltsraum. Dort stehen drei randvolle Aschenbecher, zwei Spiele-Computer und Automaten, an denen sich Zigaretten, Getränke und Naschwerk ziehen kann, wer Geld hat. Knapp 41 Euro Taschengeld pro Monat bekommen die Flüchtlinge vom deutschen Staat. Weiteres Geld müssen sie mitbringen oder sich zusenden lassen. Auf einem Fernsehapparat flimmert MTV - das ist offenbar der kleinste gemeinsame Nenner der rund ein Dutzend Kulturen, die im Niemandsland versammelt sind. An einer Wand steht, unbenutzt, ein Bügelbrett.

Dorothea Pitzer: Die Psyche leidet natürlich. Ich habe also Fälle gehabt vor Jahren, eine Algerierin, die hat sich aufgehängt in der Dusche nachts, das war schon bitter. Die war acht Monate hier, in der alten Einrichtung, acht Monate hier, dann war sie zwei Monate im Gefängnis, in Abschiebehaft, dann kam sie wieder zu uns, und dann war sie ungefähr drei Monate da, und als ich dann morgens kam, da war die Nachtschicht ganz blass und bleich, und dann hab ich erfahren, dass sie sich nachts in der Dusche aufgehängt hat.

Dorothea Pitzer arbeitet seit fast einem Jahrzehnt als Ehrenamtliche im Niemandsland am Frankfurter Flughafen. Die Achtzigjährige mit der flotten Kurzhaarfrisur hilft in der Kleiderkammer und mit Übersetzungen. Sie war erst im alten Gebäude und ist jetzt im neuen.

Dorothea Pitzer: Jetzt ist es natürlich Gold in der neuen Einrichtung. Es ist alles sehr viel weiter, sehr viel größer, sehr viel neu gebaut, alles vorhanden, es sind genügend Toiletten und genügend Duschräume usw.

Trotzdem: Das Asylverfahren ist noch dasselbe, ebenso die Gründe für die Flucht und auch die Verzweiflung der Flüchtlinge, deren Asylanträge abgelehnt werden. Die Hessische Erstaufnahme-Einrichtung am Frankfurter Flughafen ist heute ein goldenes Gefängnis.
Dorothea Pitzer: Dass ab und zu sich mal einer die Pulsadern aufschneidet, gell, das hatten wir hier, gell, solche Fälle gibt es auch. In dieser Einrichtung. In dem neuen Gebäude.

Im Niemandsland der Flüchtlinge gibt es keine scharfen Messer, nur Plastikbesteck. In den Waschräumen hängen reflektierende Metallplatten statt Spiegeln, die ein verzweifelter Flüchtling zu Scherben zerschlagen könnte, um sich damit die Pulsadern aufzuschneiden. Ein, zwei Angestellte des privaten Sicherheitsdienstes sitzen ständig im Aufenthaltsraum und bewachen die Insassen. Sie greifen sofort ein, sobald es auch nur zu einem lauten Wortwechsel kommt - zum Beispiel wegen des Fernsehprogramms. Vielleicht um die Illusion von Normalität und Freiheit komplett zu machen, hängt an einem schwarzen Brett der Eisenbahnfahrplan des Frankfurter Hauptbahnhofes. So als könnten die Flüchtlinge mal eben einen Ausflug mit dem Zug machen.

Ein Togolese und der Eritreer, der schon so lange da ist, spielen schon ihr siebzehntes Match am Kicker.

Am Nachmittag wird das Stocken der Zeit immer spürbarer. Einige Männer sitzen stumm auf den wippenden Stühlen und stieren ins Leere. Ein hoch gewachsener Iraner in Jogginghose schaut schon seit einer Stunde aus dem Fenster, gestikuliert und spricht vor sich hin. Auf Deutsch.
Jamal Chalipur: Mein Name ist Jamal Chalipur, geboren am 11.3.57, ich leb seit 1981 in Bundesrepublik Deutschland, und dann jetzt zurzeit bin ich dieses Haus...

Jamal Chalipur erzählt, dass er in Deutschland studieren wollte, dass aber sein Abitur nicht anerkannt worden sei.

Jamal Chalipur: Ich hab Asyl beantragt, und dann nachdem meine Asylbeantragung, dann hab ich eine Ehe geschafft. Und jetzt bin ich geschieden von beide Ehe. Ich habe eine Tochter, sie ist 18 Jahre alt, sie lebt in Deutschland, Ostfriesland, und dann eine Sohn habe ich auch, der ist - hm, 13 Jahre alt, beide Kinder sind bei die Mutter.

Jamals Lebens-Saga handelt von einer Ehe mit einer Deutschen und einer zweiten Ehe mit einer Iranerin, von Wohnungen in Oldenburg, Bremen und Mönchengladbach, von Darmoperationen und tragischen Hundebissen und von den Jobs, mit denen er sich über Wasser gehalten hat. 23 Jahre lang sei er in Deutschland gewesen, versichert Jamal Chalipur. Dabei hat er sich von einer kurzfristigen Aufenthaltserlaubnis zur nächsten durchgehangelt.

Jamal Chalipur: Und jetzt ich wollte mal vor zwei Monate in Iran die Heimat besuchen, 2003 war das, im Februar, und während ich da war, die haben meine Passport gesperrt bei Flughafen, meine Geld haben sie gesperrt, und die haben das versucht, dass ich das zu Problemen reinkomme.

Nun ist Jamal Chalipur im Niemandsland angelangt. Eine Perspektive, nach Deutschland einzureisen, hat er nicht. Sein Leben stockt wie saure Milch.

Abends erreicht der Verkehr am Frankfurter Flughafen noch einmal einen Höhepunkt. Viele Passagiere kommen nur mit kleinen Aktenkoffern in der Hand an. Sie sind morgens hier los geflogen. Einreise und Ausreise an einem Tag. Alles ist möglich - wenn man die richtigen Papiere hat.

Im Niemandsland der Flüchtlinge gibt es Abendbrot. Die Küchenhilfe deckt Käse, Aufschnitt, Salat mit Mayonnaise auf.

Die Mahlzeiten verleihen der stockenden Zeit Struktur. Viel zu früh ist das Abendessen vorüber. Heute bietet die Journalistin eine gewisse Unterhaltung. Ein stämmiger Herr mit auffallend sorgfältig frisiertem Schnurrbart ruft launig, er wolle auch ein Interview geben. Er stellt sich vor als Seth Kuresh Miagan aus Pakistan, Bauer und Frisör.

Er habe Ärger mit einigen Politikern, berichtet der 45-Jährige. Es seien reiche Männer, sie hätten Waffen. Zur Polizei könne er nicht gehen, die helfe einem armen Mann wie ihm nicht. Sie mache gemeinsame Sache mit den Mächtigen. Ein Polizist habe seinen Bruder erschossen. Seinen Sohn habe er zur Sicherheit nach Malaysia geschickt.

Es sei eine Familienfehde und ein politischer Konflikt, betont Seth Kuresh Miagan, krempelt das rechte Hosenbein hoch und präsentiert zwei große Narben am Knie.

Seth Kuresh Miagan: This is my problem.

Als er nach Frankfurt kam und Asyl beantragte, habe er allerdings gesagt, er stamme aus Afghanistan und sei Opfer des Krieges dort.

Seth Kuresh Miagan: Das hat mir der Agent geraten, der mich hergebracht hat. Er hat gesagt, "gebe Dich als Afghane aus, dann ist alles ganz einfach".

Seth Kuresh Miagan hat inzwischen einen zweiten Asylantrag gestellt, diesmal wahrheitsgemäß als Pakistani. Der ist auch abgelehnt worden. Jetzt möchte er in Abschiebehaft gehen. Gerne und freiwillig.

Seth Kuresh Miagan: Wenn ich drei Monate im Gefängnis gewesen bin, dann gibt mir entweder Pakistan einen Pass, oder ich darf nach Deutschland einreisen.

Für Abschiebehäftlinge gibt es alle drei Monate Haftprüfungstermine. So wie viele andere abgewiesene Asylbewerber hegt Seth Kuresh Miagan die vage Hoffnung, dabei irgendwann einmal an einen Richter zu geraten, der ein gutes Herz hat und ihn einreisen lässt. Auf jeden Fall würde er lieber ins Gefängnis gehen als weiter im Niemandsland zu bleiben.

Seth Kuresh Miagan: I am here more than one month I am here. More than one month, If you leave me here, this is lockup as well

Er sei jetzt mehr als einen Monat am Frankfurter Flughafen, sagt er und versucht es auf Englisch, weil er glaubt, dann verstünden es die deutschen Radiohörer besser. Ein Landsmann, der etwas besser Englisch spricht, hilft ihm.

He says, everything is here, coffee and anything, but we are in lockup.

Alles sei da, er bekomme Essen und Kleidung, dürfe stets Kaffee trinken. Aber er sei eben eingesperrt. Ein Flugzeug nach dem anderen fliegt donnernd über das Niemandsland hinweg in die große, weite Welt. Seth Kuresh Miagan starrt in die einzige Freifläche, die ihm zur Verfügung steht, den Innenhof, der nachts taghell ausgestrahlt ist, und drückt mit beiden Daumen auf seine Schläfen.

Seth Kuresh Miagan: Tension. Tension.

Immer diese Spannung! Ich werde verrückt!

Seth Kuresh Miagan: Tension. Anytime tension. I am mad! I am going mad! Tension!
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