LänderReport
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17.2.2005
Eimerdeckel oder Sensationsfund?
Die Himmelsscheibe von Nebra
Von Kathrin Aehnlich und Steffen Lüddemann

 Die Himmelsscheibe von Nebra (Bild: AP)
Die Himmelsscheibe von Nebra (Bild: AP)
Die Himmelscheibe von Nebra - ist sie tatsächlich eine? Die in- und ausländischen Medien stürzten sich auf sie: Sensationsfund! Altzeitliches Weltbild muss umgeschrieben werden! Und die Experten? Seit Wochen streiten sie sich. Und derzeit diskutieren Fachleute aus dem In- und Ausland in Halle. Am Montag dann geht die Verhandlung des Fundes und seiner Echtheit vor Gericht weiter. Ebenfalls in Halle.

Harald Meller: Die Himmelsscheibe von Nebra gehört zu den absoluten Toppfunden der Archäologie, vergleichbar sicherlich mit Ötzi, mit Tutanchamun und anderen Dingen in dieser Qualität.
Der macht keine Aussagen gegenüber der Presse, schon lange nicht. Aber es gibt natürlich ein unterschriebenes Protokoll zu dieser Sache, das mein Justitiar gegengezeichnet hat und da wurden eindeutige Aussagen gemacht. Seit dem Geständnis haben die Raubgräber weder vor Gericht noch in der Öffentlichkeit ausgesagt.


Mario Renner: Dann ham wir angefangen zu buddeln mit den Fingern und da ham wir schon gesehen, das ist Bronze. Da war aber schon der Rand beschädigt. Muss ich dazu sagen, den hat er nicht beschädigt, der war beschädigt. Das einzige, was Herr Westfahl gemacht hat, ist, er hat die Sonne runtergekratzt. So dann hab ich ihm meine Selter gegeben, er hat ja viel Brand vom Vortag, hat er sich an'n baum gesetzt und da hab ich vier Stunden das ausgebuddelt, die Scheibe.

Wie tief war die?

Renner: Die war nicht tief. Unwahrscheinlich eigentlich, muss ich sagen. Unwahrscheinlich eigentlich, wie das Ding dahin kommt, muss ich sagen. Und jedenfalls war das dann so: Wir ham die Scheibe ausgehoben und ham geguckt, is da noch was drinne. Für uns war das Loch dann leer.

Mario Renner erzählt uns seine Geschichte, ob sie sich wirklich so zugetragen hat, wissen wir nicht. Mario Renner gilt als einer der Finder der Himmelsscheibe.

Hans-Georg Kroll: Und üblich ist, den Fundort nie preis zu geben, weil ja der, der den Fund gemacht hat, sich durchaus noch erhoffen kann, in dem Bereich noch mehr zu finden.

Hans-Georg Kroll, Rechtsanwalt aus Düsseldorf. Er vertritt zwei mutmaßliche Hehler der Himmelsscheibe in einem Berufungsprozess, der zurzeit am Landgericht Halle stattfindet.

Kroll: So, aller Wahrscheinlichkeit nach, Westphal und Renner, die haben ganz offensichtlich den wirklichen Fundort bis heute nicht preisgegeben.

Die Himmelsscheibe von Nebra. Auf den Autobahnen weist ihr Bild hin zum Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale.
Die Himmelsscheibe ist eine archäologische Sensation. Denn aufgrund dieses Fundes könnte sich das europäische, ja das altzeitliche Weltbild, so wie es bisher überliefert ist, grundsätzlich wandeln.
Eine große Verantwortung. Die voraussetzt, dass die Fundgeschichte, die Sicherstellung und wissenschaftliche Prüfung der Scheibe widerspruchslos geklärt und abgeschlossen sein müssen.
Doch - ist das alles tatsächlich bereits geschehen?

Die Fundgeschichte.

Meller: Die Untersuchung am Fundort ist abgeschlossen.

Dr. Harald Meller. Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle und Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt:

Meller: Wir haben das Raubgräberloch gefunden, wir haben sogar die Hammerspuren gefunden von dem Hammer, der eben die Scheibe beschädigte, wir haben sogar die Reste der Trinkflaschen gefunden der Täter und so weiter, das deckt sich alles exakt mit den Aussagen, also das Netz der Indizien ist hier lückenlos geknüpft.

Ist "das Netz der Indizien" wirklich "lückenlos geknüpft", wie Dr. Meller behauptet?
Keineswegs, meint der Bronzezeitspezialist Prof. Dr. Peter Schauer von der Universität Regensburg.

Peter Schauer: Was die Fundgeschichte angeht, so gibt Herr Meller in seinem illustrierten Band "Der geschmiedete Himmel. Die weite Welt im Herzen Europas vor 3600 Jahren", aus Anlass der Hallenser Ausstellung erschienen, folgende Angabe: An einem schönen Sommertag 1999 seien zwei Metallsucher mit einem Suchgerät über den Mittelberg gegangen, der seit 1986 als Bodendenkmal bekannt war. Sie hätten durch Zufall den oberen Rand dieser Himmelsscheibe erkannt, sie mit einem Hammer herausgerissen, für einen alten Eimerdeckel gehalten und die übrigen Gegenstände - die Schwerter mit goldverziertem Griff und die Beile - komplett ausgehoben.
Nur wenige Tage später, so Meller, verkauften die Raubgräber den Fund für 31 000 Mark an einen Zwischenhändler aus dem Rheinland - wohlgemerkt einen verdreckten alten Eimerdeckel und zwei Bronzeschwerter, drei Randleistenbeile und eine Spirale, die für sich genommen im Kunsthandel allenfalls 5.000 Mark erbringen würden. Mit Verlaub gesagt: Das Ganze ist allenfalls eine Legende, aber für einen einigermaßen realistisch denkenden Menschen völlig unglaubwürdig. Denn diese auf Schatzsuche gehenden Personen sind im Allgemeinen mit dem Überprüfen ihrer Funde - vor Ort schon! - sehr gewissenhaft und genau und dass denen ein wie auch immer verschmutzter goldener Himmel auf einer Bronzescheibe entgangen sein soll, ist mehr als zweifelhaft.


Judith Oexle: Wenn wir zur Fundgeschichte gehen, dann gibt es einfach seit Montelius, dem berühmten schwedischen Archäologen, ein Kernstück der archäologischen Argumentation, das heißt: der geschlossene Fund.

Dr. Judith Oexle - Landesarchäologin in Sachsen.

Oexle: Ein Grab zum Beispiel ist ein geschlossener Fund. Sie wissen, dass alle Gegenstände, die in einem Grab sich befinden, gleichzeitig deponiert sein müssen. Das heißt zwar noch nicht, dass sie alle gleich alt sind, aber sie sind gleichzeitig deponiert worden, und es gehört zu meiner Wissenschaft - man kann durch verschiedene Grabanalysen sozusagen Altersspannen identifizieren. In diesem Fall haben wir Beschreibungen, die heißen einmal, man habe die Scheibe knapp unter dem Waldboden gefunden und man habe dann beim Weitergraben, nebenbeiliegend, Schwerter, Beile und Spiralen geborgen. Das sind nun keine Fundberichte von Archäologen, sondern es sind Sekundärquellen, nämlich die Formulierungen von Erstgräbern und Händlern.

Josef Riederer: Wenn das richtig ist, dass das Leute waren, die das mit Metalldetektoren gefunden haben, dann finden die ja ständig irgendwas. Also ich hätte überhaupt kein Vertrauen zu einem Fund, der auf derartige Weise zusammenkommt. Also im Hinblick auf die Zusammengehörigkeit.

Ist das sehr häufig, dass solche Funde...?

Riederer: Das ist fast die Regel.

Prof. Dr. Josef Riederer, Direktor des "Rathgen-Forschungslabors der Staatlichen Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz". Prof. Riederer ist ein international anerkannter Spezialist auf den Gebieten der Materialanalyse und der Echtheitsprüfung archäologischer Objekte.

Riederer: Wenn sie jetzt einen Fund, Schwert und Beil und allem, haben, dann sagen sie: Das ist das Grab eines großen Fürsten oder so, während sonst ein Einzelobjekt, das ist dann eines von vielen Tausend.

Das Alter der Bronzescheibe wird mit 3600 Jahren angegeben. Doch dieses Alter lässt sich weder durch physikalische noch durch chemische Analysen exakt ermitteln. Wissenschaftliche Untersuchungen an der Bergakademie Freiberg ergaben, dass die Scheibe älter als 100 Jahre sein muss.

Riederer: Also zu den Gutachten von naturwissenschaftlicher Seite besteht überhaupt keine Möglichkeit, irgendwas zu dem Alter von dem Objekt zu sagen, mit Ausnahme eben der Aussage, es ist relativ alt, es ist also keine Fälschung aus dem 20. Jahrhundert und wahrscheinlich auch nicht aus dem 19. Jahrhundert. Das kann man eben ausschließen. Aber wenn's eben dann ein archäologischer Bodenfund ist, dann kann man den eben wirklich mit archäologischen Methoden eingrenzen. Mit naturwissenschaftlichen überhaupt nicht. Also ich habe keine Möglichkeit, durch irgendeine Art von Materialanalyse wie bei der Keramik oder beim Holz mit der Radiokarbonmethode ein Alterswert anzugeben. Das geht mit Sicherheit nicht. Es gibt einfach keine Möglichkeit, da irgendwas dazu zu sagen.

Datieren lässt sich die Scheibe nur von Archäologen. Aber diese Datierung ist heikel. Denn auch historisch lässt sich die Himmelsscheibe nicht einordnen - sie ist einzigartig.
Nur die Beifunde, also die Gegenstände, die mit ihr in dem Fundgrab gelegen haben sollen, erlauben eine genauere Datierung.

Ich komme noch einmal auf die Bedeutung der Funde zurück. Es hängt natürlich alles an den Beifunden, an den Schwertern. Ist das nicht heikel?

Meller: Es ist selbstverständlich sehr heikel, die Scheibe allein könnten Sie nicht datieren, weil sie ein völliges Unikat ist. Und die Niederlegungszeit, nicht die Anfertigungszeit, können sie mit den anderen niedergelegten Funden, den Schwertern, den Beilen und dem Meißel, feststellen. Und nun ist ganz wichtig zu wissen, ob die Funde wirklich zusammengehören und nicht etwa von den Raubgräbern zusammengestellt worden, was ab und an vorkommt.

Die Schatzsucher sollen ausgesagt haben, dass sämtliche Funde aus einem Grab auf dem Mittelberg bei Nebra stammen. Der Wortlaut ihrer Aussagen ist nicht publiziert.

Oexle: Wir brauchen den Grabungsbericht vom Mittelberg. Und jeder Kollege von uns weiß, wie ein Grabungsbericht auszusehen hat. Da ist bitte das Profil, das ist eine genaue Ansprache der Strategrafie, also der Sequenz von Schichten, und dann möchten wir bitte gerne wissen, was für Funde aus diesen Schichten kommen, weil sie über die Funde den Befund, die Schichten also, datieren können. Das ist das eine. Das andere ist, dass wir ja im Falle dieses Komplexes keine archäologische Auffindungsgeschichte haben, sondern nur eine Auffindungsgeschichte, die sozusagen sekundär ist. Wir haben die Gräber, wir haben Verkäufer, und an die Stelle des Grabungsberichtes müssen die Aussagen dieser Leute treten. Das heißt, wir müssen jetzt darauf warten, das diese publiziert werden - und zwar im Originalton! Weil nur das Dritten, also Wissenschaftlern wie mir, die Chance gibt, die Validität zu überprüfen.
Im Augenblick können wir Fachkollegen nicht nachvollziehen, sondern sind darauf angewiesen, zu glauben. Wissenschaft heißt aber Wissen!


Die wissenschaftlichen Untersuchungen.

Meller: Uns reicht das Geständnis. Es ist aber auch gar nicht relevant, verstehen Sie. Relevant ist, dass wir naturwissenschaftlich nachweisen können, aufgrund der Erdanhaftungen, dass die Schwerter, die Himmelsscheibe und die Beifunde zusammengehören. Und dass das alles auch dort perfekt auf den Mittelberg passt.

Mit den Bodenproben soll die Fundstelle auf dem Mittelberg zweifelsfrei belegt werden. Nach dem Geständnis der Grabräuber sind die Bodenanhaftungen an den Funden für Dr. Meller das stärkste Indiz.
Unklar ist aber, wer wo die Bodenproben entnommen hat.

Meller: Na, die Anhaftungen an der Scheibe wurden schon im LKA dokumentiert. Ob schon im LKA Proben entnommen wurden, da müsste ich nachfragen. Da müssen Sie Herrn Wunderlich fragen. Auf alle Fälle wurde auch in unserer Restaurierungswerkstatt natürlich dokumentiert. Von den Restauratoren und Mitarbeitern.

Auf unsere Anfrage beim LKA Brandenburg am 25. Januar 2005 teilt die Pressesprecherin Frau Kotteweiss mit: Die Proben sind nicht vom LKA Brandenburg entnommen worden.
Auf Nachfrage beim LKA Sachsen-Anhalt werden wir an die Staatsanwaltschaft Halle verwiesen. Wegen des Berufungsprozesses gegen die mutmaßlichen Hehler ist im Moment keine Akteneinsicht möglich.

Ich habe da noch eine Frage zu den Bodenproben. Weil die gestern gesagt haben, in Brandenburg wären 0,13 Gramm analysiert worden. Ist das ausreichend gewesen. Warum hat man einfach nicht mehr hingeschickt.

Dr. Christian-Heinrich Wunderlich, Mitarbeiter des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle.

Christian Heinrich Wunderlich: Sehr viel mehr können wir auch gar nicht geben. Weil wir haben das so planquadratmäßig entnommen von der Scheibe. Und so fürchterlich viel, da hängen natürlich nicht kiloweise Erdmaterial dran, so viel isses nicht. Und wir haben Herrn Adam gefragt, ob die Menge ausreicht und der hat das bestätigt, das ist in Ordnung.

Die Rechtsanwältin Elke Thom-Eben, Düsseldorf:

Elke Thom-Eben: Diese Proben sind von Meller und seinen Leuten genommen worden, die sind nicht von der Staatsanwaltschaft gesichert worden. Es ist keine einzige Probe unter Aufsicht des LKA, wie es sonst üblich ist, also von Ermittlungsbehörden... Ne, dieses Museum ist zwar ne Behörde, das ganze da, aber ist keine Ermittlungsbehörde... Das sind selbst genommene Proben! Also so was gibt es nicht noch mal!

Kroll: Man stelle sich vor, in diesem Raum passiert ein Mord und nicht Polizeibeamte sichern hier die Fingerabdrücke, sondern Sie dürfen das beispielsweise tun und schicken die entsprechende Probe dann zum LKA hier in Düsseldorf und sagen, das habe ich am Tatort gefunden und behaupten das und die wird dann vergleichend untersucht und der Fingerabdruck stimmt mit der irgendeiner x-beliebigen Person überein und der wird dann unter Mordverdacht festgenommen.

Thom-Eben: Und dummerweise gibt es keine Restspuren mehr. Die sind ja alle entfernt worden...

Zu einem Zeitpunkt, als die Fragen nach der Echtheit und genauen Datierung der Himmelsscheibe noch umstritten sind, nehmen die Mitarbeiter des Landesmuseums für Vorgeschichte die Probe selbst und schicken sie zum LKA Brandenburg - 0,113 Gramm von der Scheibe und 70 Gramm Vergleichsproben vom vermeintlichen Fundort Mittelberg.
Beim LKA Brandenburg untersucht Dr. Jörg Adam die Proben. Adam ist forensischer Chemiker. Ein belastbares Prüfprotokoll liegt bis zum heutigen Tage nicht vor.
Dr. Wunderlich:

Wunderlich: Das gehört bei Herrn Dr. Adam zum Grundhandwerkszeug, dass man dann Vergleichproben nimmt, um die Methode zu überprüfen, funktioniert denn das. Und es ist aber auch so, dass Herr Adam nicht nur einfach blind untersucht. Er ist in der Geologie dann auch sehr bewandert und kann auch erklären, warum ist genau Mittelberg so zusammengesetzt. Also Verwitterungsprodukt von Buntsandstein, Löseinwehungen, bestimmte Pollen, alles mögliche, was diesen Berg dann unverwechselbar macht. Je mehr sie Parameter Sie finden, die unabhängig von einander sind, dass ist ganz wichtig, umso mehr haben Sie die Wahrscheinlichkeit auf eine Identität. Es wäre also wie zehn Richtige im Lotto, wenn Sie irgendwo in der Nähe oder gar im Ausland noch einmal den genau gleichen Boden finden.

Der kann jetzt also auch nicht zehn Kilometer weiter auf einem anderen Berg...?

Wunderlich: Nein, nein, nein.

Das würde sich unterscheiden dieser Boden?

Wunderlich: Das würde sich unterscheiden. Der unterscheidet sich, dass habe ich schon festgestellt, schon auf dem Mittelberg. Dass Sie schon 100 Meter weiter, da haben wir ja auch Vergleichsproben gezogen, dass ist schon anders.

Riederer: Ein Zehntel Gramm ist das dann... Und die wollten nachweisen, dass die Scheibe von dem... Also das ist wirklich absolut unmöglich! Man kann schon sagen, also die Bodenprobe, die auf der Scheibe gefunden worden ist, entspricht dem Boden am Mittelberg. Aber man muss dann auch sagen, die Bodenprobe von der Scheibe und vom Mittelberg ist identisch mit Bodenproben aus Orten, die im Umkreis von 100 Kilometern... Also der Boden ist ja immer 'ne Folge von geologischem Untergrund, und der ist in der Gegend ja ziemlich einheitlich.

Prof. Dr. Josef Riederer, Rathgen-Forschungslabor, Berlin.

Riederer: Also er argumentiert so, dass der Boden an 'nem bestimmten Fundpunkt, also am Mittelberg, die Summe von einer großen Zahl von Einzelfaktoren ist. Er erwähnt also zum Beispiel die Pollen. Das ist sicher richtig.
Nur sagt er eben, der Boden hängt davon ab, welcher Stein verwittert, da nennt er den Buntsandstein, der Buntsandstein ist ja dort gewaltig weit verbreitet. Und die Situation - verwitterter Buntsandstein, Löseinwehungen plus die Pollen, die ja von der Vegetation abhängen, die ja dort a immer gleich ist, ob das jetzt Birken oder Kiefern sind, also ich glaub, das ist ein unhaltbares Argument.


Für Dr. Harald Meller sind alle Fragen, die zum Fundkontext der Himmelsscheibe gestellt werden, abschließend beantwortet. Es gäbe keine offenen Fragen mehr. Alles nur - ein Medienspektakel.

Meller: Es ist ein mediales Ereignis, weil solche Dinge immer medial wirken und ihre Gesetzmäßigkeiten entfalten, aber wie viele medialen Dinge ist es eine vorübergehende Sache, die sich, in ihrem Sprachgebrauch, versendet, was bleiben wird, ist der großartige Fund mit einer schönen Publikation und einem spannenden Kongress. Kurz: Der Fund wird bleiben und es wird sein wie bei Ötzi, all diese Bücher, die Behauptungen, die Fernsehsendungen werden vergessen sein. Die Menschen pilgern heute zu Ötzi nach Bozen in das neu errichtete Museum und sind völlig begeistert, und die Menschen werden nach Halle pilgern und völlig begeistert von der Scheibe sein.

Oexle: Ich würde einfach darum bitten, wenn wir wissenschaftlich vorankommen wollen, dass endlich die Unterlagen, die eine Überprüfung ermöglichen - also die materialkundlichen Analysen, die bodenkundlichen Analysen, die Berichte von Findern und Verkäufern -, publiziert werden. Zugänglichkeit der Fakten ist die Voraussetzung für wissenschaftlichen Diskurs.
Archäologie ist keine Abenteuerwissenschaft! Archäologie hat was mit Disziplin, mit genauem Hingucken können und mit einem gerüttelt Mass an kritischer Wertung dessen zu tun, was man glaubt zu sehen.

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