Menschen und Landschaften
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Sonn- und Feiertag • 9:05
1.2.2004
Hochzeit in Surgut
Vom neuen Reichtum Westsibiriens
Von Mirko Schwanitz

Ölförderung in Surgut (Bild: AP)
Ölförderung in Surgut (Bild: AP)
Surgut ist nicht Dallas. Und auch nicht Denver. Noch nicht. Surgut ist Sibirien, aber Surgut ist reich. Surgut hat Öl. Neun Monate im Jahr ist Winter, viele Denkmäler sind aus Eis und alle Wohnungen sind überheizt. Der Strom fällt nie aus, nachts sind die Straßen beleuchtet, und die Autos, davon mindestens die Hälfte westlichen Fabrikats, halten für jeden Passanten an den Fußgängerüberwegen. 'Allein dafür liebe ich diese Stadt', sagt Taras, 'weil sie Dinge möglich macht, die in Russland keiner für möglich hält.' Taras ist ein glücklicher Mensch, er hat Natascha geheiratet, und die 180 Hochzeitsgäste sind guter Dinge. Finanziell hat Taras, wie die meisten Einwohner Surguts, keine Probleme. Vielleicht ist er noch ein wenig reicher als andere, schließlich besitzt er eine Zeitung und zwei Radiosender. 'Aber wenn ich mit einer Stretchlimousine zum Standesamt fahre, dann nur, um dem korrupten Bürgermeister zu zeigen, dass man auch mit eigener Hände Arbeit etwas schaffen kann.' Vor kurzem wurde dem knapp 30-jährigen das Amt des Vize-Gouverneurs der westsibirischen Region Tjumen angeboten. 'Ich wusste, dass er ablehnen wird', sagt Natascha und man sieht ihr an, das sie glücklich darüber ist.

Mirko Schwanitz: Geboren 1963. Journalistikstudium in Leipzig, außenpolitischer Redakteur bei Tageszeitungen in Potsdam und Berlin, danach freiberufliche Tätigkeit für den Hörfunk der ARD und die BBC. Seit 1992 Berichte, Reportagen und Features vorrangig aus Ost- und Südosteuropa.
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