Menschen und Landschaften
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Sonn- und Feiertag • 9:05
14.3.2004
Die Eisangler von Nowgorod
Einige Besonderheiten russischer Freizeitgestaltung
Von Boris Schumatsky

Eisangeln - Fische tiefgekühlt (Bild: dradio.de/Stefan Lampe)
Eisangeln - Fische tiefgekühlt (Bild: dradio.de/Stefan Lampe)
Der Preis, den die Eisangler von Nowgorod für ihre Leidenschaft zahlen, ist hoch. Jedes Frühjahr brechen einige von ihnen ein und ertrinken im eiskalten Wasser des Ilmensees. Sie bohren Löcher ins Eis und verbringen oft ganze Tage in der Kälte. Von weitem sehen die gebückten Gestalten wie sterbende Soldaten eines missglückten Winterfeldzugs aus. Das Große Nowgorod, auf halbem Weg zwischen Moskau und St. Petersburg, war einst Hansestadt und die zweitgrößte Stadt der Kiewer Rus. Im 13. Jahrhundert trieb Alexander Newski das Heer des Deutschen Ritterordens auf den gefrorenen See. Die schwergepanzerten Reiter brachen ein und ertranken. Jeder Eisangler kennt diese Geschichte. Doch heute ist Nowgorod eine unbedeutende russische Provinzstadt.

Boris Schumatsky: Geboren 1965 in Moskau, studierte Kunstgeschichte in St. Petersburg, damals Leningrad. Während der Perestroika schrieb er politische Kommentare für deutsche Tageszeitungen - eine Hommage an die Umbruchszeit. 1994 kam er nach Berlin, um an der Freien Universität im Fach Politikwissenschaft zu promovieren. Seit 1995 ist Boris Schumatsky freier Autor. Aus seinem ersten Feature für DeutschlandRadio Berlin entstand die Familienchronik 'Silvester bei Stalin', im PHILO-Verlag erschienen.
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