Menschen und Landschaften
Menschen und Landschaften
Sonn- und Feiertag • 9:05
6.6.2004
Die Mesemhir von Lalibela
Kirchenschulen im äthiopischen Hochland
Von Oliver Metz und Martina Schulte

Ein Mesemhir (Bild: Oliver Metz)
Ein Mesemhir (Bild: Oliver Metz)
Abgeschieden in den Bergen des äthiopischen Hochlands liegt Lalibela. Ein kleines Dorf wie viele andere mit traditionellen Rundhütten, Viehmarkt und staubiger Straße, gäbe es da nicht die elf Felsenkirchen, die der sagenumwobene König Lalibela im 12. Jahrhundert aus dem Berg schlagen ließ. Verborgen in tiefen Gräben und Höhlen, verbunden durch ein verwirrendes Labyrinth aus Tunneln, Grotten und Galerien.

Schule in Lalibela (Bild: Oliver Metz und Martina Schulte)
Schule in Lalibela (Bild: Oliver Metz und Martina Schulte)
Seit Jahrhunderten bestimmen diese Kirchen das Leben der Dorfbewohner. Mehr als die Hälfte der männlichen Einwohner steht im Dienst der äthiopisch-orthodoxen Kirche. Während ihre Frauen den irdischen Teil der Arbeit erledigen, Sorgum malen, Injera backen und die Kinder versorgen, verdienen Afe Memhir, Mergeta Mekonen und Re'se Debre Gebremeskel ihr Brot als Mesemhir. In der Hierarchie stehen sie zwischen dem Volk und den Priestern, sie bilden den Nachwuchs aus und schlichten Streitfälle. Ihre Hauptaufgabe aber ist das Singen, so wie schon ihre Väter und deren Väter zu Ehren von Yesus, Mariyam und Gabriel gesungen haben.

Oliver Metz: Jahrgang 1969, arbeitet als Autor und Regisseur in Köln.

Martina Schulte: Jahrgang 1968, lebt als Autorin und Journalistin in Köln und Amsterdam.
Ihr gemeinsames Projekt H2O-Wasserstandsmeldungen wurde im November 2002 mit dem Hans-Nerth-Stipendium ausgezeichnet.

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