Menschen und Landschaften
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Sonn- und Feiertag • 9:05
31.5.2004
Heimat auf Zeit
Die italienische Vulkaninsel Stromboli
Von Ingrid Norbu

Stromboli im Jahr 1955 (Bild: AP)
Stromboli im Jahr 1955 (Bild: AP)
An die Stille und das Fehlen von Farben auf der Insel Stromboli muss sich der Neuankömmling erst gewöhnen. Ein schwarzer Vulkankegel, ein schwarzer Strand, ein tintenblaues Meer, dazu ein paar weiße, kubusförmige Häuser, das ist alles. Nachts ist es so dunkel und die Sterne leuchten so stark, dass man sich wie im Weltall fühlt. Dem Erdinnern glaubt man sich aber ebenso nahe, oben auf dem Krater, aus dem alle zehn Minuten ein Feuerwerk aus Lava sprüht. Rossellinis Film "Stromboli-Terra di Dio" machte die Insel 1949 weltberühmt. Seitdem sind Stromboli und die übrigen sechs Liparischen Inseln Ferienziel, Heimat auf Zeit, auch für die Inselbewohner selbst. Der Hotelier Uito Russo arbeitet im Winter in Brasilien. Salvatore Moleta, der vor 37 Jahre nach Australien auswanderte, sagt: "Die Alten sind gestorben, die Jungen sind mir fremd." Immerhin, der Fisch in den Restaurants kommt noch aus den umliegenden Gewässern.

Ingrid Norbu: Jahrgang 1950. Schaufensterdekorateurin, später Lehrerin. Sechs Jahre 'Auszeit' mit Rucksacktouren durch Asien bedeuteten schließlich das Ende der Beamtenlaufbahn, denn das Herumreisen mit Notizbuch und Rekorder war zum neuen Beruf geworden. Es folgten seit 1991 ein Geschichts- und Indologiestudium an der Universität Köln, Radiosendungen und Presseveröffentlichungen. Themen: Immer noch Asien, aber auch eindrucksvolle Landschaften, Geschichten von Anpassung und Rebellion anderswo.
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