Menschen und Landschaften
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Sonn- und Feiertag • 9:05
8.8.2004
Anando
Der Sänger aus Bengalen und die Fremde Europas
Von Christian Brüser

Anando (Bild: Christian Brüser)
Anando (Bild: Christian Brüser)
Anando stammt aus einer Baul-Familie. Die Bauls leben in Westbengalen und Bangladesch. Seit Jahrhunderten gehen sie ihren eigenen spirituellen Weg. Ihr Gottesdienst besteht ausschließlich aus religiösen Liedern. Traditionell ziehen die Bauls durch das Land und leben von den Gaben der Dorfbewohner. Anando trägt schon als Kind seine Lieder vor und verdient Geld für die Familie.

Mit achtzehn Jahren lernt er eine deutsche Touristin kennen. Sie lädt den Sänger nach Europa ein. Anando fühlt sich hilflos in der fremden Welt. Bei einem Inder sucht er Zuflucht. Zurück in der Heimat wird er von seinen Eltern mit der 15-jährigen Ashoka verheiratet. Sie bekommen einen Sohn und bauen sich einen schönen Ashram.

Auf einem Baul-Fest begegnet Anando der Trommlerin Uma. Er schlägt ihr vor, ihn auf eine Tournee nach Frankreich zu begleiten. Ashoka leidet unter der Beziehung ihres Mannes zu Uma. "Ich will gehen," sagt sie, "um mich mache ich mir keine Sorgen, aber um dich, Anando."

Christian Brüser: Geboren 1964 in Weingarten, Baden-Württemberg. Die Neigung zum Reisen zeigt sich früh. Mit vier läuft er seinen Eltern auf einer Adriainsel davon, trampt mit 16 durch Norwegen und nach der Schule sechs Monate durch Indien. Er arbeitet bei Orgel-, Geigen- und Cembalobauern und studiert in München, Indien und Wien Indologie, Tibetologie und Buddhismuskunde. Anschließend an der Diplomatischen Akademie in Wien Wirtschaft, internationales Recht und Sprachen. Die erste Reportage führt ihn nach Indien, an die Quellen des Ganges. Seine Radiofeatures werden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien gesendet. 2001 erhält er den Andreas-Reischeck-Preis, den wichtigsten Hörfunkpreis Österreichs. Christian Brüser lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Wien.
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