Menschen und Landschaften
Menschen und Landschaften
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19.9.2004
Eis vom Chimborazo
Bei den Hochlandindianern in Ecuador
Von Uwe Stolzmann

Ein Indio zerteilt Gletschereis (Bild: Uwe Stolzmann)
Ein Indio zerteilt Gletschereis (Bild: Uwe Stolzmann)
Nahe der Stadt Riobamba in Ecuador erhebt sich der Chimborazo, mit 6300 Metern der höchste Gipfel Südamerikas. Wie eine gigantische Gottheit, gekrönt von einer Haube aus ewigem Eis, thront der erloschene Vulkan mit sechzehn Gletschern über dem Hochland. Ecuador ist Indianerland. Achtzig Prozent der Einwohner sind Indios und Mestizen, die meisten gehören zum Volk der Quichua.

Das Eis wird auf Eseln abtransportiert (Bild: Uwe Stolzmann)
Das Eis wird auf Eseln abtransportiert (Bild: Uwe Stolzmann)
Seit vorkolonialer Zeit nutzen die Indios die Gaben des Vulkans. In 5000 Meter hoch gelegen Eisbrüchen gewinnen die Männer Gletschereis. Verpackt in Heu wird es auf den Rücken von Mensch und Eseln bis in das 25 Kilometer entfernte Riobamba transportiert, um es im Tal zu verkaufen. Doch vermutlich wird es die Eismänner bald nicht mehr geben, denn für zwei Tage harter Arbeit erhält ein Indio ganze vier Dollar Lohn.

Uwe Stolzmann: Geboren 1959 in Berlin, lebt in der Schweiz. 1982-1987 Studium der Lateinamerika-Wissenschaften, Universität Rostock, 1987 Diplom als Lateinamerikanist und Historiker. 1987-1991 Redakteur bei einer Tageszeitung. Seit 1992 freier Hörfunk-Autor, vorrangig Auslandsreportagen und künstlerische Features.

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