Menschen und Landschaften
Menschen und Landschaften
Sonn- und Feiertag • 9:05
17.10.2004
Techno in Sarajevo
Neues Leben in der Hauptstadt Bosniens
Von Mirko Schwanitz

Sarajevo im April 1996 (Bild: AP Archiv)
Sarajevo im April 1996 (Bild: AP Archiv)
In Sarajevo feiern die Leute und erzählen einem gleichzeitig von der Hölle. Irina hatte mit 13 angefangen Musik zu machen. Mit einer kleinen Band in dunklen Kellern. Es war Krieg. Sie sangen die Lieder von Metallica und Iron Maiden. Das war der Stil, der am ehesten wiedergab, was sie erlebten: Hardcore. Alma und Jasmina hatten gesagt, abends um zehn ginge das Leben in Sarajevo erst richtig los. Jeff Mill wird spielen, der Superstar der Techno-Szene. Das hier ist Sarajevo, das junge Sarajevo! Die Mädchen recken den Daumen nach oben, als wollten sie sagen, na endlich! Am nächsten Tag zeigen sie das Hotel, in dem der Serbenführer Radovan Karadzic einst sein Büro hatte. Im April 1992, Alma und Jasmina waren damals 12 und 14 Jahre alt, saß hinter einem der funkelnden Fenster ein Scharfschütze. Ruhig ließ er die demonstrierende Menschenmenge an sich vorüberziehen. Bis Suada Dilberovic in seinem Zielfernrohr auftauchte. Die 21-jährige Studentin war das erste Opfer des Krieges in Sarajevo. Warum hatte er gerade sie ausgewählt? Vielleicht hat sie ihm gefallen ...

Mirko Schwanitz: Geboren 1963. Journalistikstudium in Leipzig, außenpolitischer Redakteur bei Tageszeitungen in Potsdam und Berlin, danach freiberufliche Tätigkeit für den Hörfunk der ARD und die BBC. Seit 1992 Berichte, Reportagen und Features vorrangig aus Ost- und Südosteuropa. In Sarajevo war Mirko Schwanitz bereits 1994 während der serbischen Belagerung Bosniens.
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