Menschen und Landschaften
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Sonn- und Feiertag • 9:05
7.11.2004
Entenjagd bei Dubna
Einige Besonderheiten russischer Freizeitgestaltung
Von Boris Schumatsky

Vorbereitung auf die Entenjagd (Bild: Boris Schumatsky)
Vorbereitung auf die Entenjagd (Bild: Boris Schumatsky)
Die Kleinstadt Dubna liegt 100 Kilometer nördlich von Moskau am Moskauer Meer, einem Stausee des Wolgakanals, der die Moskwa mit der Wolga verbindet. Mit einem brüchigen Motorboot fuhren die Jäger in eine abgelegene Bucht. Die Patronengurte waren voll, die Gewehre lagen sicher im Bug, die Wodkaflaschen wurden sorgfältig mit dem restlichen Proviant verstaut. Morgen früh, sagte Gennadij, werden Hunderte Jäger am Ufer stehen. Sobald die ersten Enten zu sehen sind, feuern alle zugleich ab, und der Pulverrauch wird wie der Morgennebel zum Himmel steigen ...

Warum hätte man Gennadij nicht glauben sollen? Immerhin war er der Vorsitzende der örtlichen Jagdgesellschaft und bis vor ein paar Jahren Chef der Kriminalpolizei von Dubna. Auch die anderen Jäger waren keine Laien. Sascha zum Beispiel war Hauptmann der Sowjetarmee gewesen. Erste Zweifel kamen auf, als Gennadij in den Stausee fiel und Sascha auf leere Wodkaflaschen schoss. Die Enten hatten an diesem Tag nichts mehr zu befürchten.

Boris Schumatsky: Geboren 1965 in Moskau, studierte Kunstgeschichte in St. Petersburg, damals Leningrad. Während der Perestroika schrieb er politische Kommentare für deutsche Tageszeitungen - eine Hommage an die Umbruchszeit. 1994 kam er nach Berlin, um an der Freien Universität im Fach Politikwissenschaft zu promovieren. Seit 1995 ist Boris Schumatsky freier Autor.
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