Lange Nacht
Lange Nacht
Freitag • 23:05
24.12.2004
Noch lebt in mir der Hoffnung Lust und Schmerz
Die Lange Nacht des Friedrich Hölderlin
Von Hans Bräunlich

Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente (Bild: Luchterhand Literaturverlag)
Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente (Bild: Luchterhand Literaturverlag)
Zeitgenossen nannten ihn den armen Hölderlin. Das seelische Verstörtsein des 1770 geborenen, extrem empfindenden, unerfüllbare Ansprüche an sich und seine Umwelt stellenden Dichters setzte 1799 verstärkt ein. Da hatte er nicht nur seinen Hoffnungen auf gesellschaftliche Umwälzungen in Deutschland längst aufgeben müssen. Auch sein persönliches Scheitern (die Ablehnung als Dichter durch Goethe, der Zwang zum Broterwerb als Hofmeister, die unerfüllbare Liebe zur Bankiersgattin Suzette Gontard, die zur vergötterten Diotima-Figur im "Hyperion"-Roman wird) war nicht mehr zu verleugnen. Zwangsläufig daher nun Friedrich Hölderlins Verklärung des klassischen Griechenlands gegenüber der deutschen Misere. Auch die lebenslang gebrochene Beziehung zur Mutter trug zum tragischen Schicksal des Dichters bei: Ab 1807 vegetierte er bis zum Tode 1843 in einem Turmzimmer am Neckar. War es aber wirklich Wahnsinn oder nur Flucht in die Krankheit? Sein zeitweilig wichtigster Dialogpartner: Wilhelm Waiblinger, ein Zeitgenosse von ähnlichem Naturell, doch niemals zu der Dichterreife gelangt wie jener, den er im Tübinger Turm aufsuchte und dessen erster Biograph er wurde.

Die szenische Collage, gestaltet aus Briefen, Werk-Texten und Zeitzeugen-Berichten, zeichnet als sozusagen authentische Biografie in drei Kapiteln die Lebens- und Dichterhoffnungen des Friedrich Hölderlins in der Langen Nacht nach.


D. E. Sattler, geboren 1939 in Apolda, Thüringen, lebt jetzt in Treya. Anfang der Siebzigerjahre hat er mit der Arbeit an einer neuen Ausgabe der Schriften Friedrich Hölderlins begonnen.

D. E. Sattler (Hrsg.)

Friedrich Hölderlin
Sämtliche Werke, Briefe und Dokumente. 12 Bände
Broschur in Kassette, 12 Bände einzeln
Luchterhand Literaturverlag
2004


Mit dieser Leseausgabe in 12 Bänden legt D. E. Sattler die Summe seiner Arbeit als Herausgeber vor. Er begann damit 1972 als junger Leser Hölderlins, dem die vorhandenen Ausgaben nicht genügten. Um zu den vollständigen und überprüfbaren Texten zu gelangen, ging er zurück zu den Manuskripten und begann mit der Arbeit an der 20bändigen historischkritischen Ausgabe. Ein verborgener Hölderlin trat hervor, und Sattler hatte die Praxis des Edierens damit insgesamt revolutioniert. Weiterlesen: Friedrich Hölderlin bei Random House



Hölderlin-Gesellschaft
Die Hölderlin-Gesellschaft setzt sich in ihrer Arbeit vornehmlich vier Schwerpunkte: In mehrtägigen zweijährlichen Jahresversammlungen - alternierend in Tübingen und anderen Städten - bietet sie ihren Mitgliedern die Möglichkeit zu einem offenen Austausch zwischen Publikum, Forschern und Künstlern. Mit ihren Publikationen, Jahrbuch und Schriftenreihe unterstützt sie die Forschung und vermittelt deren neueste Ergebnisse. Sie fördert die wissenschaftlichen Hölderlin-Ausgaben und hält engen Kontakt zum Hölderlin-Archiv. Im Auftrag der Stadt Tübingen verwaltet sie das Hölderlinhaus. Das Haus am Neckar ist Museum, Gedenkstätte und Forum für wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen (das Turmprogramm erscheint halbjährlich). Die Pflege anderer Hölderlin-Gedenkstätten gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben.


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