Literatur Live
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17.9.2004
Brigitte Kronauer: "Verlangen nach Musik und Gebirge"
Klett-Cotta
Rezensent: Rainer Moritz

Ein Hotel im belgischen Seebad Oostende: Zufällig findet sich eine Gruppe von Wochenendtouristen zusammen, die sich gemeinsam aufmachen, die Attraktionen der Stadt - darunter die Erinnerungsstätten des Malers James Ensor - aufzusuchen. Rasch gerät die Konstellation der Figuren durcheinander; Liebe, Hass und Eifersucht verrichten ihr Werk und stellen das vermeintlich Festgefügte in Frage.

Als "neutrale Beobachterin" in Brigitte Kronauers Roman (der im Titel ein Nietzsche-Zitat aufgreift) fungiert Frau Fesch, die sehnsüchtig auf das Ende der Ferientage und auf die Ankunft eines befreundeten, ja geliebten Komponisten wartet. Dieser soll ein Libretto vertonen, das Frau Fesch nach einer Erzählung Joseph Conrad geschrieben hat.

"Verlangen nach Musik und Gebirge" ist ein vielschichtiger, aufwühlender Roman, der um Liebe und Verrat kreist - in Brigitte Kronauers unverwechselbarer Kunstsprache, die hohe Töne mit umgangssprachlichen Wendungen verschränkt und selbst vertrauten Beobachtungen, etwa der Nordseeküste, neuen Glanz gibt.

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