Literatur Live
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22.9.2004
Henning Ahrens: "Langsamer Walzer"
S. Fischer Verlag
Rezensent: Jörg Magenau

Für sein Debüt "Lauf Jäger, lauf" erhielt der 1964 in Hamburg geborene Henning Ahrens viel Lob. Das Problem des zweiten Buches hat er mit einer fulminanten Fantasie gelöst und einfach eine Wirklichkeit weit in einer unerquicklichen Zukunft entworfen.

Mitten in der kriegszerstörten "Winterstadt" sitzt ein Autor an einem altertümlichen Computer. Er umreißt das Szenario und das Personal der Welt, in der er zu überleben sucht. Es ist eine brüchige Welt, die "schon bei einem so leisen Geräusch wie dem Zuklappen eines Buches in sich zusammenfallen würde".

Doch die Geräusche, die Henning Ahrens in seinem apokalyptischen Endzeitroman "Langsamer Walzer" heraufbeschwört, sind alles andere als zart. Versprengte Einzelkämpfer und konkurrierende Milizen belauern sich. Sie jagen nackte, schlammfressende Barbies und Kens, menschenähnliche Mutanten ohne Sprache und Geschichte, um sie in einer Räuberhöhle zu schlachten. Die letzten Soldaten der US-Armee hocken ungerührt im Schützengraben und spielen Karten.

Und die Liebe? Sie hat es schwer: "Man bekommt sie nicht, man nimmt sie sich", sagt der Räuberhauptmann, der so etwas wie ein Held dieser wahnsinnigen Geschichte ist. Am Ende der sieben Tage - ein umgekehrter Schöpfungsprozess läuft ab - wird schließlich ein Kind geboren. Es schreit ordnungsgemäß und ist gesund. Kein Zombie. Vielleicht gibt es ja doch noch eine Hoffnung, irgendwo im Nirgendwo.
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