Literatur Live
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15.10.2004
Peter Zilahy: Die letzte Fenstergiraffe
Eichborn
Rezensent: Marko Martin

So etwas gibt es also doch, wenn auch kaum in Deutschland: Eine Revolutions-Euphorie, die einen demokratischen Wandel meint, ein Ernstnehmen der Vokabeln Freiheit und Demokratie ohne Verbiesterung, vor allem aber eine souveräne Ironie, die nicht auf das Verwischen von Tätern, Mitläufern und Opfern zielt, sondern eine geradezu fröhliche Wut auf die Betonköpfe von Herrschern kippt, die sich etwa in Ex-Jugoslawien ungleich länger an der Macht halten konnten als ihre Mit-Potentaten in anderen Staaten des ehemaligen Ostblocks.

Der ungarische Autor Péter Zilahy, Jahrgang 1970, gibt seiner literarischen Zeugenschaft die Form des in seiner Heimat populären Kinder-Alphabets "Ablakzsiraf", eben jener Fenstergiraffe, die sich äußerst neugierig über Buchstaben und Realitäten beugt - und beides zusammenbringt in einer höchst unterhaltenden, subversiven und dennoch ernsthaften Form, die wieder einmal Joseph Brodskys Diktum bestätigt: "Ästhetik ist Ethik".
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