Literatur Live
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26.10.2004
Alex Garland: "Das Koma"
Goldmann
Rezensent: Kolja Mensing

Es ist spät geworden, Carl hat gerade noch die letzte U-Bahn erwischt. Plötzlich steigen vier Männer in den Waggon und beginnen, eine junge Frau zu belästigen. Carl will ihr helfen und wird brutal zusammengeschlagen. In einem Krankenhaus kommt er wieder zu sich.

Als er schließlich entlassen wird, quillt sein Briefkasten über, und seine Wohnung ist mit einer dichten Staubschicht bedeckt. Wie lange war er eigentlich fort? Carl hat jegliches Zeitgefühl verloren, und es dauert nicht lange, bis er bemerkt, dass auch sein Erinnerungsvermögen nachlässt. Sein Beruf, die Stadt in der er lebt, seine Freunde und sein eigener Name verschwinden in einem undurchdringlichen Nebel.

Es ist ein Albtraum: Alex Garland, der Ende der Neunzigerjahre mit seinem Debüt "Der Strand" als Vertreter einer neuen britischen Schriftstellergeneration gefeiert wurde, hat mit "Das Koma" einen bedrückenden Roman mit düsteren Anklängen an die Romantik geschrieben.

Sein Protagonist Carl verliert nach und nach jegliches Gefühl für die Wirklichkeit, bis er sich zuletzt hoffnungslos in dem Grenzland zwischen Amnesie und Halluzination verläuft. Oder war alles nur ein Traum?

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