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29.10.2004
Henning Mankell: "Ich sterbe, aber die Erinnerung bleibt"
Zsolnay
Rezensent: Carsten Hueck

Henning Mankell, schwedischer Roman- und Krimiautor, leitet in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, ein kleines Theater. Immer wieder hält er sich in Afrika auf, drei seiner Romane spielen dort. Auch seine neue Erzählung "Die Mangopflanze". Sie entstand, nachdem Mankell mehrere Wochen in Uganda mit Aidskranken und deren Angehörigen gesprochen hatte.

Am Beispiel des Mädchens Aida erzählt Mankell vom Schicksal afrikanischer Kinder, die ihre Eltern durch die Krankheit verlieren, bevor sie selbst erwachsen sind. Rund zwei Millionen sind es derzeit in Uganda, für die nächsten Jahre ist ein Anwachsen ihrer Zahl auf 40 Millionen in ganz Afrika prognostiziert. Die sozialen und kulturellen Folgen sind unabsehbar.

Mankells Erzählung erwähnt auch das Projekt der "Erinnerungsbücher": Sterbende Eltern verfassen für ihre Kinder Abschiedsbriefe. In ihnen resümieren sie ihr Leben, teilen Erfahrungen mit und porträtieren sich selbst. Oftmals ist das ihre einzige Hinterlassenschaft.

"Ich sterbe, aber die Erinnerung lebt", ist ein ungewöhnliches Buch. Es ist Literatur, sprengt aber die Grenzen der Fiktion. Ein authentisches "Erinnerungsbuch" ergänzt Mankells Erzählung. Ebenso authentisch kommen Wut und Trauer des Autors zum Ausdruck. Angesichts des Massensterbens ist er mit der eigenen Todesangst konfrontiert.
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