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18.10.2004
Bora Cosic: "Das Land Null"
Suhrkamp
Rezensent: Martin Sander

Aus dem Serbischen von Katharina Wolf-Grießhaber

Er habe Belgrad Anfang der neunziger Jahre nicht verlassen und sei nach Berlin gegangen, weil man ihn verjagt habe, erklärte einmal der serbische Schriftsteller Bora Cosic, sondern deshalb, weil er auf diese Weise gegen die politischen Zustände in seinem Heimatland protestieren wollte. Seither lebten er und sein Land, so Cosic, wie ein Mann und eine Frau in Trennung - doch ohne offizielle Scheidung.

In Bora Cosics neuem Roman "Das Land Null" rechnet ein alternder Dichter mit sich und seiner Welt ab. In einem grotesken Erzählstrom erscheint dabei die Geschichte seines Landes - mal aus der Perspektive eines verbarrikadierten Ferienhauses an der Adria, mal aus dem Blickwinkel seiner Charlottenburger Altbauwohnung - jeweils in der europäischen Tradition des Absurden. "Das Land Null" ist ein ebenso melancholisches wie radikales Alterswerk.
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