Literatur Live
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1.11.2004
Jurek Becker: "Ihr Unvergleichlichen" - Briefe
Suhrkamp
Rezensent: Michael Opitz

Jurek Becker (1937-1997), der zu früh Gestorbene, hat wunderbare Bücher geschrieben. Sein bekanntester Roman "Jakob der Lügner" spielt im Warschauer Getto und handelt von einem Mann, der es versteht, durch eine Lüge Mut zu machen. Die Geschichte ist nicht ohne Tragik, doch Jurek Becker vermag über das Unsagbare mit jenem feinen, ihm eigenen Humor, zu erzählen, dass sagbar wird, wofür die Worte fehlen.

Aber Jurek Becker war nicht nur ein beeindruckender Erzähler, sondern auch ein witziger, zuweilen charmanter, gelegentlich auch strenger Briefschreiber. Davon zeugen gleich zwei Bücher. Aus dem Nachlass sind bei Ullstein die Postkarten erschienen, die Jurek Becker seinem dritten Sohn Jonathan geschrieben hat, für den er sich immer neue Anreden einfallen ließ, die von "Meine liebe Gurkenzwiebel" bis zu "Du alter Mäuseklops" reichen.

Der andere, bei Suhrkamp erschiene Briefband, vereint Texte an Kollegen und Kritiker. Auch hier ist ein Fabulierer am Werk, zeigt sich in den Briefen ein Autor, der beteiligt ist, der sich einmischt, der Ärger nicht verschweigt, Missverständnisse korrigiert und sich mitteilt. Beide Bücher zeigen Jurek Becker als einen wahrhaftigen Geschichtenerzähler.
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