Literatur Live
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3.11.2004
Jan Koneffke: "Eine Liebe am Tiber"
DuMont Verlag
Rezensent: Wolfgang Schneider

Dorthin, wo die Zitronen blühen, ziehen die Deutschen bekanntlich besonders gerne. Jan Koneffke, nach einem Villa-Massimo-Stipendium 1995 für einige Jahre in Rom ansässig, hat Italien und seiner Hauptstadt eine literarische Liebeserklärung gemacht. Eine "Liebe am Tiber" schildert eine deutsche Lehrer-Familie, die Ende der sechziger Jahre nach Rom zieht. Der Vater Ludwig Wieland, ein ehemaliger Lastenseglerpilot der Wehrmacht, dem das Gerücht des Mussolini-Befreiers hartnäckig anhaftet, ist ein Lastensegler auch im normalen Leben, beschwert von bildungsbürgerlichen Ambitionen und seiner Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg.

Seine Frau dagegen genießt das römische "dolce vita" und hält es bald mit dem zeitgemäß anarchistischen Studenten Luca. Das ist die Liebe am Tiber, die auch im Tiber endet. Rekonstruiert wird die Geschichte im Rückblick von Sohn Sebastian, der auch von eigenen römischen Initiationen berichtet und zugleich die Befreiung von belastenden Erlebnissen sucht.

Man mag sich über diesem Roman an lebenspralle Fellini-Szenen erinnern, bunt schillernd und immer ein wenig ins Skurrile verzerrt. Gewisse Italien-Klischees werden nicht vermieden, vielleicht, weil sie so schön wahr sind. Konventionell, aber sehr liebevoll erzählt, bietet das Buch mit seiner Gestalten- und Episodenfülle eine angenehme Lektüre.
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