Literatur Live
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4.11.2004
Fritz Rudolf Fries: "Hesekiels Maschine"
Das Neue Berlin
Rezensent: Helmut Böttiger

Von Fritz Rudolf Fries hat man lange nichts mehr gehört. Er war einer der exzentrischsten DDR-Schriftsteller, der sich immer mehr für die westliche Avantgarde als für den sozialistischen Realismus interessierte. Als dann aber herauskam, dass er mit der Stasi kooperiert hatte, sank sein Stern.

In seinem neuen Roman geht er mit dieser Geschichte zum ersten Mal so souverän um, wie man es sich von ihm schon früher gewünscht hätte: Er brennt ein Feuerwerk von literarischen Assoziationen und Anspielungen ab und zeigt sich in der Virtuosität der künstlerischen Mittel seinen frühen Werken wieder ebenbürtig.

Die Stasi-Problematik ist aufgehoben in eine ästhetische Versuchsanordnung, die mit der Hesekiel-Geschichte aus dem Alten Testament, Dantes "Göttlicher Komödie" und der Ausweglosigkeit der DDR-Intellektuellen jongliert.
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