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9.11.2004
Sophie Dannenberg: "Das bleiche Herz der Revolution"
Deutsche Verlagsanstalt DVA
Rezensentin: Ursula März

In der Flut von Debütromanen jüngerer Schriftstellerinnen stellt dieses Buch einer 33-Jährigen, die unter dem Pseudonym Sophie Dannenberg schreibt, wohl eine Ausnahme dar: Es ist grell, böse und blutig, hemmungslos satirisch und es verstößt gegen den guten Geschmack.

"Das bleiche Herz der Revolution" beschreibt mit allen Mittel bloßstellender Übertreibung die Generation der 68er. Es beschreibt die politische und private Szenerie der damaligen Revolutionäre als ideologische Tyrannis, unter der vor allem eine Gruppe litt, die Kinder der 68er.

Um ein solches Kind handelt es sich bei der Hauptfigur der Romanerzählung, ein Mädchen namens Kitty, das zwischen antiautoritärem Kinderladen und Straßendemo aufwächst und noch vor der Einschulung sexuell und politisch aufgeklärt wird.

Sophie Dannenbergs sarkastische Abrechnung mit den 68ern hat, wie nicht anders zu erwarten, Publikum und Kritik zu starken Reaktionen herausgefordert. Ihr Roman wurde von einigen Kritikern drastisch verrissen, von anderen nur als autobiographischer Schlüsselroman verstanden.

Dass er die Öffentlichkeit nicht gleichgültig lässt, ist immerhin ein Zeichen für die Virulenz seines Themas und dafür, dass die Gesellschaft mit "68" tatsächlich noch längst nicht im Reinen ist.
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