Literatur Live
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16.11.2004
Colin McAdam: "Ein großes Ding"
Wagenbach
Rezensentin: Maike Albath

Es ist ein Buch zum Lachen, Kichern und Grinsen: das Debüt des Kanadiers Colin McAdam "Ein großes Ding". Da gibt es zum Beispiel den großspurigen Jerry McGuinty. Der Mann steigt vom Bauarbeiter zum Bauunternehmer auf, zieht mitten in Kanada eine Siedlung nach der anderen hoch und bringt uns eine Menge bei über Gipsplatten, Mörtel und Häuserwände. Immer einen coolen Spruch auf den Lippen, strahlt Jerry ein unverdorbenes Macho-Charisma aus. Nur seiner Ehefrau und den Verträgen der Baubehörde ist er nicht gewachsen.

Letzteres ist das Terrain seines Antagonisten Simon Struthers, des zweiten Helden, eine Art Wiedergänger von Nabokovs Humbert Humbert, gelangweilter Regierungsbeamter in der Behörde für Landschaftsplanung auf der Suche nach "einem großen Ding", notorischer Frauenverführer, verdammt gut aussehend und Liebhaber der kleinen Kwyet, Tochter eines Arbeitskollegen. Am Ende scheitern beide, jeder auf seine Weise. Zwei Männerschicksale, virtuos miteinander verzahnt, mitreißend geschildert.
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