Literatur Live
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19.11.2004
Terézia Mora: "Alle Tage"
Luchterhand
Rezensentin: Edelgard Abenstein

In ihrem Debütroman erzählt die ungarische Autorin, die vor vier Jahren mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, die Geschichte eines Mannes, eines Flüchtlings aus dem ehemaligen Jugoslawien, den es in die Stadt B. verschlagen hat, der zehn Sprachen beherrscht und doch niemandem nahe kommt, der von allen Frauen begehrt wird und doch nicht lieben kann: Die Geschichte eines heimat- und nutzlosen, einsamen "Barbaren".

Entfaltet wird dabei ein Gesellschaftspanorama, in dem Aggressivität und Gewalt, Rausch und vergebliche Liebe eine Hauptrolle spielen, voll düsterer Stimmungen und dunkler Symbole.

"Alle Tage" ist ein Großstadtroman, dessen wechselnde Erzählperspektiven, Tonfälle und Stilebenen ein rasantes Tempo vorlegen, souverän konstruiert und doch bei allem Pathos, Anspielungsreichtum und aller Bilderfülle beherrscht wird von einem Grundton aus Witz und Lakonie.
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