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3.12.2004
Ahmadou Kourouma: "Der letzte Fürst"
Peter Hammer Verlag
Birgit Koß

Aus dem Französischen von Horst Lothar Theweleit

Noch bevor die Elfenbeinküste in diesem Jahr wieder politisch in das Blickfeld Europas geriet, hatte der Peter Hammer Verlag entschieden, "Der letzte Fürst" herauszubringen. Der Autor Ahmadou Kourouma nimmt als Erzähler seine Leser mit in die Elfenbeinküste der 60er Jahre. Die Hauptfigur Fama, der letzte Spross aus dem einst stolzen und mächtigen Geschlecht der Malinke, lebt verarmt in der Hauptstadt.

Er bettelt auf Beerdigungsfeiern und lässt sich von seiner jungen Frau Salimata aushalten. Doch das Schlimmste für ihn ist die Unfruchtbarkeit seiner Frau. Als Famas Cousin stirbt, kehrt Fama ins Dorf zurück und beschließt, doch die Herrschaftswürde zu übernehmen. Zurück in der Hauptstadt, gerät er in ein Komplott und wird inhaftiert. Erst durch ein Gnadengesuch des Präsidenten kommt Fama frei, kehrt ein letztes Mal in die Heimat zurück und findet dabei den geweissagten Tod. Für seine junge Frau Salima bedeutet dies die Chance auf ein glückliches, unabhängiges Leben.

Ahmadou Kourouma, geboren 1927 in Französisch-Westafrika, hatte bis zu den 60erJahren bereits verschiedene Zusammenstöße mit der Kolonialmacht aber auch mit dem jungen Staat Elfenbeinküste erlebt. Diese Erfahrungen des Versicherungsmathematikers bildeten die Grundlage für seinen ersten Roman, der 1986 in Montreal erschien. Weltruhm erlangte er vor allem durch seinen Sprachgebrauch. Das bis dahin übliche koloniale Französisch erweiterte Kourouma durch Bilder, Sprichwörter aber auch Denkschemata der Malinke.

Seine radikale Abrechnung mit der neuen korrupten afrikanischen Führungsschicht war ebenfalls ein Novum. Die Mischung aus bildreicher oraler Erzählkultur und klarer Analyse der gesellschaftlichen und politischen Missstände verleiht dem Buch eine Spannung und Aktualität bis zum heutigen Tag.
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