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13.12.2004
José Lezama Lima: "Inferno. Oppiano Licario"
Ammann
Rezensent: Uwe Stolzmann

Mehr als 20 Jahre lang hatte José Lezama Lima (1910 - 1976) an seinem Opus magnum gearbeitet. Endlich, 1966, erschien das Buch: "Paradiso", eine kubanische Version von Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit"; die Rekonstruktion einer als Paradies empfundenen Kindheit aus dem Havanna vor der Revolution. Das Romanexperiment - laut Octavio Paz "ein Wortgebäude von unglaublichem Reichtum" - wurde weltweit ein triumphaler Erfolg. Seine Verehrer feierten den Dichter fortan wie den Messias.

"Paradiso" sollte rasch eine Fortsetzung erhalten, mal "Inferno" genannt und mal "Oppiano Licario" (so heißt ein geheimnisumwitterter Protagonist). Doch erst im Jahr nach Lezamas Tod ist das Fragment gebliebene Werk vollständig publiziert worden. Und dann nie wieder.

27 Jahre lang existierten nur schlampig lektorierte Fassungen aus Spanien oder Mexiko. Jetzt kam erneut eine gültige Fassung auf den Markt: die liebevoll edierte deutsche Ausgabe von Übersetzer Klaus Laabs und Verleger Egon Ammann.

"Inferno" - ein Meisterstück des modernen spanischsprachigen Barock? Oder nur die Anleitung zu einem feinsinnigen Spiel, das ein universell gebildeter Autor mit uns Ungebildeten zu spielen geruht?
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