Literatur Live
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18.1.2005
Valentin Katajew: "Kubik"
Dörlemann
Rezensent: Carsten Hueck

Valentin Katajew, 1897 in Odessa geboren, gehört zu den Klassikern der Sowjetliteratur. In den frühen 1920er Jahren begann er als Satiriker, arbeitete gemeinsam mit Bulgakow und Soschtschenko. Nach Erfolgen als Dramatiker wandte sich der überzeugte Kommunist dem realistischen Roman zu. Sein Vorbild allerdings war der emigrierte russische Nobelpreisträger Ivan Bunin. 1946 erhielt Katajew den Stalinpreis. In den 1960er Jahren wiederum wurde sein Schreiben zunehmend experimentell. Katajew nahm dezidiert die Einflüsse der europäischen Moderne auf. "Kubik" ist ein herausragendes Zeugnis dieser Phase.

"Kubik" ( russisch "Würfelchen" ) erschien in der Sowjetunion 1969. Im folgenden Jahr kam es zum ersten Mal in deutscher Übersetzung heraus. Der Inhalt des Buches gleicht dem Äußeren jenes bekannten Würfels, dessen Seiten man beliebig verschieben kann. Immer neue, farbige Konstellationen entstehen, für die damalige Sowjetliteratur ein gewagtes Experiment am Rande der Provokation. "Kubik" ist weder Erzählung noch Roman, hat keinen Helden und keine Fabel. Katajew vermischt souverän Fantasie und Wirklichkeit, erzählt von einem Pudel, zwei Kindern auf Entdeckungsreise, der Suche nach einer verlorenen Liebe. Dabei verweist er auf literarische Vorbilder und Weggefährten, die russischen Klassiker und auch die Dissidenten. Dostojewskij und Puschkin werden ebenso zitiert wie Bunin oder Mandelstam. "Kubik" ist eine literarische Reise, voller Detailbeobachtungen und Assoziationen, ein vielstimmiger Gesang zum Lob menschlicher und künstlerischer Freiheit.
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