Literatur Live
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21.1.2005
John Updike: "Sucht mein Angesicht"
Rowohlt
Rezensentin: Maike Albath

Eine alte Frau empfängt Besuch von einer jungen und gibt Auskunft über die Vergangenheit: die Malerin Hope, Witwe eines berühmten bildenden Künstlers, eine knorrige, stolze und liebenswerte Person, wird von der Kunsthistorikerin Kathryn befragt. Ein Wechselspiel aus Erinnerungen, Erwartungen und Projektionen beginnt. Hope empfindet die ehrerbietige Besucherin als angepasst, unlebendig, allzu ehrgeizig und wenig erfahrungshungrig. Aufgewachsen in einer Quäkerfamilie hatte sich Hope in Kathryns Alter mit viel größerer Lebensgier in das explodierende New York der dreißiger und vierziger Jahre gestürzt: Kunst sei damals etwas Absolutes gewesen, keine Beigabe zu Lifestyle-Zeitschriften wie heute, und man habe ein gewisses Maß an Verrottetheit gebraucht, erklärt sie der vor allem theoretisch beschlagenen Kathryn. Da gab es ihren tödlich verunglückten Ehemann Zack, ein Genie und ein Trinker, später einen Star der Popart namens Guy, schließlich einen reichen Sammler, da gab es Weggefährten, Lehrer und Kollegen, da gab es theoretische und ästhetische Kämpfe. John Updike liefert in seinem neuen Roman einen schillernden Rückblick auf die Entwicklung der Malerei im 20. Jahrhunderts, Überraschungen, Skandale, Höhenflügen inbegriffen, und entwirft nebenbei faszinierende Psychogramme großer Künstler. Nicht zuletzt ist "Sucht mein Angesicht" ein Buch über das Altwerden.
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