Literatur Live
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25.1.2005
Helga Schütz: "Knietief im Paradies"
Aufbau Verlag
Rezensent: Jörg Magenau

Die Kindheit sei ihr "schöpferischer Dauerzustand", sagte Helga Schütz einmal. In zahlreichen Erzählungen und Romanen ist sie nach Dresden, in die Welt ihrer Kindheit und in die unmittelbare Nachkriegs- und Aufbauzeit der DDR zurückgekehrt. Auch ihr neuer, autobiografisch grundierter Roman "Knietief im Paradies" setzt mit der Zerstörung Dresdens im Bombenhagel ein und reicht bis ins Jahr 1953, als eine Streikwelle die DDR erschütterte.

Schütz beschreibt Zeitgeschichte aus der Perspektive ihrer jungen Heldin, die nach der viel zu kurzen Schulzeit eine Gärtnerlehre absolviert und dabei lernt, eine Gesellschaft zu verschönern, die zunächst aus nichts als Trümmern zu bestehen scheint. "Dekorieren ist täuschen. Wie die Liebe in einem Gedicht", sagt sie, die in Gummistiefeln die Stadt durchwandert, voller Sehnsucht zu lieben. Sie verliebt sich gleich in zwei junge Männer, die sie retten will: den einen vor dem Verhungern, den anderen vor der DDR.

Helga Schütz hat einen leisen, poetischen Roman geschrieben, der es vermag, selbst das Politische durch die Blume zu betrachten.
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